Coronavirus

Trotz weniger Fälle im Thurgau: «Es ist viel zu früh, um Entwarnung zu geben»

Im 7-Tage-Durchschnitt sinkt die Anzahl Coronafälle im Thurgau, auch der Reproduktionswert zeigt abwärts. Doch der Thurgauer Gesundheitsdirektor Urs Martin warnt davor, sich pandemiemässig zurückzulehnen.

Sebastian Keller
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Ein Coronaschnelltest.

Ein Coronaschnelltest.

Bruno Kissling/«Oltner Tagblatt»

Turbovarianten des Coronavirus dämpfen derzeit die Hoffnung, welche die Zulassung des ersten Corona-Impfstoffes verbreitet hat. Sie wurden zuerst in Südafrika und Grossbritannien entdeckt. Diese Varianten gelten als hochinfektiös, sie verbreiten sich also viel rascher. Obwohl ein Einreiseverbot aus Grossbritannien und Südafrika gilt, keine Flugzeuge verkehren, wurden diese Turboviren bereits in der Schweiz nachgewiesen.

Regierungsrat Urs Martin, Gesundheitsdirektor des Kantons Thurgau.

Regierungsrat Urs Martin, Gesundheitsdirektor des Kantons Thurgau.

Bild: Reto Martin

Im Thurgau fehlt bislang ein solcher Nachweis, wie Gesundheitsdirektor Urs Martin auf Anfrage sagt. «Wir hatten zwar Einreisen aus beiden Ländern, aber die Personen waren symptomfrei und hatten einen negativen Test.» Doch Martin betont, der Thurgau sei keine Insel. Es sei wohl nur eine Frage der Zeit, bis diese ansteckendere Variante in den Thurgau kommen.

Und wie präsentiert sich die aktuelle Coronalage im Kanton? Die Statistiken des Kantons zeigen, dass die Tendenz im 7-Tage-Schnitt rückläufig ist. Der aktuellste Wert wurde für Heiligabend berechnet: Für den 24. Dezember lag er bei 135 Fällen, am 16. Dezember waren es 195,3 Fälle. Dieser Wert erlaubt es, bessere Aussagen über die Entwicklung der Pandemie zu machen.

Mit Interesse verfolgt Urs Martin auch den Reproduktionswert, den R-Wert. Dieser liegt für den Thurgau bei 0,87. Ein R-Wert unter 1 bedeutet, dass sich die Verbreitung verlangsamt, ein R-Wert über 1 geht in Richtung exponentielle Verbreitung.

Die Entwicklung des R-Wertes im Kanton Thurgau.

Die Entwicklung des R-Wertes im Kanton Thurgau.

Bild: ETH Zürich

Die ETH, welche diesen Wert berechnet, verweist darauf, dass der an einem Tag publizierte Wert das Infektionsgeschehen von vor 14 bis 17 Tagen abbildet. «Grund dieser Verzögerung ist das Zeitintervall zwischen Ansteckung und positivem Testergebnis.» Und doch: Die Entwicklung des R-Wertes auf der Zeitachse sieht derzeit auch für den Thurgau positiver aus als auch schon. Urs Martin nennt als vorläufiges Ziel:

«Wir sollten auf 0,7 kommen.»

Allgemein fasst er zusammen: «Es ist viel zu früh, um Entwarnung zu geben.» Auch wenn die Richtung der verschiedenen Parameter stimme. Seine zurückhaltende Aussage wird von einer anderen Zahl genährt. So wurde in den vergangenen Tagen weniger getestet. In der Weihnachtswoche wurden 5554 Coronatests durchgeführt, in der Woche zuvor waren es 6780. Die Pandemie hat bislang gezeigt: Je mehr man testet, desto mehr Infektionen werden entdeckt.

An der Spitalfront sei die Lage nach wie vor angespannt, sagt Martin. So waren am Montag immer noch 78 Personen hospitalisiert, 18 davon müssen intensivmedizinisch behandelt werden.

Keine Silvesterpartys

Nun steht der Jahreswechsel bevor. Ein Anlass, an dem normalerweise viele Menschen zusammen anstossen. Der Thurgauer Gesundheitsdirektor appelliert an die Bevölkerung, den Rutsch ins neue Jahr im kleinen Kreise zu begehen. Auf Partys sollte verzichtet werden.

Auch die Zwei-Haushalte-Regel gelte an Silvester. «Wir haben uns bewusst gegen eine Ausnahmebestimmung entschieden», sagt der Regierungsrat. In den Weihnachtsfeiertagen durften ausnahmsweise Personen aus mehr als zwei Haushalte in einer Wohnung zusammenkommen. Über zehn Menschen waren aber auch unter dem Christbaum nicht erlaubt.

Urs Martin rät ferner, auch auf das Silvesterläuten zu verzichten. Ebenso sollen Sternsinger nicht von Haus zu Haus tingeln. «Singen ist nicht so schlau», sagt Martin. Gemäss Bundesamt für Gesundheit ist dies derzeit ohnehin nur in der Familie und in Schulen erlaubt.