Coronavirus
Thurgauer Kantonsräte wollen der Regierung beim Impfen Beine machen

Die erste Impfstatistik des Bundes wies den Kanton Thurgau beim Impfen als Schlusslicht aus. Am Mittwoch haben zwei FDP-Kantonsräte deswegen einen Vorstoss eingereicht. Dieser zielt auch auf die Vergabe des Impfauftrages an die Hirslanden ab.

Sebastian Keller
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Ein Thurgauer mit Jahrgang 1929 lässt sich am 13. Januar 2021 im Frauenfelder Impfzentrum gegen Corona impfen.

Ein Thurgauer mit Jahrgang 1929 lässt sich am 13. Januar 2021 im Frauenfelder Impfzentrum gegen Corona impfen.

Bild: Kevin Roth

Auf Twitter veröffentlicht der Kanton täglich seine Impfbuchhaltung: Per 27. Januar waren 5629 Dosen verimpft, was einem Plus gegenüber dem Vortag von 969 Dosen entspricht.

Viktor Gschwend, FDP-Kantonsrat.

Viktor Gschwend, FDP-Kantonsrat.

Bild: PD

«Weshalb kommt der Thurgau beim Impfen nicht auf Touren?»: So lautet die erste Frage von Viktor Gschwend (FDP, Neukirch) und Daniel Eugster (FDP, Freidorf). Mit einer Einfachen Anfrage fordern sie Antworten von der Regierung rund um die Impfkampagne. Auslöser für den Vorstoss ist eine vergangene Woche veröffentlichte Impfstatistik des Bundes. Diese hängte dem Thurgau bezüglich Impffortschritts die rote Laterne um.

Daniel Eugster, FDP-Kantonsrat.

Daniel Eugster, FDP-Kantonsrat.

Bild: Donato Caspari

«Die Impfkampagne läuft für die Bevölkerung nicht zufriedenstellend», halten die FDP-Kantonsräte in ihrem am Mittwoch eingereichten Vorstoss fest. So fragen sie die Regierung, weshalb Risikogruppen durch den ganzen Kanton reisen müssen. «Und weshalb können die Injektionen nicht auch beim Vertrauensarzt in der Hausarztpraxis verabreicht werden?» Die Antwort auf die letzte Frage ist allgemein bekannt: Der erste zugelassene Impfstoff des Konsortiums Pfizer/Biontech muss bei -70 Grad gelagert werden und ist auch sonst in der Logistik anspruchsvoll. Deshalb wird dieses Vakzin in Impfzentren verabreicht.

Die Kantonsräte verweisen darauf, dass der Thurgau zwei moderne Kantonsspitäler sowie ein etabliertes Hausarztmodell habe. Dennoch sei der kantonale Impfauftrag an eine Drittfirma vergeben worden. «An den ehemaligen Arbeitgeber von Regierungsrat Martin», schreiben sie. Gemeint ist die Privatklinikgruppe Hirslanden. Diese machte vergangene Woche Schlagzeilen, weil sie den südafrikanischen Milliardär Johann Rupert zur Testimpfung ins Kantonsspital Münsterlingen schleuste. Die Hirslanden entschuldigte sich nach Bekanntwerden dafür. Rupert, der seit Jahrzehnten in der Schweiz einen Wohnsitz hat, sprach in einem Interview mit der «Sonntagszeitung» von einem «legalen» Fehler.

Die FDP-Kantonsräte stellen diesbezüglich weitere Fragen: «Wie verlief das Ausschreibungs- und Auswahlverfahren für den Impfauftrag?» Sie erkundigen sich auch, wie viele Angebote eingereicht worden und wie hoch die Kosten seien. «Ist es korrekt, dass die Spital Thurgau AG einen Auftrag für die Umsetzung der ersten Impfkampagne zurückwies?», wollen die Politiker weiter wissen.

Die Kantonsräte wollen ferner erfahren, bis wann mit einer flächendeckenden Impfung gerechnet werden könne.