Coronavirus
Regierung verteidigt Maskenpflicht an der Thurgauer Oberstufe – Kantonsrat fordert deren Ende

Die Thurgauer Regierung nimmt mit der Beantwortung eines Vorstosses Stellung zum umstrittenen Thema Maskenpflicht in der Schule. Bezüglich der fehlenden Mimik sieht die Regierung kein Problem. GLP-Kantonsrat Marco Rüegg hat nach wie vor Bedenken. Er fordert, die Maskenpflicht nicht über den 16. Januar zu verlängern.

Sebastian Keller
Merken
Drucken
Teilen
In Berner Gymnasien galt bereits nach den Sommerferien eine Maskenpflicht.

In Berner Gymnasien galt bereits nach den Sommerferien eine Maskenpflicht.

Bild: Anthony Anex/Keystone

Im Thurgau müssen Schülerinnen und Schüler der Stufe Sek 1 seit dem 2. November im Klassenzimmer eine Maske tragen. Sie sind in der Regel über zwölf Jahre alt. Die Regierung hat nun eine Einfache Anfrage von Marco Rüegg (GLP, Gachnang) und Katharina Bünter (CVP, Gerlikon) beantwortet. Im Vorstoss äusserten sich die beiden Kantonsparlamentarier kritisch zu dieser Massnahme an Schulen - etwa wegen einer potenziellen Gesundheitsgefährdung oder fehlender Mimik.

Die Regierung hält in der Antwort fest, dass gemäss aktuellen medizinischen Einschätzungen Masken auch für Kinder unbedenklich seien. Das würde etwa die Fachgesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin bestätigen. Die Regierung schreibt:

«Diese Unbedenklichkeit setzt ein richtiges Tragen voraus.»

Sitze die Maske beispielsweise zu eng und lasse sie keine Luft an den Seiten durch, könne der CO2-Gehalt unter der Maske ansteigen und Kopfschmerzen oder Müdigkeit verursachen. In der Schule werde das richtige Tragen der Masken mit den Jugendlichen thematisiert.

Marco Rüegg, GLP-Kantonsrat aus Gachnang.

Marco Rüegg, GLP-Kantonsrat aus Gachnang.

Bild: Andrea Stalder

Marco Rüegg sagt, er hätte sich von der Antwort mehr erhofft. «Man geht etwas leichtfertig mit dem Thema um», sagt der Kantonsrat. Es gebe auch Studien, welche eine Gesundheitsgefährdung belegen – vor allem beim längeren Tragen der Masken. «In der Schule sitzen die Schüler mehrere Stunden mit der Maske», sagt Rüegg, dessen Tochter die Oberstufe besucht. Auf der anderen Seite sei die Wirksamkeit von Masken nicht belegt, oder sei zumindest nicht bewiesen. Als Beleg reicht Rüegg zwei Studien in Englisch nach, die von internationalen Forschern um den Epidemiologen Boris Borovoy verfasst wurden.

Langzeitfolgen für die Psyche: «noch keine Klarheit»

Fragen stellten Rüegg und Bünter auch zur psychischen Gesundheit, die etwa durch die eingeschränkte Mimik beeinflusst werde. So müssen ja beispielsweise auch Lehrpersonen in der Primarschule Masken tragen. In dieser Frage gibt es laut Regierung «noch keine Klarheit». Einige Experten würden vor den Auswirkungen des Maskentragens warnen. Andere seien der Meinung, dass sich bereits Säuglinge auch stark an den Augen, dem Haaransatz oder an den ganzen Bewegungsabläufen des Gegenübers orientierten. «Und daher diese Phase mit der geltenden Maskenpflicht bewältigen könnten», wie die Regierung schreibt.

Marco Rüegg sieht darin noch keinen Beweis, dass langfristige psychische Schäden ausgeschlossen sind. Er beklagt zudem, dass beim Tragen von Masken die für Kinder und Jugendlichen wichtigen Emotionen fehlen.

«Man sieht weder Lust noch Frust.»

Der GLP-Kantonsrat fordert von der Regierung, auf eine Weiterführung der Maskenpflicht an den Oberstufen zu verzichten. «Jetzt ist ein guter Zeitpunkt», sagt Rüegg. So ist die Massnahme bis vorerst 16. Januar verlängert worden. Zudem würden auch neue Studien bestätigen, dass die Kinder nicht die Treiber der Pandemie seien. Sollte die Maskenpflicht dennoch erneut verlängert werden, erwägt Rüegg einen neuerlichen Vorstoss.