Coronavirus
Gewerkschaftsbund zum Thurgauer Härtefallprogramm: Die Schwelle muss fallen

«Die Härtefallregelung für Kleinbetriebe im Thurgau muss verbessert werden, damit Dorfbeizen nicht für immer verschwinden und Kinos gar nicht mehr öffnen»: Das fordert Edith Graf-Litscher, Präsidentin des Thurgauer Gewerkschaftsbundes.

Christof Lampart
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Diese Vertreterinnen und Vertreter der verschiedenen Gewerkschaften wollen sich auch im Jahr 2021 für die Rechte der Arbeitnehmerinnen und -nehmer im Thurgau einsetzen.

Diese Vertreterinnen und Vertreter der verschiedenen Gewerkschaften wollen sich auch im Jahr 2021 für die Rechte der Arbeitnehmerinnen und -nehmer im Thurgau einsetzen.

Christof Lampart

Wie an der Jahresmedienorientierung des Thurgauer Gewerkschaftsbundes (TGGB) deutlich wurde, geht der Kampf der Arbeitnehmervertretungen gegen die Coronakrise weiter. «Das Ende ist noch nicht absehbar», orakelte die SP-Nationalrätin und TGGB-Präsidentin Edith Graf-Litscher. Als wirtschaftsschädlich erachtete sie, dass der Thurgauer Regierungsrat nur Coronadarlehen an Firmen auszahlen möchte, wenn mindestens 300 Stellenprozente vorhanden sind. Graf-Litscher sagte:

«Diese Schwelle ist zu hoch, wenn man Arbeitsplätze erhalten möchte. Das Gewerbe braucht nicht drückende Schulden, sondern A-fonds-perdu-Beiträge, um wieder auf die Beine zu kommen.»

«Applaus haben wir genug gehabt»

Unia-Vertreter Lukas Auer beklagte, dass Gastronomie und Handel im Jahr 2020 unter die Räder gekommen seien. Für ihn ist klar: «Mieterlasse und nicht rückzahlbare Zuschüsse würden eine flächendeckende Existenzvernichtung verhindern.» In der Pflege gelte es, eine Qualifizierungsoffensive zu starten: «Applaus haben wir genug gehabt. Jetzt müssen die Arbeitsbedingungen verbessert werden, damit nicht noch mehr Pflegende aufhören.» Auer wird an der TGGB-Delegiertenversammlung vom 31. März 2021 der einzige Kandidat für die Nachfolge von TGGB-Präsidentin Graf-Litscher sein; die Frist zur Einreichung von Kandidaturen verstrich am 12. Januar.

Laut Rita Kägi, Leiterin des Arbeitersekretariats, seien die Beratungen im 2020 «weniger, dafür intensiver» gewesen. «Mit der Kurzarbeit hatten wir jahrelang nichts zu tun; jetzt war sie wieder ein Riesenthema.»

Luftfahrt im Sturzflug, Paketdienste boomen

Ein «annus horribilis» hat, laut Sandrine Nikolic-Fuss, Präsidentin der Gewerkschaft des Kabinenpersonals Kapers, die Luftfahrt hinter sich, führten doch die Folgen der Pandemie zu massiven Lohneinbrüchen. Schon heute würden Fluggesellschaften, die die Sozialpartnerschaft nicht akzeptierten, ihrem Kabinenpersonal Löhne von 2500 Franken bezahlen. Und ein Ende der Abwärtsspirale sei nicht absehbar. Denn «momentan liegt die Flugoperation bei rund 20 Prozent der Kapazität und zugleich besteht ein Personalüberstand von 30 Prozent», erläuterte Nikolic-Fuss.

Azra Ganic, Regionalsekretärin der Gewerkschaft Syndicom, forderte mehr Festanstellungen im Paketdienst. Da der Onlinehandel wachse, seien insbesondere Paketzusteller enorm unter Druck: «Wer ein Paket entgegennimmt, stellt oft fest, dass die Paketbotin bereits den Abholschein ausfüllt. Wer nicht schnell genug an der Tür ist, muss das Paket auf der Poststelle abholen – und das steht im krassen Gegensatz zum Service-public-Gedanken.»

Nicht funktioniert, so Claude Meier von der Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV), habe die Idee, Piloten für den Job als Lokführer zu gewinnen, um so den Mangel an Lokführern abzumildern. «Die Idee war gut. Doch die wenigen Interessierten wollten nur wechseln, bis sich die Lage in der Luftfahrt wieder bessert.» Und dafür sei die Ausbildung doch zu intensiv und zu teuer.

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