Corona-Krise: Der alte Bettenturm am Thurgauer Kantonsspital wird reanimiert

Wappnen für die Virus-Krise: Das Kantonsspital in Frauenfeld wird zum Corona-Zentrum umgerüstet. Die Armee liefert 200 Betten.

Silvan Meile
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Marc Kohler, CEO Kantonsspital Thurgau, am Montag an der Pressekonferenz zum Coronavirus.

Marc Kohler, CEO Kantonsspital Thurgau, am Montag an der Pressekonferenz zum Coronavirus.

Bild: Andrea Stalder

Das markante Frauenfelder Spitalhochhaus muss nochmals für einen letzten Notfall hinhalten. Derzeit liefert die Armee 200 Betten an, um das ausgediente Gebäude wieder für Patienten öffnen zu können. «Diese Woche erwartet uns die Infektionswelle», sagt Gesundheitsdirektor Jakob Stark.

Mit den zusätzlichen Spitalkapazitäten wappnet sich der Thurgau für den Fall, dass sich die Zahlen an Corona-Patienten, die Behandlung benötigen, explodieren. «Die Fallzahlen ändern stündlich», sagt Kantonsärztin Agnes Burkhalter am Montagnachmittag.  «Wir erleben die Ruhe vor dem Sturm.» Es sei «eine glückliche Fügung», dass die Infrastruktur des alten Bettenturms noch vorhanden sei.

«Dieser Umstand ist schweizweit einmalig.»

Es gelte, diese Chance nun zu nutzen.

Mit der Reanimation des alten Bettenturms wird Frauenfeld zu einem Zentrum für Corona-Patienten. «Das ist für den Thurgau wichtig, aber auch für die ganze Schweiz», sagt Stark. Die überregionale Bedeutung unterstreicht auch die Tatsache, dass die Armee an vorderster Front mithilft, diese zusätzlichen Bettenplätze einzurichten.

Spitalbataillon 75 ist nun in Frauenfeld stationiert

Vor vier Wochen bezog die Spital Thurgau AG ihren Spitalneubau neben dem alten Bettenturm. Im laufenden Betrieb haben die Mitarbeiter die Patienten vom Bettenturm in den Neubau verlegt. Doch nun gilt es, die «normalen» Patienten schrittweise wieder ins alte Hochhaus zu verschieben. Denn, weil der Neubau besser ausgerüstet ist, werden die Corona-Patienten dort untergebracht.

Im Extremfall wird der ganze neue Trakt mit seinen 280 Betten für sie freigeräumt, wie Spital-CEO Marc Kohler am Montag vor den Medien erklärt. Dem Spital wird somit bereits wieder eine logistische Höchstleistung abverlangt.

Für Corona-Verdachtsfälle wird ein eigener Notfall-Eingang eingerichtet. Zwar verfüge man nur über Arbeitsmaterial für ein Spital, betont Kohler.

«Sorgen bereitet uns aber das Personal.»

Um den Betrieb mit den zusätzlichen Kapazitäten auch gewährleisten zu können, benötige man weitere 200 Fachkräfte. Die Armee, die mit dem Spitalbataillon 75 in Frauenfeld stationiert ist, kann 30 bis 40 solcher Fachkräfte stellen. Kohler sagt:

«Momentan haben wir die Zusagen für genügend medizinisches Personal noch nicht.»

Diesbezüglich rechne man auch mit der Hilfe von Privatkliniken, Heimen und Arztpraxen, erklärt Regierungsrätin Cornelia Komposch. Ausserdem sei bereits eine erste Schulung von Freiwilligen angelaufen, die sich auf einen Aufruf des Kantons gemeldet haben.

Erste Zusatzbetten sollen sofort zur Verfügung stehen. Der spezielle Corona-Betrieb wird nun laufend hochgefahren. Am 1. April sollen zusätzliche 100 Betten einsatzbereit sein, ab dem 8.April deren 200. Kohler betont, dass selbstverständlich der ordentliche Notfallbetrieb am Spital Frauenfeld gewährleistet bleiben muss. Vermehrt würden aber Nicht-Covid-Patienten an den Standort Münsterlingen verlegt werden.

«Wir sind in der Lage, dieses Problem zu lösen», sagt Hans Peter Schmid, Chef des kantonalen Führungsstabes. Auf längere Frist könne es allenfalls bei den Schutzmasken knapp werden. «Es wird derzeit mit Hochdruck versucht, solche zu beschaffen.»

Das gelte auch für Beatmungsgeräte. Sie kommen für Corona-Patienten mit besonders schwerem Krankheitsverlauf auf der Intensivstation zum Einsatz. Die Spital Thurgau AG verfügt gemäss Kohler über rund 40, die für Corona-Patienten eingesetzt werden können. Weitere zehn werden von der Herzklinik in Kreuzlingen erwartet.

Für Regierungsratspräsident Jakob Stark sind die nötigen Vorkehrungen getroffen. «Liebe Thurgauer, wir haben vorgesorgt.»

Bis zu 200 zusätzliche Betten: Im ausgedienten Frauenfelder Spital-Bettenhochhaus wird eine Corona-Notfallstation eingerichtet

Das alte Bettenhochhaus des Kantonsspitals Frauenfeld wird wieder in Betrieb genommen. Die Kapazität wird Stufe um Stufe hochgefahren. So sollen im Endausbau total 200 zusätzliche Betten für Corona-Patienten zur Verfügung stehen. Der Abbruch des Bettenhochhauses wird bis mindestens Anfang Juli verschoben, aufgrund der Notlage ohne Kostenfolgen für den Kanton.