Coronavirus
Der erste Piks erfolgt nach Ostern: Drittes Thurgauer Impfzentrum wird in einer Fabrikhalle in Weinfelden eingerichtet

Zehn Spuren, impfen im Fünfminutentakt: Der Kanton Thurgau nimmt am Dienstag, 6. April, sein bisher grösstes Impfzentrum in Betrieb. Die Aufbauarbeiten in einer Shedhalle am Siedlungsrand von Weinfelden befinden sich in der finalen Phase. Weiterhin in Betrieb sind das Impfschiff auf dem Bodensee und das Impfzentrum in Frauenfeld. Auch Hausärzte impfen.

Sebastian Keller
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Aufbau des Impfzentrums in Weinfelden.

Aufbau des Impfzentrums in Weinfelden.

Bild: Kevin Roth

Hier im Westen franst Weinfelden aus. Die Siedlung geht in Ackerflächen und Wiesen über. Bald beginnt ein Wäldchen. Zwischen der Bahntrasse und dem Giessen, der hier schon breiter fliesst als im Zentrum, steht eine Shedhalle, das Dach gleicht dem Kamm eines Hahnes. In der Produktionshalle, wo bis vor zwei Jahren noch die Denipro AG Teile für Förder- und Verteilsysteme herstellte, ertönen mal Hammerschläge, mal Bohrmaschinen.

Das dritte kantonale Impfzentrum in Weinfelden

Am 6. April 2021 nimmt es den Betrieb auf

Auf den ersten Blick wähnt man sich beim Aufbau einer Gewerbemesse. Weisse Trennwände unterteilen die Fabrikhalle in kleine Räume. Der Eindruck täuscht nicht: Beim dritten Thurgauer Impfzentrum arbeiten die Messen Weinfelden mit. «Wir haben es geplant», sagt Messeleiter Gregor Wegmüller.

Da wegen Corona Publikumsmessen derzeit ein höchst unsicheres Geschäft sind, ist Wegmüller dankbar für den Auftrag. Die jahrelange Expertise von Messen wie der Wega sei bei diesem Auftrag hilfreich. «Da gibt es Parallelen», sagt Wegmüller und nennt als Beispiel Flexibilität und Improvisationskunst.

Adriano Mari, Projektleiter Hirslanden-Gruppe.

Adriano Mari, Projektleiter Hirslanden-Gruppe.

Bild: Kevin Roth

Auch das dritte Impfzentrums betreibt die Zürcher Hirslanden-Gruppe. Projektleiter Adriano Mari führt zusammen mit Markus Bürgi, Leiter Abteilung Zivilschutz beim Kanton, Medienschaffende durch die Baustelle Impfzentrum. Inspiration holte man sich auch im Nachbarkanton. «Wir haben beim Kanton Zürich abgeschaut», sagt Bürgi und schmunzelt. «Dieses Zentrum in Weinfelden ist die kleine Schwester, wenn man so will.» Hüben wie drüben für die Impfzentren zuständig: die Hirslanden-Gruppe.

Nur eine Richtung im Impfzentrum

Markus Bürgi, Leiter der Abteilung Zivilschutz beim Kanton.

Markus Bürgi, Leiter der Abteilung Zivilschutz beim Kanton.

Bild: Kevin Roth

Nach dem Eintritt in die Halle werden die Impfwilligen an einem von drei Check-in-Schaltern begrüsst. Etwa Reisefeeling in reisefeindlichen Zeiten. Hier wird geprüft, ob sie einen Termin haben. Danach geht es in einen Warteraum mit Stühlen, von wo die Patienten zur Impfung gerufen werden. Mari sagt:

«Das Impfen selber ist der kürzeste Teil.»

Oberarm frei machen. Piks. «Die Spritze mit dem Impfstoff wird schon vorher aufgezogen», sagt Mari. Danach geht die frisch geimpfte Person in einen Raum zur Beobachtung. Für rund 15 Minuten. Alles in allem dauert der Impftermin nicht mehr als 30 Minuten. Mari und Bürgi appellieren an die Bevölkerung, nicht zu früh zur Impfung zu kommen. Zehn Minuten vor dem Termin reiche. Stau wie am Gotthard vor Ostern will man in Weinfelden verhindern.

Einblick in eine Impfstrasse.

Einblick in eine Impfstrasse.

Bild: Kevin Roth

Für den Start nach Ostern werden zehn Impfstrassen eingerichtet. Ob sie von Beginn weg alle in Betrieb sein können, ist ungewiss. «Das ist abhängig von der Lieferung des Impfstoffes», sagt Markus Bürgi. So oder so: Die Menge des Impfstoffes gibt den Takt vor. Und die Mengen sind knapp. Dieses Problem thematisiert auch der aktuelle Lagebericht des Fachstabes Pandemie: «Die Thurgauer Hausärztinnen und Hausärzte konnten bisher nicht mit der gewünschten Menge an Impfdosen beliefert werden.»

Welcher Impfstoff ist noch ungewiss

Das Impfzentrum in Weinfelden könnte sieben Tage die Woche zwölf Stunden öffnen – ausreichend Impfstoff vorausgesetzt. Welches Vakzin – Moderna oder jenes von Biontech/Pfizer – in Weinfelden verimpft wird, ist noch nicht klar. Grundsätzlich ist man für beide gerüstet.

Warten nach der Impfung im Beobachtungsraum.

Warten nach der Impfung im Beobachtungsraum.

Bild: Kevin Roth

Der Standort des Impfzentrums in Weinfelden ist nicht jedem geläufig. «Deshalb wird ein Fussweg vom Bahnhof noch ausgeschildert», erklärt Wegmüller. Er verweist darauf, dass sich auch die Bushaltestelle Dunantstrasse in unmittelbarer Nähe befindet.

Das grösste Impfzentrum ist eine Ergänzung zu den bisherigen zwei und den Hausarztpraxen. Auch das Impfschiff sticht erneut in See. Noch bis Freitag liegt es in Arbon. Danach startet die MS Thurgau im Heimathafen Romanshorn zur zweiten Kampagne, um Corona-Impfungen auch nach Kreuzlingen und Arbon zu bringen. «Bis mindestens Mitte Mai», sagt Adriano Mari.