Coronaschicksal
«Die Luft ist draussen»: Frank Wäny und sein Showlight-Team in Frauenfeld arbeiten seit Monaten auf Sparflamme

Seit dem Ausbruch der Pandemie fehlen der Showlight AG unzählige Aufträge. Einzelne Mitarbeitende sind seit vergangenem März in Kurzarbeit.

Samuel Koch
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Geschäftsführer Frank Wäny im Materiallager, das derzeit beinahe überquillt.

Geschäftsführer Frank Wäny im Materiallager, das derzeit beinahe überquillt.

Bild: Andrea Stalder

So überfüllt mit Material ist sein Lager sonst nur selten. Im Gewerbehaus der Showlight AG reiht sich Regal um Regal, darin Lampe um Lampe, Kabel um Kabel, Steckdose um Steckdose. «Es ist alles da», sagt Frank Wäny, Geschäftsführer und Inhaber von Showlight. Denn wegen der Pandemie finden seit Wochen und Monaten keine Anlässe mehr statt, von Grossanlässen können er und seine Mitarbeiter derzeit nur träumen.

Wänys Disponent Clemens Bosch, an diesem Tag im Gegensatz zu den restlichen vier Mitarbeitenden für wenige Stunden am Arbeitsplatz, sagt:

«Es ist schon krass, wir haben nicht nur keine Events mehr, sondern auch keine Laufkundschaft mehr, nichts mehr.»

Sein Chef bezeichnet Boschs derzeitige Arbeit als «Absagenverwaltung». Seine Angestellten sieht Frank Wäny kaum mehr, viele sind seit vergangenem März fast gänzlich in Kurzarbeit. Jemand macht gar eine Weiterbildung im Wirtschaftsbereich, um sich während der Krise ein weiteres Standbein aufzubauen.

Immerhin bleibe der Showlight noch der Reparaturbereich, Einzelaufträge für Firmen oder Schulen, die ihre Infrastruktur à jour bringen wollen. Das Geschäft der Showlight in Frauenfeld läuft quasi auf Sparflamme.

Gefühlschaos in Wellenbewegungen

Konkret spricht Wäny von einer Umsatzeinbusse von 40 bis 60 Prozent. Die genauen Zahlen von 2020 fehlen ihm noch, weil das vergangene Geschäftsjahr buchhalterisch noch nicht ganz abgeschlossen sei. Angesichts der Schwierigkeiten in der Eventbranche durchlebe er das Gefühlschaos in Wellenbewegungen. Manchmal gehe es ihm gut, wie oft montags mit neuem Schwung. Aber, sagt Wäny:

«Es gibt auch Tiefs.»

Deshalb hat er im Juni bei der Aktion «Night of Light» mitgemacht. Um auf die Probleme und Sorgen in der Eventbranche hinzuweisen, hat das Showlight-Team mit anderen Veranstaltern unter anderem den Bettenturm des Kantonsspitals Frauenfeld oder die Kamine der Kehrichtverbrennungsanlage in Weinfelden rot beleuchtet.

«Night of Light» mit dem rot beleuchteten Bettenhaus des Kantonsspitals.

«Night of Light» mit dem rot beleuchteten Bettenhaus des Kantonsspitals.

Bild: Andrea Stalder, (Frauenfeld, 22. Juni 2020)

Von der Lobby spürt Wäny Unterstützung, aber zu wenig. Ausserdem sei vielen in der Politik nicht bewusst, wie viele Menschen vom Absturz der Eventbranche betroffen seien. «Die Luft ist draussen», sagt er.

Startschuss mit mobiler Disco in den 80ern

Angefangen hat für Frank Wäny alles in den späten 80er-Jahren. Im zarten Alter von 17 Jahren machte er sich mit einem Kollegen mit einer mobilen Disco einen Namen. Zu Zeiten, als es noch kein «Firehouse» oder ähnliche Tanzlokale gab. Wäny sagt:

«Dann sind immer mehr Anfragen gekommen, weshalb ich eine Firma gegründet habe.»

Sein Geschäftspartner ist später ausgestiegen. Verblieben ist Wäny, früher bei der Bleiche an der Zürcherstrasse, heute an der Langfeldstrasse vis-à-vis dem Postpaketzentrum im Osten der Stadt. Seit seinen Anfängen habe sich in der Branche viel getan, sei es im technologischen Wandel, aber auch bezüglich Gesetze mit Leitplanken für Lasershows oder dem Lärmschutz.

Während des ersten Lockdowns habe Wäny einen Covid-Kredit in Anspruch genommen. Die Härtefallregelung des Kantons bezeichnet er hingegen als mangelhaft:

«Mit diesen Massnahmen fallen viele durchs Auffangnetz.»

Wäny rechnet jedenfalls nicht mit Härtefall-Geldern. Der Eventbranche gehe es derzeit so dreckig, dass viele ihr Occasionsmaterial verkaufen würden. Das Problem: Niemand kauft wegen der Planungsunsicherheit, weshalb die Preise in den Keller purzeln. «Diese Unsicherheit, wann alles wieder gut kommt, nagt schon sehr», sagt Wäny. Gleichzeitig will er aber nicht jammern und weiss, dass es vielen anderen auch schlecht oder gar noch mieser geht.

Angesprochen auf die Zukunft, fragt er zurück: «Wissen Sie, wann es fertig ist?» Damit das Geschäft wieder zum Laufen komme, brauche es Lockerungen, massive Lockerungen, ist sich Wäny sicher. «Bei Anlässen mit 50 Personen braucht es keine Technikfirma.» Deshalb setzt er seine Hoffnungen auf den Sommer. Bis dahin macht er, was er kann und was halt gerade anfällt. Oder er frönt seinen Hobbys, mit dem Aufbau einer privaten Website. Wäny sagt: «Langweilig wird es mir garantiert nicht.»