Coronapandemie
Kompromiss mit den Ärzten erzielt: Thurgauer Regierung erhöht den Tarif für die Covid-19-Impfung auf 40 Franken

Ärztinnen und Ärzte im Kanton Thurgau erhalten ab sofort 40 statt 24.50 Franken pro Covid-19-Impfung. Das hat der Regierungsrat entschieden. Die Regelung gilt vorerst bis 31. August 2021. Dem Entscheid ist ein Disput mit der Ärztegesellschaft vorausgegangen.

Hans Suter
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Mit dem Impfen allein ist es nicht getan: Es gibt auch administrativen Aufwand in den Arztpraxen und Apotheken.

Mit dem Impfen allein ist es nicht getan: Es gibt auch administrativen Aufwand in den Arztpraxen und Apotheken.

Bild: Tom Ulrich

«Das Impfen der Bevölkerung erfolgt im Auftrag der Kantone, also müssten es die Kantone auch bezahlen», sagte Alex Steinacher im Februar gegenüber dieser Zeitung, nachdem der Bundesrat folgendes entschieden hatte: Die Arztpraxen erhalten vom 1. Januar bis am 30. Juni eine Abgeltung von 24.50 Franken und ab dem 1. Juli pauschal 16.50 Franken pro Impfung. Mit dieser Impfpauschale gelten alle Grundleistungen im Zusammenhang mit der Impfung als abgegolten. Sie umfassen die Information zur Impfung, die Überprüfung des Impfstatus, Impfanamnese und Kontraindikationen, die Einholung des Einverständnisses, die Verabreichung, die Ausstellung der Impfbescheinigung und die Dokumentation. Den Impfstoff inklusive Spritze bezahlt der Bund.

Impfpauschale ist nicht kostendeckend

Alex Steinacher, Präsident der Ärztegesellschaft Thurgau.

Alex Steinacher, Präsident der Ärztegesellschaft Thurgau.

Bild: Kevin Roth

«Dass die Impfpauschale nicht kostendeckend ist, enttäuscht uns sehr», sagte Alex Steinacher im Februar.

«In der Vollkostenrechnung kommen wir auf 120 Franken für zwei Impfungen, wobei die erste deutlich aufwendiger ist als die zweite.»

Pro Impfproband müssten auf einem Excel-File rund 50 verschiedene Felder ausgefüllt werden, was sehr aufwendig sei, wie der Präsident der Ärztegesellschaft verdeutlichte. «In dieser Rechnung legen die Ärztinnen und Ärzte pro zweimal geimpfte Person aktuell rund 70 Franken und ab 1. Juli knapp 90 Franken drauf», rechnete Steinacher vor.

«Defizit auf ein tragbares Mass reduziert»

Mittlerweile sind gut zwei Monate verstrichen. «Die Vollkosten einer Impfung in den kantonalen Impfzentren des Kantons Thurgau belaufen sich auf Basis der Zahlen der Monate Januar bis März 2021 auf rund 40 Franken», heisst es in einer Medienmitteilung der Regierung. Für den Kanton sei es unerheblich, ob er die Auffinanzierung auf 40 Franken an die Impfzentren oder an impfende Ärztinnen, Ärzte oder Apotheken entrichte. «Im Sinne der Gleichbehandlung aller Impfenden hat der Regierungsrat entschieden, dass künftig auch Ärztinnen, Ärzte und Apotheken insgesamt 40 Franken pro Impfung erhalten», verlautet nun aus der Staatskanzlei. Die Finanzierung erfolgt gemäss der Medienmitteilung über den Covid-19-Kredit.

Damit bleibt aber immer noch eine Differenz von 20 Franken in der Vollkostenbetrachtung zwischen Ärzteschaft und Regierung. Das bestätigt Alex Steinacher, relativiert aber:

«Haben wir unsere Vollkostenrechnung nochmals eingehend überprüft. Nach Tarmed bekämen wir 112 Franken.»

Die Impfpauschale von 40 Franken sei denn auch als Kompromiss aus den Gesprächen zwischen Kantons- und Ärzteschaftsvertretern zu sehen, sagt Alex Steinacher.

«Durch die Pauschale von 40 Franken pro Impfung hat sich für uns das Defizit auf ein tragbares Mass reduziert.»

Haben sich die Wogen zwischen der Ärztegesellschaft und dem Kanton damit geglättet? «Ja, das trifft es. Und ich hoffe, dass wir so weiterfahren können. In der Vergangenheit haben wir mit dem Amt ja immer gut zusammengearbeitet.»

Arztpraxen und Apotheken sollen Impfzentren ablösen

Regierungsrat Urs Martin ist Gesundheitsdirektor des Kantons Thurgau.

Regierungsrat Urs Martin ist Gesundheitsdirektor des Kantons Thurgau.

Bild: Donato Caspari

Mit zunehmender Durchimpfungsrate sollen die Impfzentren durch die dezentralen Arztpraxen und Apotheken abgelöst werden, wie schon früher aus dem Departement von Gesundheitsdirektor Urs Martin verlautete. Die bundesweit geltenden pauschalen Abgeltungen sind indes nicht kostendeckend, was einem hinreichenden Einbezug von Arztpraxen und Apotheken in die kantonale Impfkampagne und damit einer möglichst raschen Durchimpfung entgegensteht. Insbesondere auch deshalb wurde eine Auffinanzierung auf 40 Franken beschlossen.

Mit steigender Durchimpfungsrate sollen die Impfzentren (im Bild Weinfelden) durch die dezentralen Arztpraxen und Apotheken abgelöst werden.

Mit steigender Durchimpfungsrate sollen die Impfzentren (im Bild Weinfelden) durch die dezentralen Arztpraxen und Apotheken abgelöst werden.

Bild: Kevin Roth

Die Arztpraxen und Apotheken, die Impfungen anbieten wollen, müssen allerdings zwingend über eine autorisierte Softwarelösung für die Terminvergabe, die Datenerfassung und die Dokumentation sowie das Reporting für das Impfmonitoring verfügen. Die Verwendung einer vom Kanton autorisierten Softwarelösung ist daher Voraussetzung für die Durchführung von Impfungen in Arztpraxen und Apotheken und deren Abgeltung. Auch dies wurde laut Alex Steinacher in einvernehmlichen Gesprächen geregelt. Im Thurgau wird auf die gleiche Lösung gesetzt wie im Kanton St.Gallen.