Coronapandemie
Kampf gegen Sars-Cov-2: Thurgau startet Projekt für ein umfassendes Testkonzept

«Mit dem Auftreten neuer, deutlich ansteckenderer Virusvarianten von Sars-Cov-2 gewinnt das präventive und repetitive Testen an Bedeutung zur Bewältigung der Coronapandemie», sagt Regierungsrätin Cornelia Komposch. Deshalb setzt der Thurgauer Regierungsrat eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe «Testen» ein. Das Konzept soll Ende April vorliegen und helfen, Ausbrüche frühzeitig zu erkennen und Infektionsketten gezielt zu unterbrechen.

Hans Suter
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Als Chefin des kantonalen Führungsstabs gibt Regierungsrätin Cornelia Komposch der Arbeitsgruppe die strategische Leitlinie vor.

Als Chefin des kantonalen Führungsstabs gibt Regierungsrätin Cornelia Komposch der Arbeitsgruppe die strategische Leitlinie vor.

Bild: Donato Caspari

«Mit Tests von grösseren Personengruppen sollen asymptomatische Virenträger festgestellt werden, um diese in der Folge rasch möglichst isolieren und die Übertragungskette unterbrechen zu können», erklärt Regierungsrätin Cornelia Komposch, die zugleich Chefin des kantonalen Führungsstabs ist. Das wiederholte und präventive Testen soll die Einschränkungen in Betrieben und Schulen in Folge unkontrollierter Verbreitung des Virus Covid-19 möglichst gering halten.

«Das Konzept soll aufzeigen, wie im Kanton Thurgau die erweiterten Möglichkeiten des Testens das Ausbruchsmanagement wirkungsvoll, zweckmässig und wirtschaftlich beeinflussen können.»

Noch unklar ist, welche Art oder Arten von Tests verwendet werden. «Es ist nun Aufgabe der Arbeitsgruppe, Vor- und Nachteile der verschiedenen Testvarianten wie Einzel-PCR, Pooling-PCR oder Antigen-Schnelltest gegeneinander abzuwägen und dem Regierungsrat die geeignetste Variante zum Einsatz zu empfehlen», sagt Komposch.

Auf die Frage, ob auch der Lösungsansatz des Frauenfelder Telemediziners Thomas Krech einbezogen werde, nach dem möglichst die ganze Bevölkerung zweimal mit einem Antigentest getestet würde, gibt sich Komposch diplomatisch zurückhaltend. Dies betreffe bereits den operativen Bereich und entziehe sich daher ihrer Kenntnis. Überdies habe die Arbeitsgruppe ihre Arbeit eben erst in Angriff genommen.

Kosten werden vom Bund übernommen

Wird getestet, fallen entsprechende Kosten an. Wer trägt diese? «Wir gehen davon aus, dass sich sowohl der Bund, der Kanton als auch die Wirtschaft an den Kosten beteiligen werden», sagt Regierungsrätin Cornelia Komposch. «Die Kosten und deren Finanzierung sind eine Kernfrage für die Arbeitsgruppe.» Wenige Stunden später verkündete Bundesrat Alain Berset, der Bund erwäge die Kostenübernahme für sämtliche Coronatests. Die Kosten werden auf eine Milliarde Franken geschätzt; entschieden wird am 12. März. Jede Person soll monatlich fünf Selbsttests beziehen können, sobald verlässliche Tests zur Verfügung stehen.

Die Arbeitsgruppe setzt sich zusammen aus Vertreterinnen und Vertretern des kantonalen Führungsstabes, des Amts für Bevölkerungsschutz und Armee, des kantonsärztlichen Dienstes, des Amts für Volksschule, des Amts für Wirtschaft und Arbeit, der Industrie- und Handelskammer Thurgau und des Thurgauer Gewerkschaftsbundes. Braucht es keine zusätzliche Expertise von aussen, beispielsweise aus Wissenschaft, Logistik oder andere? Nach Auffassung von Komposch ist die Arbeitsgruppe breit aufgestellt. «Insbesondere sind Delegierte von Interessenvertretungen in die AG eingebunden. Das ist uns ganz wichtig», sagt sie. Bei Bedarf werde der Chef der Arbeitsgruppe weiteres Fachwissen zuziehen. Die Erstellung des Konzeptes sei überdies ein rollender Prozess.

Erste Pilotprojekte bereits lanciert

Mitte Februar hat Regierungsrätin Cornelia Komposch als Chefin des kantonalen Führungsstabes einen Teilstab damit beauftragt, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie das wiederholte, präventive Testen umgesetzt werden kann. Dieser Teilstab hat daraufhin zwei Pilotprojekte lanciert. Der Pilot im Schulumfeld, der aktuell am Bildungszentrum für Gesundheit und Soziales in Weinfelden durchgeführt wird, steht kurz vor dem Abschluss. Der Pilot im Alterszentrum Park in Frauenfeld konnte bereits erfolgreich abgeschlossen und das Testkonzept auf weitere Alters- und Pflegezentren im Kanton Thurgau ausgeweitet werden. Weitere Pilotprojekte seien bereits aufgegleist. Auf diesen Erfahrungen könne die Arbeitsgruppe bei der Ausarbeitung des Testkonzepts für den Thurgau aufbauen.