Pandemie
«Es reicht nur bis Ende Februar»: Thurgauer Restaurantkette ist zu gross für die Corona-Gelder des Kantons

Die Dine & Drink GmbH mit Sitz in Roggwil betreibt ein Dutzend Speiselokale mit bekannten Namen wie «Tres Amigos» und «Stars and Stripes». Eine Erfolgsgeschichte – bis Covid-19 kam. Seither erschüttern die Folgen der Coronapandemie das Unternehmen in ihren Grundfesten. Besonders bitter: Der vom Kanton ausgeworfene Rettungsring nützt bis jetzt nichts, weil das Unternehmen zu gross ist.

Hans Suter
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Die Dine & Drink GmbH mit Sitz in Roggwil betreibt ein Dutzend Speiselokale in insgesamt sechs Kantonen.

Die Dine & Drink GmbH mit Sitz in Roggwil betreibt ein Dutzend Speiselokale in insgesamt sechs Kantonen.

Bild: Ralph Ribi

Mitinhaber und Mitgründer Enrico Himmelberger versteht die Welt nicht mehr: «Es ist blanker Hohn, wenn der Kanton Thurgau Millionen für die Wirtschaftsförderung ausgibt und mit Steuererleichterungen in Millionenhöhe Unternehmen in den Kanton lockt, den einheimischen Unternehmen in der Krise aber nicht unter die Arme greift und sie einfach links liegen lässt.» Doch wo genau liegt sein Problem?

Die Einnahmen sind weg, die Fixkosten bleiben

Die Dine & Drink GmbH beschäftigt in ihren zwölf eigenen Filialen in sechs Kantonen 220 Mitarbeitende, gegen 40 davon im Thurgau. Hinzu kommen sechs Franchise-Betriebe mit weiteren 150 Mitarbeitenden. Der Jahresumsatz der eigenen Betriebe beläuft sich laut Mitgründer und
-inhaber Enrico Himmelberger auf rund 20 Millionen Franken. Davon profitiere auch die öffentliche Hand, sagt Himmelberger:

«Unter normalen Umständen bezahlen wir etwa eine Million Franken Mehrwertsteuer pro Jahr.»

Den Einnahmen stehen indes auch Ausgaben gegenüber. Die monatlichen Fixkosten beispielsweise für Mieten oder Sozialleistungen beziffert der Gastronomieunternehmer mit rund 380’000 Franken. Genau an diesem Punkt beginnt sein Problem. Seit dem Shutdown bleiben die Einnahmen aus, ein grosser Teil der Fixkosten aber fällt weiterhin an.

Trotz einem Dutzend Filialen nur ein Antrag möglich

Gastronomieunternehmer Enrico Himmelberger

Gastronomieunternehmer Enrico Himmelberger

Bild: PD

Eigentlich war Himmelberger zuversichtlich, als Bundesrat Ueli Maurer 2,5 Milliarden Franken an Soforthilfen ankündigte und diese mittlerweile auf fünf Milliarden verdoppeln will. Doch von den Milliarden bleibt für Himmelberger nicht viel: «Wir sind sehr aufgebracht und enttäuscht ob der Thurgauer Lösung, welche die vom Bund versprochen A-fond-perdu-Beiträge nur als Darlehen gewährt und überdies den vom Bund vorgeschlagenen Betrag von 750’000 Franken bereits bei 500’000 Franken deckelt.» Diese Lösung sei zwar für Kleinbetriebe gut, nicht aber für mittlere und grosse Unternehmen:

«Diese wurden hier schlicht vergessen und werden benachteiligt. Wir fallen durch alle Maschen.»

Was Himmelberger damit meint: Hätten er und sein Geschäftspartner Hansueli Wagner für jede einzelne Filiale ein GmbH gegründet, könnte nun jede einzelne Gesellschaft einen Antrag auf Härtefallentschädigung stellen. Da alle Filialen in einer einzigen GmbH zusammengefasst sind, kann nur ein Antrag gestellt werden. Zuständig ist der Kanton Thurgau, weil sich der Sitz der Gesellschaft hier befindet.

«Wir brauchen dringend Liquidität»

Wo steht Himmelberger mit seinem Antrag auf Härtefallentschädigung heute? «Unser Gesuch wurde zur weiteren Prüfung akzeptiert. Die Antwort steht allerdings noch aus, weil Angaben unvollständig waren, aber sofort nachgereicht wurden.» Die Ursache für die Unvollständigkeit wertet er als eine weitere Unzulänglichkeit: «Das kantonale Onlinetool konnte unsere Datenmengen schlicht nicht verarbeiten.» Langsam drängt die Zeit für Himmelberger. «Wir brauchen dringend Liquidität», sagt er und hofft auf eine zügige Auszahlung des Höchstbetrags von 500'000 Franken. Gelöst ist das Problem für ihn damit aber nicht. Er sagt:

«Das reicht nur bis Ende Februar.»

Seine Hoffnung setzt er deshalb auf die Bundespolitik, «wo schnellstmöglich eine Lösung für Unternehmen mit Filialbetrieben getroffen werden muss».

Enrico Himmelberger hofft, dass die Gastronomie wenigstens ab Mitte März mit Einschränkungen wieder geöffnet haben kann. Einen Normalbetrieb ohne Einschränkungen sieht er nicht vor dem Sommer. Für ihn ist deshalb klar:

«Die Härtefallentschädigungen müssen längerfristiger Natur sein.»

Himmelberger verdeutlicht: «Bundesrat Ueli Maurer hat diese ja bereits von 2,5 Milliarden auf fünf Milliarden Franken erhöht, wohl im Wissen, dass der März geschlossen bleibt.» Die Dine & Drink GmbH setzt nun alles daran, erst mal die Zeit bis Ostern einigermassen zu überstehen.