Coronapandemie
«Das grosse Ziel von uns allen ist, die Schulen nicht schliessen zu müssen»: Kanton Thurgau prüft Corona-Testkonzept

Sollen Schüler präventiv oder erst bei Corona-Ausbruch auf Covid-19 getestet werden? Zur Klärung dieser Frage hat der Regierungsrat eine Arbeitsgruppe eingesetzt. Im Mittelpunkt steht die konkrete Umsetzung in den 87 Schulgemeinden, sieben Berufsfach- und vier Mittelschulen im Thurgau nach den Herbstferien.

Hans Suter Jetzt kommentieren
Drucken
Teilen
Am Primarschulzentrum Paul Reinhart in Weinfelden geben Schüler ihren Corona-Spucktest ab.

Am Primarschulzentrum Paul Reinhart in Weinfelden geben Schüler ihren Corona-Spucktest ab.

Bild: Reto Martin

Heute gilt im Thurgau die Regel: Kommt es in Schulen wiederholt zu Covid-19-Infektionen bei Schülern oder Lehrpersonen, kann der Kantonsärztliche Dienst oder das Contact-Tracing eine sogenannte Ausbruchstestung anordnen. Der Test hat zum Ziel, Menschen zu identifizieren, die Träger des Sars-CoV-2-Virus sind, aber keine Symptome zeigen. Die sogenannten Ausbruchstestungen sollen dazu beitragen, dass der Schulbetrieb aufrechterhalten werden kann.

Insbesondere bei jüngeren Schülern gelangen Speicheltests zur Anwendung, die für viele Menschen weniger unangenehm sind als Rachen-Nasen-Abstriche. Den Schulgemeinden steht aber auch das freiwillige Angebot für präventiv-repetitives Testen offen.

Höhere Fallzahlen seit den Sommerferien

Ob das Testen nach Ausbruch das richtige Mittel ist oder ob doch eher auf präventives, also vorsorgliches Testen gesetzt werden soll, ist umstritten. Fakt ist laut der Thurgauer Regierung: Die erhöhten Fallzahlen seit Beginn des Schuljahrs 2021/2022 haben zur Folge, dass bei positiven Fällen in einer Klasse für viele Schüler der Volksschule eine Quarantäne von zehn Tagen angeordnet wurde.

Das Amt für Bevölkerungsschutz und Armee stellt Ressourcen bereit für die Ausbruchstestungen. Mit rund 70 Ausbruchstestungen seit den Sommerferien hätten diese aber ihre Kapazitätsgrenzen erreicht, heisst es in einer aktuellen Mitteilung des Regierungsrats. Und:

«Das freiwillige Angebot für präventiv-repetitives Testen wird bisher nur von wenigen Schulgemeinden genutzt.»

Um den Präsenzunterricht weiter aufrechterhalten und die Ausbruchstestungen entlasten zu können, will der Regierungsrat im Hinblick auf die kältere Jahreszeit eine Umstellung der Teststrategie an den Schulen prüfen: von Ausbruchstestungen zu flächendeckenden präventiv-repetitiven Testungen.

Regierungsrat will erst die Erkenntnisse studieren

Deshalb hat der Regierungsrat eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die ein Konzept zur möglichen Umsetzung des präventiv-repetitiven Testens erstellen soll. Dieses soll auch eine Darstellung der Prozesse und des Aufwands umfassen. Schliesslich geht es um 87 Schulgemeinden mit insgesamt 140 Schulleitungseinheiten sowie den Schulen der Sekundarstufe II (Berufsfachschulen, Mittelschulen usw.). Ob und in welcher Form das repetitive präventive Testen an den Schulen aufgenommen wird, will der Regierungsrat basierend auf den Erkenntnissen des Konzepts entscheiden.

Zufriedenheit bei den Schulpräsidien

Heinz Leuenberger, Präsident des Verbandes Thurgauer Schulgemeinden.

Heinz Leuenberger, Präsident des Verbandes Thurgauer Schulgemeinden.

Bild: Reto Martin

Beim Verband Thurgauer Schulgemeinden kommt der Entscheid der Regierung gut an. Vor der allfälligen Einführung der präventiv-repetitiven Testung müsse der zu erwartende Aufwand gut abgeklärt werden. «Die Schulen und natürlich auch die Amtsstellen haben schon jetzt einen grossen Aufwand durch Corona», sagt Präsident Heinz Leuenberger, der zugleich Mitglied der Taskforce Schulen Thurgau ist. Das Vorgehen der Regierung entspreche sowohl dem Wunsch des Verbands als auch jenem der Taskforce, wo weitgehend Einigkeit herrsche.

Nicht zu unterschätzender Aufwand

Heinz Leuenberger, der auch Präsident der Schule Erlen ist, warnt davor, den Aufwand für die Coronamassnahmen zu unterschätzen:

«Alleine in der Taskforce Schule Thurgau haben wir schon über 50 Sitzungen gehabt».

Doch es lohne sich. «Die Schulen schätzen es sehr, dass sie Richtlinien erhalten und vieles vorgedacht ist.» Die Taskforce sieht er als Bündelung der Kräfte, weil alle Partner am Tisch sitzen und viele wertvolle Gedanken eingebracht werden.

«Das grosse Ziel von uns allen ist, die Schulen nicht schliessen zu müssen und so unbeschadet wie möglich durch die Pandemie zu kommen.»

Diese Haltung deckt sich mit dem Coronaleitmotiv des Departementes für Erziehung und Kultur: «Mit der Einhaltung der festgehaltenen Massnahmen sollen Kinder, Jugendliche, Lehrpersonen und Schulpersonal weitestgehend geschützt, umfassende Quarantäneanordnungen minimiert und die psychische Gesundheit der Kinder und Jugendlichen angemessen berücksichtigt werden.»

0 Kommentare

Aktuelle Nachrichten