Coronapandemie
Bis zu 2000 Impfungen pro Tag möglich: Am 6. April nimmt das Impfzentrum Weinfelden den Betrieb auf – Impfschiff nur noch bis Mitte Mai im Einsatz

Sobald mehr Impfstoff verfügbar ist, wird die Zahl der Impfungen im Kanton Thurgau «markant erhöht». Um darauf vorbereitet zu sein, wird gemäss einem Communiqué des Amtes für Gesundheit Mitte März mit dem Aufbau von 10 der maximal 14 Impfspuren des neuen Impfzentrums Weinfelden begonnen. Bis zu den Sommerferien soll mehr als die Hälfte der Thurgauer Bevölkerung geimpft werden können.

Hans Suter
Drucken
Das Coronaimpfzentrum in Weinfelder hat im Endausbau eine Kapazität von 2000 Impfungen pro Tag.

Das Coronaimpfzentrum in Weinfelder hat im Endausbau eine Kapazität von 2000 Impfungen pro Tag.

Bild: Bruno Kissling

Das grösste Thurgauer Impfzentrum wird an der Tannenwiesenstrasse 5 in einem Industriequartier im Westen der Stadt Weinfelden eingerichtet. Es soll 14 Impfspuren umfassen, die es im Zwölf-Stunden-Betrieb auf eine Gesamtkapazität von 2016 Impfungen pro Tag bringen.

Direkt an der Bahnlinie liegt das künftige Impfzentrum

Zum Vergleich: Das Impfzentrum Frauenfeld mit seinen vier Impfspuren hat eine Kapazität von 576 Impfungen pro Tag, das Impfschiff MS Thurgau auf dem Bodensee eine solche von 168 Impfungen. Am 20. Mai wird das Impfschiff allerdings wieder an die reguläre Schifffahrt übergeben. Ob und in welcher Form es einen Ersatz geben wird, ist laut Karin Frischknecht, Chefin des Amtes für Gesundheit des Kantons Thurgau, noch in Prüfung.

Warten auf mehr Impfstoff

«Die in Weinfelden vorgesehenen maximal 14 Impfspuren mit gut 2000 möglichen Impfungen pro Tag bedeuten einen Quantensprung im Vergleich zu den vier Impfspuren in Frauenfeld», sagt Karin Frischknecht. Sie schränkt aber zugleich ein:

«Anfangs wird auch das Impfzentrum in Weinfelden auf Sparflamme laufen müssen, da erst im Mai mit grossen Impfstofflieferungen zu rechnen ist.»

Das bedeutet konkret, dass bei der Eröffnung am 6. April voraussichtlich maximal 4 der 14 möglichen Spuren in Betrieb genommen werden können. Je nach Verfügbarkeit von Impfstoff kann Spur um Spur hinzugenommen oder wieder zurückgefahren werden. «Skalierbarkeit» heisst das Zauberwort.

Karin Frischknecht, Chefin Amt für Gesundheit.

Karin Frischknecht, Chefin Amt für Gesundheit.

Bild: Andrea Stalder

Bis Ende Februar hat der Kanton Thurgau gut 37'000 Dosen erhalten. Wie gross die Menge im März ausfallen wird, weiss Karin Frischknecht noch nicht. Gänzlich unbekannt sind sowohl die Menge als auch der Zeitpunkt für Impfstofflieferungen für den April. Aufgrund grober Berechnungen des Bundes seien nur Schätzung möglich. «Auch der Bund bekommt von der Pharmaindustrie erst kurzfristig Bescheid über Lieferungen», sagt Frischknecht und gibt einordnend zu bedenken: «Impfstoff ist ein globales Thema.»

Da man erst kurzfristig erfahre, wann wie viel Impfstoff eintreffe, müsse man sehr flexibel bleiben und die ganze Organisation auf Flexibilität ausrichten. Aktuell heisst es, im Mai sollen voraussichtlich mehr Dosen geliefert werden als im Februar und März zusammen. Was das genau bedeutet, wird man aber erst retrospektiv wissen.

Zwischenbilanz: 19'215 Thurgauerinnen und Thurgauer sind geimpft

Im Kanton Thurgau haben bis am 8. März 19'215 Personen die erste Impfung gegen das Coronavirus erhalten. Dies entspricht zwei Monate nach Start der Impfkampagne knapp 7 Prozent der Bevölkerung. 11'437 haben bereits die zweite Impfung erhalten. Das Total der verabreichten ersten und zweiten Impfungen beträgt somit 42'089.

Zum Vergleich: Die Zahl der über 75-Jährigen an der Bevölkerung beträgt rund 23'600 Personen. Von ihnen wurden bereits 9600 geimpft, also knapp 41 Prozent. Angemeldet, aber bisher ohne Impftermin, sind derzeit gut 19'000 Thurgauerinnen und Thurgauer. «Sie und die anderen Impfwilligen werden um Geduld gebeten, bis genügend Impfstoffdosen verfügbar und sie an der Reihe sind», sagt Karin Frischknecht.

Hausärzte werden stärker eingebunden – Apotheken folgen

Der zweite Pfeiler der kantonalen Impfstrategie nebst den Impfzentren stützt sich auf dezentrale Lösungen wie mobile Impfequipen für Pflege- und ab Mitte März für Behindertenheime sowie Impfungen in Hausarztpraxen. Letztere konnten bisher nicht mit der gewünschten Menge an Impfdosen beliefert werden, wie das Amt für Gesundheit einräumt. Der Hauptgrund liege in den Lieferengpässen. Ab Ende März sollten aber gemäss der aktuellen Planung in zwei Schritten weitere 60 Arztpraxen beliefert werden können, die sich angemeldet haben.

Sobald genügend Impfstoff verfügbar ist, sind laut dem Amt für Gesundheit weitere dezentrale Impfstellen möglich, etwa in Apotheken oder bei Spezialärzten. «Immer eingeplant werden muss die Verfügbarkeit der zweiten Dosis, die gemäss Bundesempfehlung vier bis sechs Wochen nach der ersten zu verabreichen ist», mahnt das Amt für Gesundheit.

Hälfte der Bevölkerung bis zu den Sommerferien geimpft

Treffen die in Aussicht gestellten Liefermengen ein, ist das Amt für Gesundheit zuversichtlich, dass mit dieser Impfstrategie bis zu den Sommerferien mehr als die Hälfte der Thurgauer Bevölkerung geimpft werden kann. Gemäss den Empfehlungen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) werden nach den Personen 75+, den Heimbewohnern und den Personen mit schweren chronischen Krankheiten der Reihe nach folgende Personengruppen prioritär geimpft:

Weitere Personen der Zielgruppe 1: Personen zwischen 65 bis 74 Jahren sowie Personen unter 65 Jahren mit chronischen Krankheiten, die noch nicht geimpft wurden
Zielgruppe 2: Gesundheitspersonal mit Patientenkontakt und Betreuungspersonal von besonders gefährdeten Personen
Zielgruppe 3: Enge Kontakte (Haushaltsmitglieder, betreuende Angehörige) von besonders gefährdeten Personen
Zielgruppe 4: Personen in Gemeinschaftseinrichtungen mit erhöhtem Infektions- und Ausbruchsrisiko (zum Beispiel Behindertenheime)
Zielgruppe 5: Übrige Erwachsene

Auch wer noch nicht an der Reihe ist, aber im Thurgau wohnt, kann sich über die Anmeldeplattform «ImpfMi» https://tg.impfung-covid.ch/ anmelden. Das Aufgebot für einen Impftermin erfolgt, sobald es der Stand der Impfkampagne zulässt und wird per SMS bestätigt. Derzeit vergibt das Anmeldesystem nur Impftermine maximal einen Monat im Voraus. Impfwillige Personen sind gebeten, sich nicht gleichzeitig online und beim Hausarzt anzumelden.