Coronakrise
«Wir wollen arbeiten!»: Hinterthurgauer Gewerbepräsidenten fordern die Aufhebung des Lockdowns

Der Thurgauer Regierungsrat soll sich beim Bundesrat für ein Ende des Lockdowns per 1. März stark machen. Das fordern die Hinterthurgauer Gewerbevereine in einem offenen Brief.

Roman Scherrer
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Ein geschlossener Gastrobetrieb: Geht es nach den Hinterthurgauer Gewerbepräsidenten, soll es solche Bilder ab März nicht mehr geben.

Ein geschlossener Gastrobetrieb: Geht es nach den Hinterthurgauer Gewerbepräsidenten, soll es solche Bilder ab März nicht mehr geben.

Bild: Michel Canonica

Sie finden deutliche Worte. In einem offenen Brief wenden sich die Hinterthurgauer Gewerbepräsidenten an den Thurgauer Regierungsrat. Ihre Forderung: Der Regierungsrat soll sich beim Bundesrat dafür einsetzen, dass der Lockdown am 1. März beendet wird. «Handeln Sie jetzt und nehmen Sie ihre Verantwortung wahr!», schreiben die Gewerbepräsidenten in gefetteten Grossbuchstaben.

Seit bald einem Jahr kämpfe man gegen das Coronavirus. «Wir alle haben in dieser Zeit enorme Leistungen vollbracht, viele Einschränkungen und teilweise gewaltige Umsatzeinbussen auf uns genommen», heisst es in dem Brief. Einige Gewerbetreibende würden nun unverschuldet am finanziellen Abgrund stehen.

«Wir wollen arbeiten, unsere Mitarbeitenden beschäftigen, unsere Lernenden ausbilden, unsere Kundschaft bedienen, Investitionen und Hypotheken amortisieren!»

Innerhalb des Vereins KMU Region Hinterthurgau sei die Zustimmung gross gewesen für die Idee dieses offenen Briefes, sagt Präsident Clemens Albrecht. In den vergangenen Wochen habe er viele Gespräche mit verzweifelten Mitgliedern geführt.

«Sie müssen zusehen, wie die Existenz, die sie sich aufgebaut haben, vor die Hunde geht.»
Clemens AlbrechtPräsident KMU Region Hinterthurgau.

Clemens Albrecht
Präsident KMU Region Hinterthurgau.

Bild: PD

Albrecht verweist auf die sinkenden Coronafallzahlen und die angelaufene Impfkampagne. Es sei nun «Zeit anzupacken». Eine schleichende Lockerung der Massnahmen, wie sie der Bundesrat in dieser Woche vorgeschlagen hat, sehen die Hinterthurgauer Gewerbetreibenden nicht als Option. Ihnen fehle eine Perspektive, ein fixer Zeitpunkt, wann sie wieder öffnen können. «Selbstverständlich würden die Betriebe bei einer Öffnung die Schutzkonzepte mit entsprechenden Massnahmen umsetzen», betont Albrecht.

Problem für Ausbildung und Schnupperlehren

Ein grosses Anliegen sei den Hinterthurgauer Gewerblern die Ausbildung der Lernenden. Die aktuelle Situation sei nämlich nicht nur für junge Berufsleute problematisch, die sich derzeit in Ausbildung befinden, erklärt Albrecht. Auch Schnupperlehren seien kaum möglich. «Entsprechend erhalten wir viele Meldungen von Eltern oder Lehrern, die sich deswegen Sorgen machen.»

Der offene Brief komme nun, während der Vernehmlassung der Kantone, zum richtigen Zeitpunkt. Er soll dem Regierungsrat auch als eine Unterstützung dienen, erklärt Albrecht. «Wir geben ihm damit eine Stimme aus der Basis, von Leuten, deren Lebenswerk zugrunde geht.» Man sei sich bewusst, dass der Regierungsrat keinen grossen Spielraum habe in Bezug auf die Massnahmen. Er soll sich aber beim Bundesrat dafür stark machen, mit mehr Mut zu agieren.