Coronajahr 2020
Rechnungsabschluss der Stadt Frauenfeld: Die Neubewertung von Wohnbauten zaubert aus einem Minus einen Gewinn von 2,15 Millionen Franken

Direkte coronabedingte Mehrkosten von 1,6 Millionen und ein Steuerrückgang von 2,1 Millionen gegenüber Budget drücken auf das Rechnungsresultat. Die Nettoinvestitionen liegen mit 7,48 Millionen Franken bei einem Umsetzungsgrad von knapp 63 Prozent.

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An der Rechnungs-PK am Dienstagvormittag im Rathaus: Stadtpräsident Anders Stokholm und Finanzchef Reto Angehrn.

An der Rechnungs-PK am Dienstagvormittag im Rathaus: Stadtpräsident Anders Stokholm und Finanzchef Reto Angehrn.

Bild: Samuel Koch

(ma/red) Die Rechnung der Frauenfelder Stadtverwaltung schliesst bei einem Umsatz von 90,7 Millionen Franken mit einem Gewinn von 2,15 Millionen Franken ab. Budgetiert war ein Verlust von 2,16 Millionen. Thurplus (Umsatz: 90,59 Millionen) schreibt einen Gewinn von 7,73 Millionen und schliesst damit 200'000 Franken schlechter ab als budgetiert. Das Alterszentrum Park fährt coronabedingt einen Verlust von 300'000 Franken ein, dies bei einem Umsatz von 20,19 Millionen. Budgetiert war ein Plus von 350'000 Franken. Stadtpräsident Anders Stokholm sprach an der Pressekonferenz am Dienstagvormittag in Beisein von Finanzchef Reto Angehrn von einem «insgesamt zufriedenstellenden Ergebnis». Die Kosten habe man im Griff gehabt, stellte Stokholm fest.

Wie der Medienmitteilung der Stadt zu entnehmen ist, verursachte Covid-19 bei der Stadtverwaltung direkte Kosten von rund 200'000 Franken für Desinfektionsmittel, Reinigungsmaterial, technische Anpassungen für Homeoffice, Mobilgeräte, räumliche Anpassungen und Ähnliches. Weiter musste die Stadt Einnahmeausfälle von rund 1,4 Millionen hinnehmen infolge beispielsweise der Schliessung des Hallenbades, fehlender Anlässe im Casino oder geringerer Nutzung des Stadtbusses.

«Noch keine respektive nur geringe Auswirkungen hatte die Pandemie bei den Sozialen Diensten.»

Durch die Massnahmen von Bund und Kanton sei eine grössere Kündigungswelle verhindert worden, sodass die Sozialen Dienste als letztes Auffangnetz die Krise im Jahr 2020 noch nicht gespürt hätten.

Erstmals seit der Einführung des neuen Rechnungslegungsmodells (HRM2) mussten die ersten Liegenschaften des Finanzvermögens neu bewertet werden. In der ersten Tranche wurden die Wohnimmobilien der Bewertung unterzogen. Gegenüber der letzten Schätzung vor fünf Jahren nahm der Wert dieser Liegenschaften um 4,47 Millionen Franken zu. Gemäss der kantonalen Verordnung über das Rechnungswesen der Gemeinden sind diese Bewertungsanpassungen über die Erfolgsrechnung zu verbuchen und verbessern das Resultat. So heisst es:

«Ohne diese Bewertungsanpassungen ergäbe sich ein Verlust von 2,32 Millionen Franken, was gegenüber dem Budget ein leicht höheres Minus dargestellt hätte.»

Massiver Rückgang bei den Steuereinnahmen von Firmen

Die Steuererträge liegen über 2,1 Millionen Franken unter den Prognosen und dem Ergebnis des Vorjahres. Auf den Erträgen der natürlichen Personen ist ein Rückgang von rund 430'000 Franken gegenüber dem Vorjahr (1,0 Millionen Franken gegenüber Budget) zu verzeichnen. Über die Gründe kann nur spekuliert werden. Hingegen ist der Rückgang bei den juristischen Personen auf die Anpassungen im Steuergesetz zurückzuführen. Der Gewinnsteuersatz wurde von 4 auf 2,5 Prozent reduziert. Die Auswirkungen konnten nicht abgeschätzt werden. Ein Teil der Einbussen ist auf die kurzfristig ermöglichten Rückstellungen bei den Unternehmensabschlüssen für die Covid-Pandemie zurückzuführen.

Wesentlich unter Budget abgeschlossen haben die Sozialen Dienste. Trotz Sonderlasten bei der Berufsbeistandschaft sind die Kosten im Amt um 1,7 Millionen Franken unter Budget. Gegenüber dem Vorjahr sind die Ausgaben leicht angestiegen.

«Das Budget war, trotz Reduktion gegenüber dem Budget 2019, zu hoch angesetzt.»

Neben der wesentlich geringer ausgefallenen Sozialhilfe (–1,7 Millionen) trug der Bereich Asyl mit 700'000 Franken zur Verbesserung bei.

Einmal mehr konnten die geplanten Investitionen in der Stadtverwaltung nicht in vollem Umfang umgesetzt werden. Budgetiert waren 11,89 Millionen Franken, umgesetzt wurden lediglich deren 7,48 Millionen. Die Gründe sind meist dieselben wie in den Vorjahren. Komplexere Projekte, umfangreicheres Bewilligungsverfahren, Einsprachen oder auch Rekurse führten zu nicht planbaren Verzögerungen.

Wesentliche Abweichungen gegenüber dem Budget sind neben dem Strassenbau bei der Abwasserentsorgung festzustellen. Im Budget waren auch der Neubau Tierkörpersammelstelle (1,1 Millionen Franken) und ein erster Teil für den Hallenbadneubau von 2 Millionen berücksichtigt. Beide Projekte starten 2021.