Coronaimpfungen
Die Thurgauer Ärzte sind sauer: «Dass die Pauschale nicht kostendeckend ist, enttäuscht uns sehr stark»

Laut dem Präsidenten der Ärztegesellschaft Thurgau legen die Arztpraxen 87 Franken pro geimpfte Person drauf. «Das Impfen der Bevölkerung ist ein Auftrag der Kantone. Auch in den Impfzentren entstehen Zusatzkosten, die der Kanton übernimmt», sagt Alex Steinacher. Er will in dieser Sache auf den Thurgauer Gesundheitsdirektor, Regierungsrat Urs Martin, zugehen. Für die Bevölkerung ist die Impfung kostenlos.

Hans Suter
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Bei Coronavakzinen sind pro Person meist zwei Impfungen nötig. Dafür erhalten Arztpraxen aktuell 49 Franken, ab 1. Juli 33 Franken pro geimpfte Person.

Bei Coronavakzinen sind pro Person meist zwei Impfungen nötig. Dafür erhalten Arztpraxen aktuell 49 Franken, ab 1. Juli 33 Franken pro geimpfte Person.

Bild: Gaetan Bally/Key

Die Kantone und Versicherer haben sich auf eine Pauschale für Coronaimpfungen in Arztpraxen geeinigt. Demnach erhalten die Arztpraxen von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) bis Ende Juni eine Pauschale von 24.50 Franken pro Verimpfung beziehungsweise von 49 Franken pro geimpfte Person. Ab Mitte Jahr beträgt die Pauschale 16.50 Franken pro Verimpfung beziehungsweise 33 Franken pro geimpfte Person. Mit dieser Impfpauschale gelten sämtliche Grundleistungen im Zusammenhang mit der Impfung abgegolten.

Bei der Ärztegesellschaft Thurgau kommt dieser Entscheid gar nicht gut an. Präsident Alex Steinacher nimmt kein Blatt vor den Mund:

«Wir sind alles andere als zufrieden. Dass die Pauschale nicht kostendeckend ist, enttäuscht uns sehr stark.»

Störend sei auch, dass die Ärzteschaft nach der Anhörung nicht in die Entscheidung involviert war. «Das ist bezeichnend für das aktuelle Klima, wo einfach bestimmt wird. Das ist kein Konsens.»

Ärzte wollen mit dem Regierungsrat verhandeln

Alex Steinacher, Präsident Ärztegesellschaft Thurgau

Alex Steinacher, Präsident Ärztegesellschaft Thurgau

Bild: Kevin Roth

Wo liegt der faire Preis? «In der Vollkostenrechnung kommen wir auf 120 Franken für zwei Impfungen, wobei die erste deutlich aufwendiger ist als die zweite», sagt Steinacher. Als Beispiel nennt er die Datenerfassung: «Pro Impfproband müssen auf einem Excel-File rund 50 verschiedene Felder ausgefüllt werden. Das ist aufwendig.» Gemäss ihrer Vollkostenrechnung legen die Ärztinnen und Ärzte pro zweimal geimpfte Person aktuell 71 Franken und ab 1. Juli sogar 87 Franken drauf. «Das Impfen der Bevölkerung ist ein Auftrag der Kantone», sagt Alex Steinacher.

«Auch in den Impfzentren entstehen Zusatzkosten, die der Kanton übernimmt.»

Er werde auf Gesundheitsdirektor Urs Martin zugehen. Im Kanton St.Gallen würden bereits Verhandlungen laufen. «Bereits klar ist, dass es einen Flickenteppich an verschiedenen Lösungen geben wird. Genau das wollten wir verhindern», sagt Steinacher.

«Es ist enttäuschend, dass wider jeden Sachzwang einfach über die Köpfe der Ärzteschaft hinweg entschieden wurde.»

Dass es in der Ärzteschaft aber zu Boykotten kommt, glaubt Steinacher nicht. Im Grossen und Ganzen stünden die Ärzte zu Gunsten ihrer Patienten hinter dieser Impfung. «Aber eben: Den Letzten beissen die Hunde. So läuft es seit Jahren auch bei den Tarifen.»

Kostenlos für die Bevölkerung

Für die Bevölkerung ist die Impfung gratis. Für den Impfstoff übernimmt die OKP eine Pauschale von fünf Franken pro Dosis. Der Bund trägt die Differenz zum Einkaufspreis und die Kosten für den Transport und die Verteilung des Impfstoffs in die Kantone. Die Kantone übernehmen den Selbstbehalt sowie die Kosten für Logistik, Organisation und Infrastruktur.