Coronafinanzspritze für den Thurgauer Tourismus

Der Thurgau will - wie alle anderen Destinationen auch - diesen Sommer Schweizer Touristen anlocken. Dafür erhält die Vermarktungsorganisation einen Zustupf von 150'000 Franken. Das Geld soll allerdings nicht primär in eine Marketingkampagne fliessen.

Sebastian Keller
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 Rolf Müller von Thurgau Tourismus am Hafen von Romanshorn

Rolf Müller von Thurgau Tourismus am Hafen von Romanshorn

Bild: Donato Caspari

«Wir sind erfreut», sagt Rolf Müller, Geschäftsführer von Thurgau Tourismus. Anlass zur Freude ist ein Signal aus Frauenfeld: Der Regierungsrat gab bekannt, dass er die Tourismusorganisation im Zuge der Coronakrise mit einem einmaligen Beitrag in der Höhe von 150'000 Franken unterstützt.

Das Geld soll dafür eingesetzt werden, inländische Gäste in den Thurgau zu holen. Hintergrund: Alle Tourismusregionen im Land buhlen wegen der unsicheren Reisesituation in anderen Ländern um Gäste aus dem eigenen Land.

Rolf Müller sagt, die zusätzlichen Mittel sollen nicht primär in eine Marketingkampagne fliessen. «Wir wollen unsere Leistungsträger möglichst direkt unterstützen.» Dafür gebe es einen Strauss an Ideen. Konkret ist bereits eine:

«Oskar soll für die Beherbergungsbetriebe in der zweiten Jahreshälfte gratis sein.»

Oskar heisst die Ostschweizer Gästekarte: Touristen, die zwei oder mehr Nächte in einer angeschlossenen Unterkunft residieren, können für 10 Franken pro Tag die Karte kaufen. Damit haben sie freie Fahrt auf dem gesamten Netz von Ostwind. Aber nicht nur: Kostenfreie Schifffahrten, Fahrten mit Seilbahnen, Einlass in Museen, Minigolfanlagen und Freizeitbäder sind ebenso inbegriffen.

In normalen Zeiten müssen Beherbergungsbetriebe einen Beitrag an Oskar leisten. «Dieser soll ihnen in der zweiten Jahreshälfte erlassen werden», kündigt Müller an. Derzeit machen im Thurgau rund zehn Hotels, Campingplätze und B&B mit.

«Wir hoffen, dass wir 15 bis 20 weitere ins Boot holen können.»

Der Thurgau ist nicht alleine mit dieser Aktion. Müller sagt: «Diesen Ansatz verfolgen weitere Ostschweizer Kantone.» Auf Anfrage schreibt Karin Jung, Chefin des St.Galler Amtes für Wirtschaft und Arbeit: «Die St.Galler Regierung entscheidet voraussichtlich am kommenden Dienstag über mögliche Unterstützungsbeiträge für den Tourismus.»

Mehr als die Hälfte kommt aus der Schweiz

Der Thurgau lebt touristisch primär von Schweizern. 2019 generierten einheimische Gäste 65 Prozent aller Logiernächte. Der Geschäftsführer von Thurgau Tourismus ist optimistisch, dass es auch heuer gelingt, Schweizern den Thurgau schmackhaft zu machen. Vermehrt seien Anfragen aus dem Welschland, aber auch aus dem Raum Bern/Mittelland zu verzeichnen. Nicht zuletzt führt Müller das auf die Teilnahme des Thurgaus an der Fête des Vignerons 2019 zurück.

Weitere 18 Prozent machen Gäste aus Deutschland aus. Müller sagt: «Was den deutschen Gast betrifft, bin ich noch unsicher.» In diesem Jahr könnte er sich vorstellen, dass viele Deutsche am deutschen Ufer des Sees ihre Ferien verbringen. «Das ist für sie eine Reise in den Süden.» Der Thurgau – so eine Hoffnung – könnte für Tagestouristen attraktiv sein.

Kanton wollte einen gezielten Mitteleinsatz

Daniel Wessner, Chef des Thurgauer Amtes für Wirtschaft und Arbeit.

Daniel Wessner, Chef des Thurgauer Amtes für Wirtschaft und Arbeit.

Bild: Andrea Stalder

Daniel Wessner, Chef des Thurgauer Amtes für Wirtschaft und Arbeit, erklärt, dass die Unterstützung des Tourismus im ersten Covid-Massnahmenpaket nicht drin war. «Aber er hat stark gelitten, Hotels und Restaurants mussten vorübergehend ganz schliessen.» Deshalb habe man in einem zweiten Schritt 150'000 Franken für den Tourismus gesprochen. Wessner sagt:

«Wir wollten keinen A-fonds-perdu-Beitrag, sondern einen gezielten Mitteleinsatz.»

Klar ist, wofür das Geld nicht verwendet werden darf. Der Regierungsrat hält fest, dass die Mittel nicht als allgemeine Liquiditätshilfe oder zur direkten Kompensation von Ertragsausfällen dienen dürfen.

Einen Nachtragskredit braucht es dafür nicht. «Das läuft unter dem bereits gesprochenen Volumen», sagt Wessner. Dieses sei noch nicht ausgeschöpft worden. Zahlen zum Zwischenstand will Finanzminister Urs Martin am 1. Juli dem Grossen Rat präsentieren.