CORONA ZUM TROTZ
Künstler, Koch und Seebär: Der 93-jährige Armin Zimmerli zeigt im Tertianum Neutal in Berlingen sein aktuelles Werk

Ein Maler, der farbenblind ist? Ja, das gibt es. Er lebt in einem Altersheim am Untersee. Kürzlich ging eben dort die hausinterne Vernissage von Armin Zimmerlis neuer Ausstellung «Über den Wellen» über die Bühne, coronakonform, wie es sich gehört.

Christof Lampart
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Armin Zimmerli ist an der hausinternen Vernissage im Tertianum Neutal ganz aus dem Häuschen.

Armin Zimmerli ist an der hausinternen Vernissage im Tertianum Neutal ganz aus dem Häuschen.

Mit dem Malen konkreter Bilder hat Armin Zimmerli nach seiner Pensionierung vor 30 Jahren angefangen, als er nach Steckborn zog. Das Element Wasser faszinierte ihn aber schon lange vor dem Umzug an den Untersee, hatte er doch während Jahrzehnten Anstellungen als Koch auf allen Weltmeeren inne. Als Spitzenkoch lebte er lange in England, arbeitete für zahlreiche Botschafter und sogar für die Queen. Bernhard Kuster, Tertianum-Neutal-Geschäftsführer, bemerkte in seiner Laudatio schmunzelnd:

«Herr Zimmerli war Koch und gleichzeitig auch Seebär.»

Auch wenn Zimmerlis Leidenschaft zur Malerei tatsächlich beim Malen von Wellen und Meer entstanden ist: Das Oeuvre des passionierten Malers, der sich gegenwärtig der Kalligrafie widmet, kennt zahlreiche Facetten. Da buhlen die anmutig nebeneinanderstehenden Papageientaucher, die sich in voller Fahrt befindlichen Segelboote oder der prächtige Sonnenuntergang im Untersee um die Aufmerksamkeit des Betrachters. Mal bricht die stürmische Welle mit voller Wucht über die Besucher herein, mal strahlt eine Landszene eine unendliche Ruhe aus, was Bernhard Kuster dazu bewog, von der «Vielfalt der Gefühle» zu reden, die sich einem hier offenbarten.

Seine Frau bringt Farbe ins Bild

Einen wesentlichen Anteil an der Wirkung der Werke hat – was bei Bildern wenig überrascht – die Farbgebung. Warum ist das dennoch an dieser Stelle erwähnenswert? Armin Zimmerli ist nämlich farbenblind und ist deshalb beim Malen auf die Eindrücke seiner Frau Margreth angewiesen. Für Bernhard Kuster Grund genug, um diese Zusammenarbeit besonders hervorzuheben:

«Seine Frau sucht die Farben aus – und zwar mit grosser Treffsicherheit und Geschmack.»