Corona
Ohne Verluste: Jede Thurgauer Impfdosis kommt in einen Oberarm

Der Impfstoff von Pfizer/Biontech ist logistisch anspruchsvoll. Sobald der stark gekühlte Impfstoff aufgetaut ist, tickt die Uhr des Ablaufdatums. Das Impfzentrum Frauenfeld hat einen Plan, um ja keine Impfdosis wegwerfen zu müssen.

Silvan Meile
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Helga Ott aus Märwil im Impfzentrum Frauenfeld am Mittwoch, 13. Januar.

Helga Ott aus Märwil im Impfzentrum Frauenfeld am Mittwoch, 13. Januar.

Alexandra Wey / Key

«Verschwendung können wir uns nicht leisten», schreibt eine Leserin dieser Zeitung. Wegen nicht wahrgenommener Termine im Impfzentrum Frauenfeld würden wohl täglich einige Dosen des kostbaren und derzeit ziemlich raren Corona-Impfstoffes übrig bleiben. Das stelle sich doch die Frage, was mit den übrig gebliebenen Impfdosen passiere, «da diese am nächsten Tag nicht mehr gebraucht werden können».

120 Stunden haltbar

Es werden keine Impfdosen weggeworfen, versichert Adriano Mari, Projektleiter der Hirslanden-Kliniken und verantwortlich für die Corona-Impfungen im Thurgau. Der in der Handhabung anspruchsvolle Pfizer/Biontech-Impfstoff verlangt jedoch eine genaue Planung. Dieser Impfstoff muss bei minus 70 Grad gelagert werden. Vor seinem Einsatz wird er verflüssigt. Mari sagt:

«Sobald dieser Impfstoff aufgetaut ist, kann man ihn noch genau 120 Stunden behalten, bevor er verabreicht werden muss.»

Trotz diesem relativ kurzen Zeitfenster von fünf Tagen, seien im Impfzentrum Frauenfeld am Freitagabend nie Impfdosen übrige geblieben, die übers Wochenende abzulaufen drohten. «Wir haben diesen Impfstoff immer exakt so bestellt, dass wir ihn auch am Montag noch einsetzen konnten», sagt Mari. Dementsprechend sei der logistische Ablauf geplant.

Tatsächlich gäbe es täglich angemeldete Personen, die ihren vereinbarten Impftermin nicht wahrnehmen. Das führe aber nicht gleich dazu, dass Impfstoff entsorgt werden muss. «Vorher würden wir auch noch ganz kurzfristig Personen zu einem Impftermin aufbieten», sagt Mari.

Impfungen neu auch am Wochenende

Nun ist die Sorge um den kostbaren Impfstoff mit abgelaufenem Verfallsdatum nochmals deutlich kleiner geworden. Seit Samstag weitet das Impfzentrum Frauenfeld seinen Betrieb aufs ganze Wochenende aus. Die aktuelle Verfügbarkeit der Impfstoffe lasse es zu, so Mari. Somit werden nun im Zelt auf dem Oberen Mätteli an sieben Tagen in der Woche die Spritzen aufgezogen und verabreicht. Wie bis anhin kommen dort die Impfstoffe von Pfizer/Biontech und jener von Moderna zu gleich grossen Teilen zum Einsatz.

Auf dem Impfschiff, das ab Dienstag seinen Betrieb im Hafen von Romanshorn aufnimmt, bekommen die Impfwilligen ausschliesslich den etwas länger haltbaren Impfstoff von Moderna injiziert. Dennoch steigt der Anteil an Dosen von Pfizer/Biontech im Impfzentrum Frauenfeld nicht an. Das hat mit der Verfügbarkeit zu tun. «Es wird derzeit einiges mehr von Moderna geliefert», sagt Mari.

Herausforderung auch für den kantonalen Fachstab

Auch die Coronaspezialkommission des Grossen Rates streicht in einem Bericht vom Freitag Schwierigkeiten hervor. Die unterschiedlichen Anforderungen und Verarbeitungen der Impfstoffe würden eine grosse logistische Herausforderung darstellen. Hinzu kämen Lieferengpässe. Beides erfordere «eine dynamische Planung des kantonalen Fachstabs Pandemie». Die Kommission nimmt in ihrer Mitteilung die aktuelle Impfstrategie des Kantons zufrieden zur Kenntnis. (sme)