Corona
Lungenliga gibt Contact-Tracing des Kantons Thurgau ab – Zürcher Firma übernimmt

Der Kanton Thurgau beauftragt eine Zürcher Firma mit der Rückverfolgung der Ansteckungsketten.

Larissa Flammer/Thomas Wunderlin
Merken
Drucken
Teilen
Contact-Tracer der Lungenliga Thurgau.

Contact-Tracer der Lungenliga Thurgau.

Bild: Andrea Stalder (11.November 2020)

Die Lungenliga Thurgau hat seit Mai 2020 das Contact-Tracing für den Kanton Thurgau aufgebaut. Nun übergibt sie per 1. Januar die bestehenden Strukturen an das Pandemic Operations Centre von JDMT Medical Services in Pfäffikon ZH, welche sämtliche Verträge und Mitarbeiter übernimmt, wie einer Mitteilung des Kantons und der Lungenliga zu entnehmen ist.

Im Mai beauftragte der Kanton Thurgau die Lungenliga mit dem Contact-Tracing, da sie über langjährige Erfahrungen im Bereich der Tuberkulosebekämpfung verfügte, wo ebenfalls Ansteckungsketten schnell unterbrochen werden müssen. Die anfangs prognostizierten 25 Fälle pro Tag wurden bald übertroffen. Im Herbst, als die Fallzahlen dann weiter stark anstiegen, wurde unter grössten Anstrengungen das Contact-Tracing sichergestellt: Es wurden neue Strukturen geschaffen, grosszügige Räumlichkeiten in Felben-Wellhausen bezogen und das Team auf über 100 Mitarbeiter ausgeweitet.

Der Kanton Thurgau hat gemäss Mitteilung «volles Verständnis für den Wunsch der Lungenliga, sich auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren», zumal der Zeitpunkt durch die Ablösung des Systems günstig sei. «Ich danke der Lungenliga herzlich für ihre wertvolle Unterstützung bei der Covid-19-Bekämpfung und freue mich über die weitere Zusammenarbeit im Bereich der Lungenkrankheiten. Gleichzeitig bin ich froh, mit JDMT einen neuen Partner an Board zu haben, welcher eine nahtlose Übergabe sicherstellt und grosses Know-how im Contact-Tracing mitbringt», wird Gesundheitsdirektor Urs Martin zitiert.

Mit den stabil hohen Fallzahlen wird das Contact-Tracing im Kanton Thurgau gemäss Mitteilung noch längere Zeit sehr aufwendig bleiben. Eine Unterstützung von aussen wäre mittelfristig unabdingbar, damit die Lungenliga Thurgau auch in Zukunft ihr Kerngeschäft erfüllen könne: die Beratung und Betreuung von Lungenkranken sowie die Information der breiten Öffentlichkeit über Lungen- und Atemwegserkrankungen. Zudem engagiere sich die Lungenliga in der Prävention.

Gewisse Unzufriedenheit mit Lungenliga

Zur Auflösung der Zusammenarbeit trug bei, dass in der Kantonsverwaltung eine gewisse Unzufriedenheit mit der Führung der Lungenliga herrschte, wie gelegentlich zu vernehmen war. Diese bezog sich auch auf die verrechneten Kosten.

Gemäss Hugo Bossi, Geschäftsführer der Lungenliga, ist der Zeitpunkt der Übergabe günstig, da am 1. Januar das Epidemie-Management-System Sormas schweizweit eingesetzt wird. JDMT habe bereits Schulungen des Personals der Lungenliga aufgegleist.

JDMT arbeitet gemäss Mitteilung bereits mit Sormas, hat grosse Erfahrung mit hohen Fallzahlen aus dem Contact-Tracing des Kantons Zürich und verfügt über ein eigenes digitalisiertes Auto-Tracing-Instrument.

Urs Martin.

Urs Martin.

Bild: Andrea Stalder

Der Bund habe Sormas schon im Sommer einführen wollen, sagt Gesundheitsdirektor Urs Martin. Vom Datenschutz sei Widerstand gekommen. Das sei inzwischen geklärt, es habe eine Konferenz der kantonalen Datenschützer dafür gebraucht.