Corona ist wie Glitzer an den Händen: So ergeht es den Kitas in Frauenfeld während der Krise

Ständiges Desinfizieren, tiefere Auslastung und finanzielle Sorgen: Die Pandemie und ihre Folgen fordern die Kitas in Frauenfeld.

Viola Stäheli
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Im Sandkasten der Kita Zauberstern in Frauenfeld: Kita-Leiterin Chiara Stefanelli spielt mit Kindern.

Im Sandkasten der Kita Zauberstern in Frauenfeld: Kita-Leiterin Chiara Stefanelli spielt mit Kindern.

(Bild: Reto Martin)

«Nachdem die Schulen geschlossen worden sind, hatten wir eine Woche gar kein Kind mehr bei uns.» Das sagt Sara Palumbo, Leiterin der Kita La Cicogna. Nach und nach haben dann Eltern ihre Kinder wieder gebracht. Für etwas Entspannung hat nun der vorgestellte Lockerungsplan gesorgt.

Trotzdem bleiben die Zahlen ernüchternd: Von üblicherweise 37 Kindern werden derzeit nur deren acht betreut. «Natürlich bringt das eine finanzielle Schwierigkeit mit sich. Aber bisher geht es gerade noch. Wir befinden uns noch im orangefarbenen Bereich», sagt Palumbo. Also noch nicht rot.

Kathrin Bünter, Leiterin Kita Bärenhöhle.

Kathrin Bünter, Leiterin Kita Bärenhöhle.

(Bild: PD)

Kitas konnten bisher immer geöffnet bleiben. «Kitas sind systemrelevant», sagt Kathrin Bünter, Leiterin der Kita Bärenhöhle. Zu Beginn des Lockdowns habe gleichwohl viel Unsicherheit bestanden. Bünter sagt:

«Die Kommunikation mit dem Kanton war sehr gut. Es war klar, dass es nicht zu Schliessungen kommt.»

Trotzdem hat der Lockdown auch für die «Bärenhöhle» Folgen: Von den insgesamt 280 Kindern kamen zu Beginn nur noch 100. «Wir werden diese Zeit überstehen. Gemeinden, Kantone und Bund sollen nur dort eingreifen, wo es geöffneten Kitas trotz Kurzarbeit und Krediten nicht reicht», sagt Bünter.

Geschlossen, damit Eltern nicht zahlen müssen

Trotzdem zu einer vorübergehenden Schliessung entschlossen hat sich das Ninna-Nanna-Chinderhuus: Die Kita stellt bis 4. Mai ihren Betrieb ein – bis auf eine Notgruppe für Kinder von Eltern, welche die Betreuung daheim nicht sicherstellen können.

Grund dafür sind nicht nur die drastisch gesunkenen Betreuungszahlen, sondern auch eine Entlastung der Eltern, die dadurch die Monatsrechnung des Aprils nicht bezahlen müssen. Denn obwohl die Eltern ihre Kinder nicht zur Kita bringen, müssen sie doch bezahlen – das gilt schweizweit für alle Kindertagesstätten. «Natürlich bringt die Schliessung finanzielle Schwierigkeiten mit sich, aber wir können diese stemmen», sagt Johanna Santarsieri, Leiterin des Ninna-Nanna-Chinderhuus. Sie fügt aber an:

«In dieser schwierigen Zeit sieht man, wie wichtig Betreuungsangebote sind. Ich hoffe, das führt zu mehr Anerkennung und Wertschätzung für die Kinderbetreuungsbranche.»

Sorgen um die längerfristigen finanziellen Folgen bei einer kommenden Rezession der Wirtschaft macht sich Melanie Fritschi, Leiterin der Kita Halle 5: «Es gab nun verfrühte Kündigungen von Eltern. Zudem wurden Eingewöhnungen von neuen Kindern auf Wunsch der Eltern verschoben. Das führt zu einer Lücke im Sommer.» Fritschi hofft aber auf eine steigende Nachfrage im zweiten Halbjahr.

«Ich würde mir wünschen, dass Eltern, die ihre Kinder zu Hause betreut haben, aber den Kitabeitrag weiter bezahlen mussten, finanzielle Unterstützung von der öffentlichen Hand erhalten. Dies würde auch alle Betreuungsinstitutionen entlasten», erklärt Kita-Leiterin Melanie Fritschi.

Natürlich merken die Kinder, dass es in der Kita anders geworden ist. Freunde sind plötzlich nicht mehr da, ständig müssen die Hände gewaschen werden. Das Spielzeug ist reduziert und wird oft geputzt.

Das Coronavirus zu erklären, braucht viel Kreativität: «Wir haben mit den Kindern das Glitzerexperiment gemacht. Alle Kinder haben ihre Hände mit Glitzer bestäubt, sich dann die Hände gegeben und in der Kita herumgetollt – und mussten danach ziemlich lang die Hände waschen, bis der Glitzer wieder weg war», sagt Fritschi.

Grosse Solidarität der Eltern zu spüren

Kreativität braucht es aber auch im Homeoffice, wenn eigentlich die Kita der Arbeitsort ist. Maruschka Staffieri, Leiterin der Kita Pusteblume, hat sich das aber ganz gut einrichten können. Sie sagt:

«Ich kann administrative und organisatorische Arbeiten von zu Hause erledigen.»

Dazu gehören beispielsweise die Personalplanung und die Umsetzung der aktuellen Richtlinien rund um den Ausnahmezustand.

«Auch wir haben einen drastischen Rückgang an Kindern auf Grund des Lockdowns. Sehr gefreut hat mich die grosse Solidarität des Teams und der Eltern in dieser schweren Zeit. Einige Kinder kamen ein paar Tage mehr, weil die Grosseltern als Betreuungspersonen nicht mehr zur Verfügung stehen», sagt Staffieri. Gleich erlebt das Chinderhuus Zauberwald und Zauberstern die Situation.

Chiara Stefanelli, Leiterin der Kita Zauberstern, sagt:

«Manchmal waren es nur zwei oder drei Kinder pro Tag. Aber das gab uns Zeit, den abwesenden Kindern kleine Geschenke und Grüsse in Form von Liedern, Bastel- oder Beschäftigungsideen nach Hause zu schicken.» 

Und eines hat sie in dieser Zeit besonders zu schätzen gelernt: den Garten, in dem sich die Kinder austoben können. Denn auch das Spazieren ist derzeit nicht einfach. Die Fünf-Personen-Regel gilt auch für die Kitas, da ist das gemeinsame Spielen im Sandkasten die verlockendere Alternative.

Reportage

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Samuel Koch