Nur acht Erkrankte sind unter 20 Jahre alt: Der Thurgauer Coronazahlen-Report

In der Altersklasse der 50- bis 59-Jährigen sind im Thurgau die meisten Coronafälle zu verzeichnen. Damit tanzt der Kanton nicht aus der Reihe. Offene Behördendaten ermöglichen einen vertieften Einblick in die Corona-Situation im Kanton.

Sebastian Keller
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Desinfektionsmittel ist derzeit nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken.

Desinfektionsmittel ist derzeit nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken.

(Bild: Andrea Stalder)

Das Thurgauer Amt für Gesundheit führt Buch: Wie viele Personen wurden positiv auf das Coronavirus getestet? Wie alt sind Patienten auf der Intensivstation? Diese Daten sind auf der Website opendata.swiss zugänglich. Auf dieser Plattform sind Behördendaten frei verfügbar. Diese Zeitung ist in die Rohdaten der Coronafälle eingetaucht.

Kantonsärztin Agnes Burkhalter.

Kantonsärztin Agnes Burkhalter.

(Bild: Reto Martin, 13. März 2020)

Die neusten auf der Plattform verfügbaren Daten sind von Montag. Anfang der Woche vermeldete der Kanton den 335. Covid-19-Fall. Gestorben sind bisher 13 Personen. Wie diese Zahl zu lesen ist, erklärt der Kanton auf Twitter: Die Statistik führe unter dem Punkt «verstorben» alle Personen, die «vor ihrem Ableben positiv auf das neue Coronavirus getestet» worden seien.

«Ob das Virus die Todesursache war, dazu haben wir keine Angaben.»

Auf Anfrage schreibt Kantonsärztin Agnes Burkhalter: Alle Verstorbenen waren älter als 65 Jahre.

Häufung bei den 50- bis 59-Jährigen

Das Amt teilt alle positiv Getesteten in eine von acht Altersklassen ein. Eine Häufung gibt es bei den 50- bis 59-Jährigen – mit total 75 Fällen. Das sind 22 Prozent. Eine Einschätzung zu den Gründen ist laut Kantonsärztin nicht möglich. Fakt ist: Die Häufung zeigt sich im ganzen Land; zudem sind überdurchschnittlich viele Menschen in diesem Alter.

Am zweitmeisten Coronafälle – 50 an der Zahl – lassen sich im Thurgau den 20- bis 29-Jährigen zuordnen, gefolgt von den 60- bis 69-Jährigen (46 Fälle) und den 30- bis 39-Jährigen (45). Bei den unter 20-Jährigen finden sich mit Abstand die wenigsten positiv Getesteten– acht an der Zahl. Dies deckt sich mit den Zahlen für die ganze Schweiz.

Corona und das Alter

Anzahl positiv getesteter Personen im Thurgau nach Alterskategorie
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Auch bei der Geschlechterverteilung schert der Thurgau nicht aus. So wurde bislang bei 174 Frauen und 161 Männern das Virus nachgewiesen. Der Frauenanteil beläuft sich auf 52 Prozent, schweizweit sind es 54 Prozent.

12 Patienten auf der Intensivstation

Die offenen Behördendaten erlauben eine Aussage zu den Personen auf der Intensivstation. Hier ist das Geschlechterverhältnis anders. Neun von zwölf Patienten auf der Intensivstation sind Männer. Von allen zwölf war niemand jünger als 50. Hospitalisiert wurden bislang 24 Personen, zehn sind zwischen 70 und 79 Jahre alt.

Wie viele Personen sich im Thurgau auf das Virus testen liessen, wird offenbar nicht erhoben. «Es gibt kein Monitoring für den Kanton», teilt Kantonsärztin Agnes Burkhalter mit. Im ganzen Land wurden bislang rund 230000 Tests durchgeführt. Ein Monitoring gebe es laut Burkhalter im Thurgau auch nicht für die Testkapazität. Diese würde durch die medizinischen Laboratorien definiert.

Buch führt auch das Bundesamt für Gesundheit. Diese Behörde weist aus, wie viele Coronainfizierte jeder Kanton pro 100000 Einwohner hat. In der epidemiologischen Fachsprache nennt sich das Inzidenzen – gemeint ist die Häufigkeit von neu auftretenden Krankheitsfällen in einer Zeitspanne.

In den ersten Wochen, seit die Meldepflicht gilt, wies jeweils der Thurgau den tiefsten Wert auf. Aktuell ist es Schaffhausen. Der Nachbarkanton hat auf 100000 Einwohner 77 Coronafälle. Das ist eine Hochrechnung: Schaffhausen hat nicht so viele Einwohner. Im Thurgau sind es 115 Fälle. In Genf ist mit fast 1000 Fälle der Wert am höchsten.