Corona
«Hebt sofort alle Massnahmen auf» – Demonstrantinnen reden Thurgauer Kantonsräten ins Gewissen

Vor der Sitzung des Thurgauer Grossen Rates appellierten rund 40 Personen gegen den Lockdown und die Maskentragpflicht. Die Polizei schritt nicht ein, der Protest verlief friedlich.

Silvan Meile
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Massnahmengegner säumen den Weg zur Rüegerholzhalle.

Massnahmengegner säumen den Weg zur Rüegerholzhalle.

Kevin Roth

«Gebt uns die Demokratie zurück!» Eine rund 50-jährige Frau ruft am Mittwoch den Kantonsräten zu, die zur Sitzung des Grossen Rats schreiten. Ein Absperrband der Polizei legt den Abstand fest. Auf dem Weg vom Parkplatz zur Rüegerholzhalle trennt es die Kantonsräte von den rund 40 Demonstranten. Einigermassen halten diese untereinander den Abstand ein. Sie stemmen Schilder in die Höhe, auf denen «Angst ist der falsche Ratgeber» oder «Keine Masken – wir brauchen Luft zum Leben» steht.

Die meisten Kantonsräte gehen mit aufgesetzten Masken an den Demonstranten vorbei, ohne sich auf eine Diskussion einzulassen. «Ich wähle nur Politiker, die keine Maske tragen», ruft ihnen eine Demonstrantin entgegen. «Zeigt Rückgrat statt Massengehorsam!» Sie trägt eine Schutzmaske als Stirnband. Im Gesicht hat auf ihrer Seite des Absperrbandes niemand eine Maske.

Ein Schwatz zwischen Demonstrantinnen und Polizisten

Es sind hauptsächlich Frauen mittleren Alters, die an diesem sonnigen Morgen nach Frauenfeld gekommen sind. Es geht ihnen darum, die Politik zu überzeugen, dass der Teil-Lockdown beendet wird und sämtliche Massnahmen gegen das Virus aufgehoben werden. Ein Dutzend Polizisten beobachtet die Situation. Einschreiten müssen sie nicht. Es ist friedlich. Polizisten und Demonstrantinnen nutzen die wärmende Sonne sogar für einen kurzen Schwatz.

Die meisten Demonstrantinnen haben Plakate mitgebracht.

Die meisten Demonstrantinnen haben Plakate mitgebracht.

Kevin Roth

«Ich weiss, dass es schädlich ist, eine Maske zu tragen», sagt eine Demonstrantin zu einem Polizisten. Langzeitschäden, erhöhter Puls, Probleme mit den Nebennieren und dem Nervensystem sowieso, argumentiert sie.

«Man macht damit die Gesundheit kaputt.»

Die angesprochenen Demonstrantinnen wollen gegenüber der Zeitung nicht mit Namen zu ihren Anliegen stehen. Medien sind bei ihnen schlecht angeschrieben, würden nur einseitig berichten, kritische Meinungen systematisch ausblenden.

«Schreiben Sie, man soll alle Massnahmen sofort aufheben.»

Und wenn dadurch mehr Leute sterben? In einem starken Grippejahr würden auch nicht weniger Menschen sterben, entgegnet sie. Derzeit würden aber zusätzlich Existenzen zerstört und massenhaft Jobs vernichtet. Die Massnahmen würden mehr Leid verursachen, als sie der Gesundheit nützen würden.

Als die Sitzung in des Grossen Rates beginnt, löst sich die Demonstration vor der Rüegerholzhalle auf. Einige Frauen bedanken sich bei Polizisten, dass sie ihre Meinung äussern durften, bevor sie wegschlendern. «Wir wollten ja keinen Krawall machen.» Die Polizei grüsst freundlich zurück.