Reportage
«Hände weg von unseren Kindern!» Eltern demonstrieren gegen Maskenpflicht an Thurgauer Schulen

Der Kanton Thurgau hat am Donnerstag entschieden, dass an den Schulen ab nächsten Montag wieder eine Maskenpflicht ab der Oberstufe herrscht. Am Freitag kam es vor dem Amt für Volksschule zu einer Demonstration. Wir waren vor Ort.

Robin Bernhardsgrütter 5 Kommentare
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Vor dem Amt für Volksschule versammeln sich Eltern, Kinder und Massnahmengegner.

Vor dem Amt für Volksschule versammeln sich Eltern, Kinder und Massnahmengegner.

Bild: Robin Bernhardsgrütter

Etwa 80 Menschen versammelten sich am Freitagmorgen vor dem Volksschulamt in Frauenfeld, um gegen die Maske an Schulen ab der Oberstufe zu demonstrieren. Es fällt auf: Es befinden sich nicht nur die mittlerweile bekannten Massnahmengegner unter den Demonstrierenden, sondern auch Eltern, Kinder und sogar eine Lehrerin. Ein Kind im Primarschulalter ruft in das Megafon:

«Masken sind doof.»

Ein Gespräch zwischen Anwesenden und Amt wird gefordert

Man hört Buhrufe, Kuhglocken und immer wieder Rufe wie «Feiglinge, Feiglinge». Die Anwesenden fordern die Aufhebung der Maskenpflicht an Schulen und dass keine Massentests durchgeführt werden. Sie verlangen den Dialog mit den Mitarbeitern des Volksschulamtes, vor allem mit Amtschef Beat Brühlmann. «Wir fordern ein friedliches Gespräch», sagt ein Demonstrant. Doch der nächste Satz war: «Ansonsten ist das hier erst der Anfang, der Druck auf das Volk wird auf euch zurückkommen und euch verfolgen.»

Auch die anwesende Lehrerin bringt ihren Ärger auf ihren Arbeitgeber unmissverständlich zum Ausdruck. Sie sagt:

«Ihr seid mein Arbeitgeber. Jetzt muss meine erste Klasse ab Montag wieder eine Maske tragen. Ich habe weinende Schüler im Klassenzimmer. Es ist eine Schweinerei.»

Eine Mutter ergreift das Wort und ruft in Richtung Eingang des Amtes für Volksschule: «Die Maske gefährdet das Kindeswohl und macht sie psychisch und physisch kaputt.» Sie läuft danach weinend aus der Menge und muss von Anwesenden getröstet werden.

Doch zwischen den besorgten Eltern und Kindern befinden sich dann doch auch wieder die Massnahmen- und Impfgegner sowie einige Verschwörungstheoretiker. Viele Halbwahrheiten und verwirrende Falschmeldungen machen die Runde.

Der Dialog zwischen Demonstranten und Amt findet statt

Dann dürfen tatsächlich zwei Demonstranten in das Gebäude des Volksschulamtes für einen Dialog. Diese durften bei Beat Brühlmann ihre Anliegen deponieren. Doch dieser kann momentan nichts machen, sagt eine der beiden Gesprächsführer.

Und sogleich wird ein neuer Sündenbock gefunden. Regierungsrätin Monika Knill, Zuständige vom Amt für Erziehung und Kultur, sei die Verantwortliche für diesen Zustand. Wieder folgen Buhrufe.

Eltern wollen ihre Kinder der Schule fernhalten

Dann organisieren sich die Eltern. «Wir dürfen unsere Kinder nicht mehr in die Schule schicken», sagt eine Demonstrantin. «Wir müssen das konsequent durchziehen.» Und viele der Anwesenden scheinen das ernst zu meinen. Denn sie organisieren anschliessend verschiedene Lerngemeinschaften. Ein Anwesender sagt: «Wir müssen unsere Kinder von der Schule nehmen, aber ihnen den sozialen Kontakt nicht verbieten.»

Die Demonstranten stehen in geografischen Gruppen zusammen und sammeln Kontakte.

«Der Lernfortschritt ist momentan nicht wichtig. Englisch und Französisch können unsere Kinder ein anderes Mal lernen. Jetzt gibt es viel Wichtigeres.»

Die Eltern scheinen sich organisieren zu wollen: Homeschooling scheint ihre Lösung zu sein. Die Demonstration geht friedlich zu Ende. Zwischenfälle gab es keine.

5 Kommentare
Markus Läng

Ich hab die Nase voll von diesen Schwurblern. Da behaupten sie, dass die Kinder unter der Maske leiden und wollen sie von der Schule nehmen. Als ob das besser wäre. Darunter leiden sie nicht oder wie? Was für eine Logik.

Stefan Gantenbein

Diese Eltern haben ihre Kinder nicht gefragt, ob sie unter der Maskenpflicht leiden. Kinder in der Oberstufe reagieren verständnisvoll, wenn Eltern und Lehrpersonen ihnen die Problematik erklären. Wer keine Argumente mehr hat, beginnt zu backen. Die Politik soll, ja muss Leitplanken setzen

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