Corona
Der Kanton Thurgau weitet die Massentests aus

Ab 26. April beginnen Spucktests in Viererpools; 200 Thurgauer Betriebe wollen mitmachen. Auch bei positivem Resultat reicht eine Speichelprobe.

Thomas Wunderlin
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Spucktest auf Covid-19.

Spucktest auf Covid-19.

Bild: Eveline Beerkircher

Erste Massentests gab es im Thurgau an der Weinfelder Berufsschule für Gesundheit und Soziales und im Alterszentrum Park in Frauenfeld. Ab dem 26. April sollen sich weitere Betriebe daran beteiligen können, wie das Departement für Justiz und Sicherheit am Donnerstag mitteilte. Gemäss einer Umfrage interessieren sich 200 Thurgauer Betriebe dafür.

Mindestens drei Wochen und 80 Prozent des Personals

Sie stammen aus den Bereichen Landwirtschaft, Industrie, Verwaltung, Gesundheit und Behindertenfürsorge. Bedingung für die Teilnahme ist, dass sich während mindestens drei Wochen 80 Prozent der an einem Standort anwesenden Mitarbeiter testen lassen. Damit sollen Covid-19-Ausbrüche frühzeitig erkannt und Infektionsketten gezielt unterbrochen werden.

Der Bundesrat entschied per 15. März, dass der Bund die Kosten für das repetitive Testen in Betrieben übernimmt. Der Thurgauer Regierungsrat beauftragte daraufhin eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe mit einem kantonalen Testkonzept. Dieses hat der Kanton Thurgau am 19. März beim Bundesamt für Gesundheit zur Prüfung eingereicht. Fast einen Monat danach steht eine Antwort noch aus.

Die Kapazität ist in der ersten Phase auf 1000 Speichelproben pro Tag oder 5000 pro Woche begrenzt. Bei grosser Beteiligung an den Massentests müssen weitere Labors akquiriert werden.

Tägerwiler Labor analysiert die Proben

Bei den Pilottests verarbeitete die Swiss Analysis AG in Tägerwilen die Proben. Dieses Labor analysiert Speichelproben automatisiert in Viererpools. Positive Poolproben werden in einem zweiten Analyseschritt weiter aufgeschlüsselt. Auch wenn die Poolprobe positiv ist, müssen die Teilnehmer pro Test nur eine Speichelprobe abgeben, wie Thomas Walliser Keel vom kantonalen Informationsdienst auf Anfrage bestätigt.

Swiss Analysis arbeitet mit der Software 2weeks. Diese hat sich im Kanton Graubünden bewährt, wurde vom BAG geprüft und freigegeben.

Bei der am 26. April beginnenden ersten Phase können Erfahrungen umgesetzt werden, die mit den Antigen-Selbst-Schnelltests gesammelt werden, welche die Apotheken seit dem 7. April verteilen. So wird die Arbeitsgruppe die zweite Phase mit grösserer Beteiligung mit gesicherten Fakten vorbereiten können.

Hans Peter Schmid, Stabchef des Kantonalen Führungsstabes.

Hans Peter Schmid, Stabchef des Kantonalen Führungsstabes.

Bild: Andrea Stalder

Möglicherweise werde bis nächsten Frühling getestet werden müssen, sagt Hans Peter Schmid, Stabschef des kantonalen Führungsstabs:

«Wir wissen nicht, wie die Pandemie verläuft.»

Sowohl der Bund als auch der Kanton und Betriebe übernehmen einen Teil der Kosten. Dabei entfällt auf die Betriebe nur ein kleiner Teil, schätzungsweise höchstens zehn Prozent, sagt Schmid. Sie müssen die eigenen Personalkosten und die Kosten der Rückführlogistik übernehmen. In der zweiten Phase werden die Betriebe eventuell selber die Proben poolen müssen, was ein Betriebssanitäter erledigen könnte.

Kantonsanteil steigt bei Ausweitung der Tests

In der ersten Phase mit 5000 Proben wöchentlich muss der Kanton pro Probe mit einem eigenen Aufwand von acht Franken rechnen, pro Monat entstehen ihm somit Kosten von 200'000 Franken. Bei einer grösseren Beteiligung werden die Kosten überproportional wachsen, da mit einer grösseren Beteiligung auch die Logistik zentral durch den Kanton organisiert werden muss. Der Bund leistet eine Anschubfinanzierung. Diese beträgt für den Kanton Thurgau maximal 2,2 Millionen Franken.