Video

Corona: Der Kanton Thurgau beendet die ausserordentliche Lage am Freitag

Der Thurgauer Regierungsrat hat beschlossen, die ausserordentliche Lage im Kanton per Freitag, 19. Juni, zu beenden. Das gibt er an einer Medienkonferenz von Dienstagnachmittag bekannt.

Christian Kamm
Drucken
Teilen

Nachdem vieles wieder in den gewohnten Bahnen laufe, sei es an der Zeit, die ausserordentliche Lag zu beenden, sagte Regierungsrätin Cornelia Komposch, Chefin des kantonalen Krisenstabes, am Dienstag vor den Medien. Im selben Atemzug rief sie aber in Erinnerung, dass «das Virus nach wie vor präsent ist». Mit einer zweiten Corona-Welle müsse gerechnet werden. Deshalb sei es wichtig, die Abstands- und Hygieneregeln weiter einzuhalten.

Verhalten der Bevölkerung entscheidend

Der neue Gesundheitsdirektor Urs Martin betonte ebenfalls: Die Frage sei nicht, ob wir mit einer zweiten Welle rechnen müssten, «sondern wann und wie». Allerdings geht Martin davon aus, dass sie flacher ausfallen wird als die erste. «Das Verhalten der Bevölkerung wird entscheidend sein», unterstrich der Nachfolger von Jakob Stark.

Die ausserordentliche Lage ist vorbei, das Virus aber immer noch da: Regierungsrat Urs Martin.

Die ausserordentliche Lage ist vorbei, das Virus aber immer noch da: Regierungsrat Urs Martin.

Andrea Stalder

Vorerst aber ist Durchatmen angesagt. So wird mit der Beendigung der ausserordentlichen Lage der kantonale Krisenstab in einen Fachstab umgewandelt, der laut Martin die Lage sorgfältig im Auge behalten wird. «Wir tagen jeweils anfangs Woche, damit wir direkt Antrag zuhanden der Regierungssitzung stellen können.»

Tiefe Schneisen in die Wirtschaft geschlagen

Regierungspräsident Walter Schönholzer.

Regierungspräsident Walter Schönholzer.

Andrea Stalder

Auch wenn der Thurgau unter allen Kantonen bis jetzt am zweitwenigsten von Corona betroffen ist, hat das Virus tiefe Schneisen ins Wirtschaftsleben geschlagen, wie Regierungspräsident und Volkswirtschaftsdirektor Walter Schönholzer illustrierte. Im Thurgau sei nichts mehr, wie es gewesen ist. Über 5500 Kurzarbeitsgesuche sind seit 1. März eingereicht worden. Bis zum 12. Juni sind über 76 Millionen Franken coronabedingte Kurzarbeitsentschädigungen ausbezahlt worden. Schönholzer sagte:

«In den Geschichtsbüchern wird dereinst von der Zeit vor Corona und von der Zeit danach geschrieben werden.»

Die Folgen der Pandemie würden uns noch lange beschäftigen.

Kurze Wege haben sich bezahlt gemacht

Der Regierungspräsident dankte den Mitarbeitern und den Mitgliedern des Krisenstabes: «Zu Beginn der Pandemie wurde fast Tag und Nacht gearbeitet.» In den Dank schloss er auch die gute Zusammenarbeit mit Wirtschaftsverbänden und Gewerkschaften ein. «Die kurzen Wege habe sich sehr bezahlt gemacht.» Nun gelte es, die krisenbedingten Einschränkungen der Handels- und Gewerbefreiheit schnellstmöglich zu reduzieren beziehungsweise ganz aufzuheben. Und die unternehmerischen Freiheiten unter Einhalten der Abstands- und Coronaregeln wieder vollumfänglich zu garantieren. Massnahmen in Richtung eines zweiten Lockdowns wären für die Wirtschaft katastrophal, so Schönholzer. Wenn das verhindert werden könne, bestehe die Hoffnung, «dass wir wieder relativ schnell Tritt fassen können».

Grosse Solidarität zu spüren

Regierungsrätin Cornelia Komposch.

Regierungsrätin Cornelia Komposch.

Andrea Stalder

Regierungsrätin Komposch interpretierte die Krise insofern als Chance, als dass eine grosse Solidarität im Thurgau zu spüren gewesen sei. «Die Nachbarschaftshilfe hat funktioniert.» Regierungsrat Martin bezeichnete den Entscheid als richtig, den Bettenturm des Frauenfelder Kantonsspitals in der Krise zu reaktivieren − auch wenn er nun nicht gebraucht worden sei:

«Als der Entscheid gefällt worden ist, hat man die schrecklichen Bilder aus Bergamo im Kopf gehabt.»

Vom 100-Millionen-Hilfspaket, das der Kanton auf die Beine gestellt hat, ist laut Martin bis dato lediglich eine Million geflossen.

Contact Tracing angelaufen

Hans Peter Schmid, Stabschef des kantonalen Führungsstabs, informierte über die Nachbearbeitung der Erfahrungen aus der Pandemiebewältigung. Im Rahmen einer Umfrage hat der Kanton 828 Rückmeldungen erhalten, 520 davon von KMU. Diese werden nun analysiert. Auch die Gesetzgebung wird überprüft. Das Contact Tracing ist im Thurgau auf kleiner Flamme angelaufen. Laut Karin Frischknecht, Leiterin des Amtes für Gesundheit, sind im Kanton seit anfang Mai 17 Personen positiv getestet worden. «Deshalb ist die Anzahl der Personen, die im Contact Tracing drin sind, bis jetzt nicht gross.»

Mehr zum Thema
Video

Eine zweite Welle zu verhindern sei wohl nicht möglich: Trotzdem sind die Regierungspräsidenten Stark und Hanselmann froh über die Corona-Lockerungen

Die beiden Regierungspräsidenten der Kantone Thurgau und St.Gallen werden beide die Contact-Tracing-App nutzen. Jakob Stark und Heidi Hanselmann zeigen sich in der TVO-Sendung «Zur Sache» froh über die neuen Corona-Lockerungen des Bundes. Und die beiden abtretenden Politiker verraten, was sie ihren Nachfolgern mitgeben.
Larissa Flammer