Corona
Alle Intensivbetten belegt, schlechte Stimmung beim Personal: Thurgauer Spitäler sind am Anschlag

Die Thurgauer Spitäler müssen ihre Coronapatienten in andere Kantone verlegen und führen für Besucher eine Zertifikatspflicht ein.

Roman Scherrer
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Blick in die Covid-Intensivstation des Kantonsspitals Münsterlingen.

Blick in die Covid-Intensivstation des Kantonsspitals Münsterlingen.

Bild: Reto Martin

Die Lage ist angespannt, der Trend besorgniserregend. Dies schreibt die Spital Thurgau AG in einer Mitteilung und verweist auf die stark gestiegenen Hospitalisationen im Zusammenhang mit Covid-19. In den Kantonsspitälern Frauenfeld und Münsterlingen haben sie dazu geführt, dass bereits alle 22 verfügbaren Pflegeplätze auf den Intensivstationen belegt sind. Marc Kohler, CEO der Spital Thurgau AG berichtet:

«In den letzten Tagen mussten bereits einige Patientinnen und Patienten ausserkantonal verlegt werden.»

Die Solidarität unter den Spitälern sei gut, jedoch sei die Situation in allen Kantonen inzwischen heikel.

Die Auslastung sei zwar in der dritten Welle im ersten Quartal des Jahres schon hoch gewesen. «Der Unterschied ist aber, dass wir damals viel weniger normale Patienten hatten, also solche ohne Corona», sagt Kohler. Nun aber sei die Auslastung über alle Stationen gesehen hoch. Dies erschwert es, Kapazitäten zu Gunsten von Coronapatienten zu verschieben.

Marc Kohler CEO Spital Thurgau AG

Marc Kohler
CEO Spital Thurgau AG

Bild: Andrea Stalder

In der Spital Thurgau AG müsse man sich nun überlegen, ob und in welchem Ausmass man elektive – nicht notfallmässige – Eingriffe verschieben soll, um die angespannte Lage zu meistern. Marc Kohler sieht diesen Schritt aber nur als Notlösung an. «Denn die Vergangenheit hat ja gezeigt, dass solche Verschiebungen die Prognosen der Patienten verschlechtern.»

Personal hat je länger je weniger Verständnis

Besonders angespannt ist die Situation beim Spitalpersonal. «Die Leute auf den betroffenen Stationen sind seit 18 Monaten im Dauerstress und leisten unzählige Sonderschichten», sagt Kohler. Das sei aber nicht der einzige Grund dafür, dass die Stimmung in der Belegschaft nicht besonders gut sei. Denn wie in allen grösseren Spitälern habe das Personal je länger je weniger Verständnis für die vielen Eintritte aufgrund von Covid-19.

«Hauptgrund dafür ist, dass die Überlastung gar nicht nötig wäre», sagt Kohler und verweist auf die Impfung gegen das Virus. Die Intensivbetten seien zu über 90 Prozent von ungeimpften Coronapatienten belegt. «Am Bett unterscheiden unsere Leute nicht zwischen den Patienten. Aber in den Pausen ist das natürlich ein Thema.»

In ihrer Mitteilung ruft die Spital Thurgau AG die Bevölkerung auf, das Impfangebot des Kantons «unbedingt zu nutzen». Wer sich nun nicht aus Solidarität impfen lasse, soll es wenigstens aus Egoismus tun, um sich selbst vor einem schweren Krankheitsverlauf zu schützen, sagt Kohler.

Zertifikatspflicht ab Montag

Unter anderem, um das eigene Personal zu schützen, führt die Spital Thurgau AG ab diesem Montag zudem für alle ihre Standorte eine Zertifikatspflicht für alle Patienten und Besucher ein. Primär müssten die Besucher ein Zertifikat vorweisen können, präzisiert Kohler. Die Patienten werden beim Spitaleintritt zuerst getestet, sofern sie kein Zertifikat haben sollten und nicht sofort und notfallmässig gehandelt werden muss. Und der CEO versichert:

«Wir machen unseren Job und sind weiterhin für unsere Patientinnen und Patienten da.»

Weitere Informationen zu den Einschränkungen ab 30. August in den Thurgauer Spitälern auf der Website der Spital Thurgau AG.

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