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Sexuelle Belästigung: «Luisa» ist im Thurgau unbekannt

Ein Code soll Frauen in Clubs und Bars aus unangenehmen Situationen befreien. Im Thurgau kennt man das Konzept noch nicht.
Geraldine Bohne
«Ist Luisa da?»: Wird an einer Bar in Winterthur nach Luisa gefragt, weiss das Personal genau, wie es handeln muss. (Bild: Urs Jaudas)

«Ist Luisa da?»: Wird an einer Bar in Winterthur nach Luisa gefragt, weiss das Personal genau, wie es handeln muss. (Bild: Urs Jaudas)

In England ist es Angela, in Deutschland und der Schweiz Luisa. Zwei Frauennamen, die als Codewörter bei sexueller Belästigung in Clubs und Bars dienen. In der Stadt Winterthur setzt man schon länger auf das Luisa-Konzept, Thurgauer Barbetriebe kennen den berühmten Satz aber kaum.

«Ist Luisa da?» So einfach geht die Frage, die Frauen beim Ausgehen aus unangenehmen Situationen befreien soll. Wer sich mit diesen Worten beim Personal einer Bar oder eines Clubs in Winterthur meldet, dem wird sofort geholfen und die Person muss sich auch nicht weiter erklären. Es ist ein Codewort für weibliche Gäste, die sich nicht mehr zu helfen wissen, wenn sie von sexueller Belästigung, Pöbeleien oder Bedrohung betroffen sind.

Kajo Böni, Geschäftsleiter

Kajo Böni, Geschäftsleiter

«Das Konzept kommt vom Frauennotruf Münster», erklärt Kajo Böni, Geschäftsleiter vom Salzhaus Winterthur. Er ist verantwortlich für das Konzept, das seit Herbst 2016 von der Bar- und Clubvereinigung Winterthur übernommen wurde. «Wir wollen mit Luisa ein Zeichen setzen. Es soll unsere Gäste auf das Thema sensibilisieren.»

Security ist bei solchen Fällen zuständig

Im Thurgau ist Luisa den wenigsten Bars und Clubbetrieben bekannt. Einige haben davon gehört, eingeführt wurde das Konzept aber noch nirgends. «Ich habe davon in den Medien gehört», sagt Christian Tanner, Geschäftsführer der Frauenfelder Bar «Peggys». Sexuelle Übergriffe würden bei ihnen selten bis nie vorkommen.

Bei dummen Sprüchen wüssten die meisten Frauen sich selbst zu wehren. «Bei uns ist am Wochenende der Security-Angestellte für solche Angelegenheiten zuständig», erklärt Tanner. Unter der Woche der «Chef de Bar». Trotzdem finde er das Konzept gut. Es ist mit wenig Aufwand verbunden, sensibilisiert aber zugleich.

«Ich werde ‹ist Luisa da› an der nächsten Sitzung ansprechen.»

Andy Eugster, Inhaber der Bar «Jacks» in Weinfelden, hat noch nie etwas von Luisa gehört. Es wäre für ihn aber eine Option, so etwas einzuführen. «Vielleicht wäre aber ein anderer Name besser, hier arbeiten nämlich auch eine Lise und eine Lisa», sagt er. Schlägereien, Pöbeleien oder Belästigungen duldet Eugster nicht. Sein Vorgehen: wer Frauen belästigt wird vom Gelände verwiesen.

«Belästigungen haben in jüngster Zeit definitiv zugenommen.»

Obwohl die wenigsten Thurgauer Barbetriebe das Codewort kennen, wären sie jedoch bereit, ein solches Konzept einzuführen. Der Frauennotruf Münster hat hierfür einen Leitfaden entwickelt, der gegen eine Gebühr bezogen werden kann.

Dem Personal von Winterthur wurden genau diese Leitfäden verteilt, auf den WC’s werden Frauen auf die Hilfe aufmerksam gemacht. Wer sich meldet, wird in einen separaten Raum gebracht und spricht das weitere Vorgehen mit dem Servicepersonal ab. Die weiteren Schritte können sehr individuell sein: Freunde oder Familie anrufen, ein Taxi bestellen oder die Polizei kontaktieren. «Glücklicherweise passiert das selten bis gar nie», sagt Böni. Trotzdem bekämen sie viele positive Reaktionen auf das Konzept. «Es ist begrüssenswert, wenn immer mehr Städte mitmachen würden.»

Zwölf Anzeigen bei Polizei

Elisabeth RietmannFachstelle Opferhilfe Thurgau (Bild: PD)

Elisabeth Rietmann
Fachstelle Opferhilfe Thurgau (Bild: PD)

Ob ein Bedarf vorhanden wäre, kann man bei «Benefo», der Opferhilfe Thurgau, nicht sagen. «Wir haben selten Anrufe wegen sexueller Belästigung in Bars. Viel eher melden sich Personen, bei denen es nach einem Barbesuch Probleme gab, weil sie zum Beispiel mit jemandem mitgegangen sind», sagt Sozialarbeiterin Elisabeth Rietmann. Bei der Kantonspolizei Thurgau sind seit anfangs Jahr zwölf Anzeigen wegen sexueller Belästigung eingegangen. Rietmann rät: «Meine Tipps sind: nicht mit jemandem mitgehen, wenn man schon im Voraus ein mulmiges Gefühl hat, immer auf das Getränk aufpassen und wachsam sein.»

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