Clevere Thurgauer tüfteln im Keller

In der Berufsschule in Arbon ist ein Labor entstanden, in dem Kinder und Jugendliche Roboter programmieren.

Silvan Meile
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Ein Roboter als Kellner: Zuerst den Unterteller greifen, um später den Kaffee stilgerecht servieren zu können. (Bild: Reto Martin)

Ein Roboter als Kellner: Zuerst den Unterteller greifen, um später den Kaffee stilgerecht servieren zu können. (Bild: Reto Martin)

Unten im Keller, wo keine Sonnenstrahlen hinkommen, blühen einige Schüler regelrecht auf. Im Untergeschoss des Bildungszentrums Arbon hat Niklaus Vogel ein besonderes Labor eingerichtet. Hier schlagen die Herzen der Technikbegeisterten höher. Roboterarme fahren durch den Raum, führen aus, was an den Computern programmiert wurde. Ein 3D-Drucker steht bereit, um gewünschte Objekte auszuspucken. Dieses Labor nutzen die Polymechaniker- und Konstrukteur-Lehrlinge, die hier in die Berufsschule gehen.

Die Infrastruktur, die dank der guten Beziehungen von Vogel im Keller des Berufsschulhauses eingerichtet werden konnte, darf auch von hochbegabten Primarschülern genutzt werden. Sie kommen freiwillig aus dem ganzen Kanton nach Arbon, um in auf sie zugeschnittenen Kursen zu lernen, wie beispielsweise ein Montage-Roboter oder der 3D-Drucker programmiert wird. «Die Schüler sind begeistert», freut sich Vogel, der die Kurse gibt.

«Ich muss sie am Abend jeweils fast rauswerfen.»

Seit 30 Jahren unterrichtet der gelernte Maschineningenieur an verschiedenen Schulen. Er steht kurz vor dem 65. Geburtstag. Bald werde er seine anderen Unterrichtstätigkeiten an Kantons- und Fachhochschulen zurückfahren. Die Begabtenförderung in Arbon mache er aber weiter. Auch weil es beiden Seiten Spass macht. «Mein Kind geht wieder gerne zur Schule», wurde Niklaus Vogel von einer Mutter schon freudig angesprochen.

Die Mädchen sind die Übersteiger

Einer der Schüler ist Elias aus Freidorf. Auf dem Bildschirm zeigt der Elfjährige, mit welchen Befehlen der Programmiersprache V+ er den Roboter steuert. Kürzlich hätten sie diesen so bearbeitet, dass er eine Drohne zusammenbauen konnte. Die Kinderaugen leuchten.
Der Kurs von Niklaus Vogel für die begabten Thurgauer Primarschüler spricht vor allem Knaben an.

Die weiblichen Teilnehmer machen nur rund zehn Prozent aus, sagt Vogel. Doch jene Mädchen, die sich für diesen technischen Bereich begeistern, entpuppen sich oft als «absolute Übersteiger». Vogel lehrt mit viel Engagement, freut sich, wenn die Kinder eine Leidenschaft für die Themen Robotik, Bionik und Nanotechnologie entwickeln. Seine Haltung veranschaulicht er mit einem Zitat des französischen Schriftstellers Antoine de Saint-Exupéry: «Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.»

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