Trauer im Thurgau: Alt Regierungsrat Claudius Graf-Schelling ist unerwartet verstorben

Im Alter von 69 Jahren ist der Arboner Sozialdemokrat Claudius Graf-Schelling am Sonntag gestorben. Als Regierungsrat stand der promovierte Jurist 15 Jahre dem Departement für Justiz und Sicherheit vor; 2015 trat er zurück.

Sebastian Keller
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Claudius Graf-Schelling anlässlich eines Interviews mit der «Thurgauer Zeitung» zu seinem Rücktritt als Regierungsrat des Kantons Thurgau. (Bild: Reto Martin, 20. Mai 2015)

Claudius Graf-Schelling anlässlich eines Interviews mit der «Thurgauer Zeitung» zu seinem Rücktritt als Regierungsrat des Kantons Thurgau. (Bild: Reto Martin, 20. Mai 2015)

Alt Regierungsrat Claudius Graf-Schelling ist tot. Der Arboner Sozialdemokrat ist am 24. November unerwartet verstorben. Die Trauer im Kanton ist gross. «Am Sonntagmorgen hat sein Herz plötzlich und viel zu früh aufgehört zu schlagen.» So steht es in der Todesanzeige, die in der heutigen Ausgabe der «Thurgauer Zeitung» erscheint. Claudius Graf-Schelling wurde 69 Jahre alt.

Der alt Regierungsrat ist während des Gottesdienstes zum Ewigkeitssonntag – dem Gedenktag für die Verstorbenen – bewusstlos geworden. Reanimationsversuche in der evangelischen Kirche Arbon und im Spital St.Gallen blieben erfolglos. Plötzliches Herzversagen. Der Gottesdienst wurde abgebrochen.

Die Trauer ist gross

Graf-Schelling hinterlässt eine grosse Trauergemeinde. Zuvorderst seine Frau Leoni, seine drei erwachsenen Kinder sowie deren Kinder. Die Betroffenheit im Kanton Thurgau ist gross. Viele, die ihn gekannt haben, können es noch nicht fassen. Im Gespräch fällt vielfach das Wort «Schock». Dieser Schock weicht langsam einer tiefen Trauer.
Graf-Schelling war ein äusserst aktiver Rentner. Viel zu Fuss unterwegs, mit dem Velo.  Auch in verschiedenen Gremien wirkte er mit, so etwa in der Kommission, welche die Affäre um den Rücktritt eines Kreuzlinger Schulpräsidenten untersuchte.

Auch für historische Feierlichkeiten engagierte sich Graf-Schelling. So präsidierte er das Patronatskomitee für die Feier 150-Jahr-Jubiläum Seelinie und Trajektverkehr. Dieses Fest rund um den Bodensee ging im Mai dieses Jahres über die Bühne. Seit 2016 präsidierte er die Thurgauische Bodman-Stiftung. Auch in einer Arbeitsgruppe des Kantons im Zusammenhang mit Verdingkindern und Opfer von Medikamentenversuchen arbeitete Graf-Schelling mit. Er setzte sich stets gegen das Vergessen und eine angemessene Vergangenheitsbewältigung ein.

Noch am vergangenen Donnerstag besuchte er den Parteitag der SP Thurgau in Steckborn. An der Versammlung nominierten die Genossen einstimmig seine Nachfolgerin Cornelia Komposch für die Wiederwahl in den Regierungsrat. Er machte – wie immer – einen engagierten und interessierten Eindruck.

Viele Reformen tragen seine Handschrift

Per 31.Mai 2015 trat Graf-Schelling als Thurgauer Regierungsrat zurück. Der Sozialdemokrat stand 15 Jahre lang dem Departement für Justiz und Sicherheit vor. Er war massgeblich an der Reduktion von acht auf fünf Bezirken beteiligt. Diese Reform gilt als eigentliche Neueinteilung des Kantons. Auch weitere Reformen tragen seine Handschrift: So wurden in seiner Ära die Zivilstandsämter auf Bezirksebene zusammengefasst, die Polizei reorganisiert und aufgestockt, das Justizwesen reformiert und die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde eingeführt. Dreimal war er Regierungspräsident.

Vor seiner Wahl in die Regierung politisierte Graf-Schelling seit 1984 im Grossen Rat. Sechs Jahre stand er der SP-Fraktion vor. Der promovierte Jurist und Anwalt war zwischen 1988 und 2000 Präsident des Bezirksgerichtes Arbon, zuvor Gerichtsschreiber.

Der Gottesdienst zum Ewigkeitssonntag wird am heutigen Mittwoch,
27. November, wiederholt. Das ist auf der Webseite des evangelischen Kirchgemeinde Arbon zu lesen. Die Gedanken werden auch bei Claudius Graf-Schelling sein.

«Der Rücktritt mit 65 ist legitim»

Nach 15 Jahren tritt SP-Regierungsrat Claudius Graf-Schelling am 31. Mai zurück. Dass er die ganze Zeit Vorsteher des Departements für Justiz und Sicherheit blieb, habe ihm Schnauf für die vielen Reformen in seiner Zuständigkeit gegeben.
Christof Widmer