Chrampfe & Hirne geht es in Frauenfeld um die Sache statt um die Köpfe

Chrampfe & Hirne (CH) stellt für den 31. März mit 28 Personen die grösste Gemeinderatsliste. Ihre sieben Sitze will die Gruppierung sicher halten. Von Opposition im Parlament spricht niemand.

Mathias Frei
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Vor dem CH-Ladenlokal in der Freie Strasse: 16 der 28 Kandidaten auf Liste 7. (Bild: Reto Martin)

Vor dem CH-Ladenlokal in der Freie Strasse: 16 der 28 Kandidaten auf Liste 7. (Bild: Reto Martin)

«Jetzt werden wir noch mehr Energie in Frauenfeld investieren», sagt CH-Gemeinderätin Sandra Kern. 2015 war die Gruppierung Chrampfe & Hirne (CH) als Gewinnerin aus den Gemeinderatswahlen hervorgegangen. Nun, vier Jahre später, ein Rückschlag durch den Verlust des Stadtratssitzes, «der uns aber noch mehr zusammengebracht hat», wie Kern sagt.

Also mit der Wut im Bauch über den Rechtsrutsch im Stadtrat zum nächsten Wahlsieg? Den Begriff «Opposition» nehme sie ungern in den Mund, sagt Sandra Kern. Denn CH werde auch in Zukunft konstruktiv und konsensorientiert wirken.

Alle sieben Bisherigen treten wieder an

Charles Landert, Präsident CH. (Bild: Nana do Carmo)

Charles Landert, Präsident CH. (Bild: Nana do Carmo)

4–6–5–7: Das sind die Sitzzahlen von CH im Gemeinderat. 2007 konnte die linksliberale Gruppierung um zwei Sitze auf deren sechs zulegen. Vier Jahre später folgte der Verlust eines Mandats. Bei den Gemeinderatswahlen 2015 dann wieder der Gewinn von zwei Sitzen. Und nun treten alle sieben Bisherigen wieder an. Das ist sicher kein Nachteil. CH-Präsident Charles Landert meint:

«Würde die Wählerschaft unser Engagement der vergangenen vier Jahre goutieren, hätten wir unsere sieben Sitze auf sicher.»

Denn ihm ist bewusst, dass 2015 der siebte Sitz als Restmandat an CH gegangen war. Und Gemeinderätin Kern ergänzt: «Klar ist aber, dass wir auch ein achtes Mandat nehmen würden – am liebsten auf Kosten der Bürgerlichen.»

Liste 7 – Chrampfe & Hirne: 16 Frauen und zwölf Männer

Peter Hausammann, bisher (Jahrgang 1956, Oberrichter); Sandra Kern, bisher (1986, Klinikmanagerin); Heinrich Christ, bisher (1979, Historiker); Anita Bernhard-Ott, bisher (1964, Immobilientreuhänderin); Robin Kurzbein, bisher (1980, Schulpraxisberater, Coach); Elio Bohner, bisher (1990, Unternehmensberater); Salome Scheiben-Müller, bisher (1985, Sozialarbeiterin FH, Familienfrau); Roland Wetli (1956, Jurist); Annina Villiger Wirth (1966, Kantonsschullehrerin); Klaudia Peyer (1981, Betriebsökonomin FH); Karin Gubler (1979, Kulturmanagerin); Dominik Stillhard (1987, IT-Sicherheitsspezialist); Otto Stuber (1956, Pensionär); Natascha Böhmer Hofstetter (1965, Organspende-Koordinatorin); Ai-Linh Achermann (1987, Chinesisch-Dozentin); Denise Debrunner (1978, Betriebswirtschafterin HF); Angela Inauen (1985, Buchhändlerin); Urs Mächler (1982, Betriebsökonom FH); Nassrin Alem Yar (1996, MPA/Schülerin); Paula Blaser (2001, Schülerin); Markus Förstler (1959, Unternehmensberater); Miriam Frei (1979, Pflegefachfrau); Petar Gregus (1952, Techn. HF Unternehmensprozesse); Flora Hausammann (1996, Jus-Studentin); Michael Kuoni (1984, Personalfachmann); Meret Limacher (1996, Studentin Soziale Arbeit/Sozialpolitik); Nicole Oswald-Strässle (1984, Familienfrau, Kulturvermittlerin); Michael Siegenthaler (1967, Hausarzt). (red)

Chrampfe & Hirne hat kein Parteiprogramm. «Unsere Unterstützer setzen und bearbeiten Themen», sagt Präsident Landert. Auf den Plakaten, die bereits hängen, sieht man bei CH deshalb keine Köpfe.

«Mehr als nur der Kampf gegen einen Tunnel»

«Bei uns geht es um die Sache.» Das Leitmotiv der anstehenden Wahlen lautet denn auch: «Wir bleiben dran.» CH habe gezeigt, dass man mit grosser Kontinuität an Themen arbeite. Sandra Kern meint:

«Und das ist mehr als nur der Kampf gegen einen Tunnel.»
Sandra Kern. CH-Gemeinderätin, bisher. (Bild: PD)

Sandra Kern. CH-Gemeinderätin, bisher. (Bild: PD)

Über allem stehe die Aufenthaltsqualität in einer lebenswerten Stadt. Da spielen bezahlbare, gute Wohnungen eine wichtige Rolle, die künftige Nutzung der Stadtkaserne oder auch Bodenpolitik und die Forderung nach einem Liegenschaftenkonzept. «Das sind dieselben Anliegen wie vor 30 Jahren», erklärt Landert. Und was sich ebenfalls durchziehe: der Kampf für mehr Transparenz. «Es wirkt leider unsympathisch, ständig reagieren zu müssen, weil der Stadtrat zu wenig zielorientiert wirkt», sagt Kern.

System, Junge an die Politik heranzuführen

CH stellt für den 31. März die grösste Liste. 16 Frauen und zwölf Männer zählt man, im Schnitt 42-jährig, zwischen Jahrgang 2001 und 1952. Nebst den sieben Bisherigen sind weitere fünf Kandidatinnen und Kandidaten doppelt gelistet. Landert sagt:

«Sie sind bereit, von heute auf morgen in den Ratsbetrieb einzusteigen.»

Dass CH bei jeder Wahl wieder Junge an die Politik heranführe, habe System. Und auch die Frauenmehrheit auf der Liste sei kein Zufall. Kern mutmasst, dass eine an der Sache orientierte, konstruktive Politik, wie sie CH im Gemeinderat praktiziere, Frauen eher für ein politisches Engagement motiviere als reine Interessenspolitik.

Nach den Stadtratswahlen bleibt das Ladenlokal an der Freie Strasse 17 auch für den Gemeinderatswahlkampf besetzt. Bis 21. März sind donnerstagabends (18 bis 21 Uhr) Kandidierende vor Ort. Zudem gehe man mit Aktionen hinaus in die Quartiere, sagt Sandra Kern. Dann wird jeweils CH-Suppe ausgeschenkt. Das ist eine Rüebli-Ingwer-Suppe mit der für Frauenfeld nötigen politischen Schärfe.