Chloro-Was?: Sieben Fragen, sieben Antworten zum Pflanzenschutzmittel 
Chlorothalonil, das seit Anfang Jahr verboten ist

Seit Anfang Jahr ist das Fungizid Chlorothalonil verboten. Doch warum eigentlich? Ist das Pflanzenschutzmittel gefährlich? Und: Kann ich noch bedenkenlos aus dem Wasserhahn trinken?

David Grob
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Ein Traktor bringt Pflanzenschutzmittel aus.

Ein Traktor bringt Pflanzenschutzmittel aus.

Christian Beutler / KEYSTONE

Was ist Chlorothalonil?

Chlorothalonil ist ein Pflanzenschutzmittel, das seit den 1970er-Jahren weltweit gegen den Pilzbefall von Nutzpflanzen eingesetzt wird. Schweizer Gemüsebauern und Landwirte versprühen es über Kartoffel-, Gemüse- und Getreidefelder. Aber auch im Rebbau findet das Fungizid Anwendung. Rund 30 Tonnen wurden zuletzt jährlich gemäss SRF in der Schweizer Landwirtschaft eingesetzt – es gehört damit zu den meistverwendeten Pflanzenschutzmitteln in der Schweiz.

Wie gefährlich ist denn Chlorothalonil überhaupt?

Das Fungizid ist an sich nicht gefährlich. Seit Jahren vernichtet es zuverlässig Pilze auf Nutzpflanzen, über Jahre galt es als unbedenklich, die Erträge der Landwirtschaft wurden gesteigert. Gefährlich sind aber verschiedene Abbauprodukte des Fungizids. Diese stehen unter dem Verdacht, Krebs zu erregen. Die Rückstände gelangen durch den Regen in den Boden und ins Grundwasser – und fliessen damit auch durch die Wasserhähne. Ausserdem ist das Fungizid mutmasslich für das Sterben von Hummeln mitverantwortlich.

Krebserregende Stoffe im Trinkwasser? Kann ich denn noch bedenkenlos Hahnenburger trinken?

Ja. Unisono vermelden die Behörden, das Trinkwasser sei sicher. Die Rückstände des Chlorothanonils sind nur in Kleinstmengen im Wasser enthalten. 0,1 Mikrogramm pro Liter sind seit August erlaubt – also ein Milliardstel Gramm. Melden die Behörden also nichts anderes, so kann man bedenkenlos vom Hahn trinken.

Warum reden plötzlich alle von Chlorothalonil?

Weil der Bund im August den Grenzwert für Chlorothanoil-Rückstände im Trinkwasser auf 0,1 Mikrogramm pro Liter senkte. Deshalb sind die Werte plötzlich schweizweit in vielen Gemeinden zu hoch.

Was hat die EU mit dem Verbot zu tun?

Sie ist der Auslöser für das Verbot in der Schweiz. Ende April entschied die zuständige Kommission der europäischen Union, die Zulassung zu entziehen. Und der Bund zog nach – nachdem die kantonalen Gesundheitsdirektoren ein Verbot des Fungizids forderte. Erst kündigte Bundesrat Guy Parmelin ein Verbot bis Oktober 2019 an. Doch es sollte 2020 werden, bis es umgesetzt wurde. Seit Jahresbeginn dürfen Schweizer Bauern das umstrittene Fungizid nicht mehr versprühen. Die Schweiz hat mit dem Verbot die EU wieder überholt. In EU-Staaten können Restbestände noch bis Mai aufgebraucht werden.

Inwiefern sind Thurgauer Gemeinden betroffen?

Bisher waren die Gemeinden Erlen, Sulgen und Kradolf-Schönenberg betroffen. Im Sommer 2019 war kurz auch die Gemeinde Wagenhausen wegen zu hoher Werte von Rückständen alarmiert. Das kantonale Laboratorium konnte im August Entwarnung geben.

Wie gehen die verantwortlichen Brunnenmeister das Problem an?

Indem sie das Wasser verdünnen. Denn dies ist bislang die einfachste und kostengünstigste Variante. So pumpt etwa die Trinkwasserversorgung des Aach-Thur-Lands täglich 2000 Kubikmeter Bodenseewasser ins geförderte Grundwasser. Dabei helfen die Transportleitungen vom Seewasserwerk Kesswil – eine Notfallinfrastruktur, die sich jetzt bestens bewährt.

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