Auch ohne Alt Bundesrätin Kopp füllen die Geschäftsfrauen in Romanshorn den Saal bis auf den letzten Platz

Eine Moderatorin, eine Unternehmerin und eine Regierungsrätin diskutieren in Romanshorn über Berufschancen von Frauen.

Manuela Olgiati
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Sie haben ihren Weg gemacht: Mona Vetsch, Daniela Spuhler und Carmen Haag. (Bild: Andrea Stalder)

Sie haben ihren Weg gemacht: Mona Vetsch, Daniela Spuhler und Carmen Haag. (Bild: Andrea Stalder)

Die erste Kandidatin bleibt bescheiden und rückt den verdienenden Ehemann ins Zentrum. Die zweite tritt als selbstbewusste Bewerberin auf, die Forderungen stellt. Die Personalberaterin Erika Bleisch Imhof und die Schauspielerin Agnes Caduff setzen Vorstellungsgespräche in Szene; Lohnfragen werden geklärt. Um diplomatisches Geschick geht es im anschliessenden Podiumsgespräch, das von der SRF-Moderatorin Annina Mathis moderiert wird.

«Noch heute werden berufstätige Mütter gefragt, wo sich die Kinder während der Arbeitszeit aufhalten», sagt Daniela Spuhler-Hoffmann. Sie ist Mutter und mit Stadler-Rail-Chef Peter Spuhler verheiratet. Die Chefin der Baufirmen Esslinger und Barizzi leitet 140 Mitarbeiter. Spuhler arbeitet lieber auf der Baustelle als im Büro. Die Arbeit in der Bauindustrie erfordere Präsenz, sagt Spuhler, das sei wohl mit ein Grund, weshalb sich noch nie eine Bauführerin beworben habe.

Alt Bundesrätin Kopp liess sich entschuldigen

Am Samstag diskutierten die Business and Professional Woman Switzerland an ihrer Herbstkonferenz im Brüggli Romanshorn über «Chancen von Frauen in Wirtschaft und Politik»; der Saal der Gastronomie Usblick war bis auf den letzten Platz gefüllt. Alt Bundesrätin Elisabeth Kopp, die als Podiumsteilnehmerin vorgesehen war, musste sich aus gesundheitlichen Gründen entschuldigen.

Mona Vetsch verdiente ihren ersten Lohn als Jugendliche fürs Babysitting. Heute nimmt ihr eine Mitarbeiterin die Lohnverhandlungen ab. Die SRF-Moderatorin spricht von einem Glücksfall. Die Kinder seien nie krank, ihr Ehemann ist der beste, den sie sich vorstellen kann. Ihre Erfahrungen sind, dass sich Frauen im Beruf meist nicht exponieren wollen.

Das Publikum singt Happy Birthday 

Mehrere hundert Frauen singen ein Happy Birthday auf Carmen Haag. Die Regierungsrätin feierte am Samstag ihren 46. Geburtstag. Menschen und Kollegialität sind ihr wichtig. Sie spielt auf die Harmonie an und doch sei es für sie ein ehrlicher Weg. «Bleiben Sie authentisch mit sich selbst.» Dies halte einen von Situationen ab, in denen man optimieren müsste.

In der Diskussion erklärt Personalberaterin Bleisch, dass ein Berufsausstieg wegen Mutterschaft möglichst zu verhindern sei. Ein Wiedereinstieg gestalte sich oft schwierig. Weiterbildungskurse brächten viel. Andrea Ruf, Geschäftsführerin der Schweizerischen Bodensee-Schiffahrt, weiss: «Von Männern könnten Frauen selbstbewusste Auftritte lernen.»