Frauenfelder Busterminal gerät ins Schlingern

Die Stadt Frauenfeld will ihr Grundstück im Westen der Stadt für 5,7 Millionen Franken an den Reiseveranstalter Twerenbold veräussern. Die Gruppierung «Chrampfe & Hirne» und Anwohner opponieren nun dagegen. An der Gemeinderatssitzung am 19. September fällt der Vorhang.

Samuel Koch
Drucken
Teilen
Die Visualisierung zeigt die Dimensionen des geplanten Twerenbold-Projekts mit Busterminal und Wohngebäude auf der Parzelle an der Ecke Sonnenhofstrasse/Schaffhauserstrasse aus nördlicher Sicht. (Bilder: PD/Architektur Strut)

Die Visualisierung zeigt die Dimensionen des geplanten Twerenbold-Projekts mit Busterminal und Wohngebäude auf der Parzelle an der Ecke Sonnenhofstrasse/Schaffhauserstrasse aus nördlicher Sicht. (Bilder: PD/Architektur Strut)

Noch ist der stadträtliche Plan nicht im Trockenen, die Ziellinie nicht überquert. Auf der Fahrt dahin bewegt sich das Fahrzeug mit der Aufschrift Busterminal seitlich hin und her. Noch mindestens zwei Wochen hält der Gemeinderat eine Hand am Steuer, und nun rüttelt die Gruppierung «Chrampfe & Hirne» (CH) am Lenkrad, sodass das Gefährt ins Schlingern gerät. CH setzt sich gegen den geplanten Grundstückverkauf an der Ecke Sonnenhof-/Schaffhauserstrasse zur Wehr. Die Stadt soll 5,7 Millionen Franken erhalten für den Verkauf an den Reiseveranstalter Twerenbold, der auf der städtischen Parzelle in der Mischzone ein Busterminal mit Büros, Car-Einstellhalle, Waschanlage, Tiefgarage sowie eine Überbauung für Wohnungen vorsieht.

Unterstützung erhält CH von direkten Anwohnern, die in den vergangenen Wochen im Quartier Sonnmatt über 450 Unterschriften gegen den Landverkauf und das geplante Projekt sammelten und die Petition in den vergangenen Tagen zuhanden des Stadtrates einreichten. Die Befürchtungen sind die gefährliche Anfahrt über die Sonnenhofstrasse, die für viele Kinder als Schulweg genutzt wird, sowie die Zunahme von Lärm- und Abgasemissionen. Das letzte Wort zum Landverkauf jedenfalls hat der Gemeinderat an seiner Sitzung vom 19. September, in welcher das Geschäft traktandiert ist.

Missachtung der Förderung von preisgünstigem Wohnen

Dass im Sonnmatt-Quartier seit dem Versand der Botschaft zum Grundstücksverkauf Mitte Juli eine Unterschriftensammlung in Gang ist, wusste die Gruppierung CH nicht, wie deren Präsident Charles Landert sagt. «Wir sind mit unserem Anliegen seit längerem in den Startlöchern.» Die CH habe sich nach intensiver Diskussion über die Vor- und Nachteil des Projekts an ihrer Quartalszusammenkunft Ende August dazu entschlossen, sich gegen den Verkauf auszusprechen. CH habe grundsätzlich nichts gegen die Pläne, dass sich die Twerenbold-Gruppe in Frauenfeld niederlassen will. Als einer der Gründe führt Landert jedoch ins Feld, dass der Verkauf der gesetzlich verankerten Verpflichtung der Stadt mit dem vor zwei Jahren in Kraft getretenen Reglement für die Förderung von preisgünstigem Wohnraum widerspreche, obwohl der Stadtrat den Verkauf in seiner Botschaft auch damit legitimiert.

«Die marginale Wohnnutzung erscheint uns nur als Anhängsel»

moniert CH-Präsident Charles Landert. Weder gebe es beim Wohnbau Frei- und Grünflächen noch sei er für Familien geeignet, die günstigen Wohnraum suchten. Es sei bei diesen Projekten halt jeweils eine Güterabwägung zwischen Wirtschaftsförderung einerseits und der Schaffung von preisgünstigem Wohnen andererseits, meint er. «Aber wir dürfen die Bemühungen für letzteres nicht einfach über Bord werfen.» Zudem sei das Sonnmatt-Quartier auch wegen des massiven Mehrverkehrs der falsche Standort.

Fehlende Transparenz und mangelhafte Planung

Am meisten jedoch kritisiert CH die fehlende Transparenz sowie die mangelhafte übergeordnete Planung. «Warum sind die Beilagen zur Botschaft nur der vorberatenden Kommission, nicht aber dem gesamten Gemeinderat und den interessierten Bürgerinnen und Bürgern zugänglich?», fragt Landert. Der geplante Verkauf beruhe bloss auf einer Objektplanung zwischen Stadt und Twerenbold, «die im Übrigen offenbar zu jenem Zeitpunkt begann, als es genau ums Reglement für die Förderung von preisgünstigem Wohnraum ging». Zudem vermisst Landert eine langfristige Bodenstrategie.

«Wohnbauland sollte für gemeinnützige und genossenschaftliche Wohnungsbauten wie etwa demjenigen an der Sonnenhofstrasse in Zusammenarbeit mit der Winterthurer Heimstätten Genossenschaft genutzt werden»

meint CH-Präsident Charles Landert. Obwohl eine Gesamtplanung mit der benachbarten Parzelle der Primarschulgemeinde gemäss Botschaft wegen fehlenden Realersatzes nicht möglich ist, könne die Wohnnutzung auf der Parzelle mit einer Umzonung des nördlichen Streifens von einer Mischzone in eine reine Wohnzone verbessert werden.

Die Visualisierung mit Blick von Westen her zeigt die Ausmasse des geplanten Twerenbold-Projekts.

Die Visualisierung mit Blick von Westen her zeigt die Ausmasse des geplanten Twerenbold-Projekts.

Erste Priorität habe nun aber ein Nein an der Gemeinderatssitzung vom 19. September. Landert und CH hoffen, dass die Mehrheit des Rates ihre Argumente gegen einen Verkauf teilt. «Das würde mich auch nicht überraschen», meint er. Zuerst beschäftigen sich nun aber die Mitglieder der Geschäftsprüfungskommission mit dem Landverkauf und berichten an die Fraktionen.

Die Pläne von Twerenbold in Frauenfeld West

Auf dem rund 9500 Quadratmeter grossen Grundstück an der Ecke Sonnenhofstrasse/Schaffhauserstrasse, das sich fast hälftig aus Wohn- sowie Wohn- und Gewerbezone zusammensetzt, will der Reiseveranstalter Twerenbold ein Betriebsgebäude mit Büroräumen, Car-Einstellhalle mit Reiseterminal, Waschanlage, Tiefgarage sowie eine Wohnüberbauung errichten. Zuvor benötigt das Projekt, das mit dem Landkauf bis zu 30 Millionen Franken kostet, grünes Licht des Gemeinderates. Die Twerenbold-Gruppe, zu welcher auch das Reisebüro Mittelthurgau Weinfelden gehört, führt Reisen in über 20 Länder durch und erzielt einen jährlichen Umsatz von rund 150 Millionen. (sko)