«Burglind», «Evi», «Friederike» - das Dreigestirn der Verwüstung sorgt für 2387 Schäden im Thurgau

Drei heftige Stürme verursachen in nur einem halben Monat 2400 Schadenfälle. Für die Zukunft dürfte mit einer Zunahme von Elementarschäden zu rechnen sein. Die Gebäudeversicherung ist dafür gerüstet

Sebastian Keller
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Orkan Burglind fällte Bäume, wie hier in Frauenfeld, und hinterliess auch sonst ein Bild der Verwüstung.  (Bild: Samuel Koch, 3. Januar 2018)

Orkan Burglind fällte Bäume, wie hier in Frauenfeld, und hinterliess auch sonst ein Bild der Verwüstung.  (Bild: Samuel Koch, 3. Januar 2018)

Burglind, Evi, Friederike: Was einer Namensliste werdender Eltern gleicht, ist in Wahrheit ein Dreigestirn der Verwüstung. Im Januar 2018 fegten Stürme mit diesen lieblichen Frauennamen wenige Tage nacheinander über den Thurgau.

Zuerst Orkan Burglind. Er stürmte mit 134 km/h über den Seerücken. Feuerwehren mussten ausrücken, weil umgestürzte Bäume Strassen blockierten; Dachziegel flogen durch die Luft und beschädigten Autos; eine Traglufthalle in Romanshorn wurde beschädigt.

Sturmwinde: 2500 Schadenfälle

Auch Gebäude wurden im stürmischen Januar nicht verschont: 2387 Schadensfälle mit einer Schadensumme von 4,53 Millionen Franken verzeichnete die Gebäudeversicherung Thurgau (GVTG) wegen den drei Stürmen. Insgesamt lassen sich 2530 Fälle und 4,92 Millionen Franken der Ursache Sturmwind zuordnen.

Das zweite prägende Naturereignis richtete vor allem im Kleinen grosse Schäden an: Am 8. Juni 2018 suchte ein Unwetter die Region Frauenfeld heim. Die Wassermassen überschwemmten eine Turnhalle. Für diesen Tag zählte die GVTG 379 Schadenfälle mit Schäden in der Höhe von 3,2 Millionen Franken. Unter dem Strich zählte die Gebäudeversicherung im vergangenen Jahr 3159 Elementarschäden – verursacht vor allem durch Sturmwinde und Überschwemmungen.

Sowohl die Anzahl Schäden wie die Schadensumme durch Sturmwinde waren 2018 überdurchschnittlich hoch . Hagel gab es kaum. Lediglich 97 Fälle mit etwas über 300000 Franken Schäden werden dem Hagel zu Lasten gelegt. Im Jahr zuvor führte Hagel die Rangliste der Elementarschäden an: Die Gebäudeversicherung registrierte dazumal 1051 Fälle mit Schäden in der Höhe von 5,5 Millionen Franken.

Mit Reserven für Naturgewalten gerüstet

Hagel in einem Jahr, Sturmwinde und Überschwemmung im nächsten. Die Natur zeigt sich zuweilen von ihrer ungestümen Seite. Mit einer Beruhigung rechnet kaum jemand – Stichwort Klimawandel. Experten rechnen mit einer Zunahme von Naturereignissen. Das dürfte kaum dazu führen, dass die Elementarereignisse wie Sturm, Hagel, Hochwasser abnehmen.

Die Gebäudeversicherung Thurgau ist finanziell dafür gerüstet. Im Reservefonds liegen aktuell 413 Millionen Franken. Die angestrebte Kapitalausstattung beläuft sich auf 435 Millionen Franken. Das hatte der Verwaltungsrat 2013 aufgrund einer umfassenden Risikoanalyse beschlossen, wie auch im aktuellen Geschäftsbericht zu entnehmen ist. Damit können sowohl Schwankungen an den Börsenmärkten wie auch im Schadensbereich aufgefangen werden.

Der Grossbrand in Egnach

Die grössten Schäden richteten 2018 aber weder Winde noch Wasser, sondern Feuer an. Schäden in der Höhe von 17,2 Millionen Franken gehen auf das Konto der Flammen. Damit liegt die Schadensumme gut 50 Prozent höher als 2017.

«Grund für die hohe Schadenbelastung», schreibt die Gebäudeversicherung im Geschäftsbericht 2018, «ist der Grossbrand der Tobi Seeobst AG in Egnach, der mehr als 20 Prozent der Schadensumme ausmacht.» Am 16. März 2018 brannte ein Kühlhaus nieder, wobei auch 1200 Tonnen Obst dem Brand zum Opfer fielen. Die Gebäudeversicherung notierte eine Schadensumme von 3,78 Millionen Franken. Ursache: Brandstiftung durch Drittperson.

Einen Rückgang verzeichnet die GVTG bei den Anzahl Feuerschäden: um 147 auf 242 Fälle. 77 Feuerschäden wurden durch Blitzschlag verursacht.