Tobler fürchten die Folgekosten - Gemeinderat scheitert mit Antrag

Die Stimmbürger wiesen einen Kreditantrag zur Planung eines Fernwärmeverbunds Tobel-Tägerschen zurück.

Urs Nobel
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Obwohl einzige Vorlage, fand der Kreditantrag für die erste Planung eines Fernwärmeverbundes keine Mehrheit.

Obwohl einzige Vorlage, fand der Kreditantrag für die erste Planung eines Fernwärmeverbundes keine Mehrheit.

Bild: Urs Nobel

Seit 2017 setzt sich der Gemeinderat von Tobel-Tägerschen mit dem Projekt «Fernwärmeverbund zur Wärmegewinnung aus lokaler Holzwertschöpfung» auseinander. An der Gemeindeversammlung vom Donnerstag stellte er deshalb einen Kreditantrag in der Höhe von 60000 Franken, um eine erste Planung zu lancieren. Es handelte sich um den einzigen Antrag des Abends und er wurde trotz des für einen Gemeindehaushalt geringen Betrags zurückgewiesen. «Zuerst solle der Gemeinderat via Postweg abklären, wie viele Einwohner überhaupt Interesse zeigen, ihre Gas- oder Ölheizung zu Gunsten eines Fernwärmeverbunds zu ersetzen.»

Unsicherheit bestand im Saal vor allem wegen der zu erwartenden hohen Investitionskosten der Ausgestaltung des Fernwärmenetzes sowie der prognostizierten 20 Jahre Amortisationskosten der Hausanlage. Da nützte es wenig, dass Gemeindepräsident Rolf Bosshard zahlreiche Beispiele nannte, welche sich dem Thema «Klima- und Klimaschutz» widmeten. Auch der Beizug von Marcel Stofer, welcher detaillierter über das Projekt informierte und technische Fragen zu beantworten wusste, nützte nichts. Stofer, Leiter Strategische Projekte und Mitglied der Geschäftsleitung von Energie Thurgau (EKT), konnte die vorhandene Skepsis zum Projekt auch nicht unterbinden.

Mit ein Grund mochte dabei wohl sein, dass die meisten Anwesenden im Foyer des Sekundarschulhauses älteren Jahrgangs gewesen und nicht mehr gewillt sind, grössere persönliche finanzielle Aufwendungen auf sich zu nehmen.

Die Sporthalle ist schuld

Keinerlei Probleme hatte der Gemeindepräsident, das Budget 2020 zu präsentieren und genehmigen zu lassen. Bei dem Minderertrag von 354'819 Franken waren sich die Bürger bewusst, dass die aktuelle Bautätigkeit der Sporthalle daran schuld ist, und diese wurde nicht nur schon längere Zeit gutgeheissen, sondern befindet sich bereits in der Endphase des Baus. Ausgehend von einem konstant beibehaltenen Steuerfuss von 50 Prozent (Gemeinde) und 65 Prozent (Primarschule) geht der Gemeinderat davon aus, dass bisher bewilligte Vorhaben realisiert werden können und das Strassen- und Leitungsnetz kontinuierlich erneuert werden kann.

Interesse an Wil West ist bescheiden

Integriert in die Gemeindeversammlung – die Gesprächs- und Diskussionskultur war übrigens sehr kultiviert – war auch eine Information zum Thema Wil West. Tobel-Tägerschen gehört zu den 22 angeschlossenen Gemeinden dieses Generationenprojekts. Als Referent konnte der Gesamtprojektleiter Peter Guler persönlich gewonnen werden.

Guler informierte über den Stand der Dinge, über das weitere Vorgehen und darüber, dass der neue Autobahnanschluss auch seine positive Auswirkung auf den nördlichen Teil der Region haben werde. Zu guter Letzt werde auch der ÖV-Bereich ausgebaut und sich in nördlicher Richtung ausdehnen. Weil jedoch alles noch Zukunftsmusik ist, verzichtete die Versammlung auf Fragen und nahm Gulers Informationen mehr oder weniger gelassen hin.

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