Bundesfeier
«Die letzten Monate waren nicht geprägt von Leichtigkeit»: Die Bundesfeier in Gachnang drehte sich um Katzen, Kuchen und Komplimente

Die Feier der Gemeinde Gachnang am Vorabend des 1. August hat in einer Scheune der Familie Schuppli in Strass stattgefunden. Das mit minimalen Einschränkungen. Festrednerin war Carmen Haag. Die Regierungsrätin machte den Spagat von der Pandemie zum Sommer und berichtete von ihren Glücksmomenten.

Janine Bollhalder
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Die Bundesfeier in Gachnang fand in der Scheune der Familie Schuppli in Strass statt.

Die Bundesfeier in Gachnang fand in der Scheune der Familie Schuppli in Strass statt.

Bild: Reto Martin

Grille, chille, Bierli kille. Am Samstagabend hat das Wetter mitgespielt. Der Himmel über der Scheune von Familie Schuppli in Strass zeigte zwar grau-trübe Wolken, aber in der Ferne schimmerte noch sommerlich die Sonne. Regierungsrätin Carmen Haag greift das in ihrer Rede auf:

«Sommer bedeutet, viel und lange draussen sein mit Familie und Freunden. So wie heute.»

Die Bundesfeier der Gemeinde Gachnang hat viele Besucher angelockt. Zwei Drittel davon sassen in der Scheune, die anderen draussen. Dass sich die Welt in einer Pandemie befindet, bemerkte man kaum. Das freut Andreas Sütsch, Präsident des Dorfvereins Niederwil. In seiner Ansprache sagt er: «Wir sind froh, den Anlass mit einem Minimum an Einschränkungen durchführen zu können.»

Vom Coronavirus zum aktuellen Sommer

Regierungsrätin Carmen Haag

Regierungsrätin Carmen Haag

Bild: Reto Martin

Das Coronavirus spricht auch Haag, Vizepräsidentin des Regierungsrates, in ihrer Festrede an. «Die letzten Monate waren nicht geprägt von Leichtigkeit», sagt sie. «Unser Fokus lag auf Zahlen, Prognosen, Empfehlungen, Warnungen und Verboten.» Von Covid macht sie den Gedankensprung zum eigentlichen Anlass des Abends: dem 730. Geburtstag der Schweiz.

Haag beschreibt das Land als eines, in dem die Bevölkerung gut überlegt, was sie macht und was nicht. Welche Massnahmen angezeigt sind – und diese dann auch strikt befolgt. Haag erinnert sich an das Feuerverbot von 2018. Einer Bundesfeier, bei der niemand Raketen in den Himmel schoss. Sie sagt:

«Mich hat das total beeindruckt.»

Die Pandemie zieht sich gewissermassen wie ein roter Faden durch Haags Rede, aber sie rückt das Virus nicht in den Fokus, sondern schafft Verbindungen. Etwa zum Sommer. Im diesjährigen fehlt ihr aber der Sonnenschein. Wörtlich und im übertragenen Sinne, wie sie sagt. «Glücklich, fröhlich und unbeschwert fühlt sich anders an, nicht?»

Carmen Haag rät den Anwesenden, eine Top-10 ihrer Glücksmomente zusammenzustellen.

Carmen Haag rät den Anwesenden, eine Top-10 ihrer Glücksmomente zusammenzustellen.

Bild: Reto Martin

Sie regt die Gäste der Gachnanger Bundesfeier dazu an, die Aufmerksamkeit weg von den Zahlen und Fakten zu lenken. «Lassen Sie uns gemeinsam den Fokus auf das Schöne legen.» Prompt zählt Haag auf, was sie an diesem Abend erfreut. Etwa die schön geschmückte Halle. Die fröhlichen Gesichter. Die feinen Kuchen in der Auslage. Und das grau-weisse Büsi, das zwischen den Beinen der Gäste umherstolziert.

Das beste Instrument für die direkte Demokratie

Das Schöne im Leben sehen – «Nach den letzten Monaten haben wir einen grossen Nachholbedarf, was das angeht», sagt Haag. Sie rät allen Anwesenden, eine Top Ten an Glücksmomenten festzulegen. Zu den ihren gehören unter anderem, jemandem etwas Liebeswürdiges zu sagen. «Wir Politiker sind ganz besonders auf Zuneigung angewiesen», sagt sie und schmunzelt. «Da wir sie eher selten erhalten.»

Zwei Drittel der Gäste haben in der Scheune Platz gefunden.

Zwei Drittel der Gäste haben in der Scheune Platz gefunden.

Bild: Reto Martin

Zu den Sachen, die Gemeindepräsident Roger Jung gefallen, gehört die Gemeindeversammlung. Er sei ein Fan davon, sagt er. Was Jung aber schade findet, ist, dass immer weniger Einwohner Gachnangs teilnehmen. Und das, obwohl die Anzahl Stimmberechtigter zunimmt. «Es ist eines der besten Instrumente für die direkte Demokratie», sagte Jung und nutzte die Gelegenheit, die Anwesenden an die nächste Gemeindeversammlung vom 9. Dezember zu erinnern. Freudig verkündete er auch, dass nun ein Schirm mit Gachnanger Logo über die Gemeindewebsite erhältlich ist.

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