Bühni Wyfelde zeigt «Loriot» zu Silvester

Bühni Wyfelde spielte an Silvester «Loriot». Die Wahl war ein Wagnis, das meist aufging, aber nicht überall.

Christof Lampart
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Eine der bekanntesten Szenen Loriots: Das Frühstücksei gespielt vom Ensemble der Bühni Wyfelde.

Eine der bekanntesten Szenen Loriots: Das Frühstücksei gespielt vom Ensemble der Bühni Wyfelde.

Bild: Reto Martin

Weinfelden erlebte an Silvester für einmal rund 90 Minuten gehobenen, deutschen Humor. Über die Jahrzehnte hinweg geradezu sprichwörtlich gewordene Wortklaubereien, subtile Andeutungen, die mehr über einen Menschen aussagten als tausend Worte es je könnten – und auf der Bühne des Theaterhauses Thurgau die Wiederauferstehung eines gesellschaftlichen Milieus, das der heutigen Jugend ebenso fern ist, wie es unserer Grosselterngeneration noch nahe war: Wirtschaftswunder, Kniggekurs, Schlange stehen vor der Opernkasse – und die seit Loriot unverzichtbare Frage, wie weich, beziehungsweise hart ein Viereinhalb-Minuten-Frühstücksei nun sein darf.

Im Banalen steckt das Böse

Zwar vermochte das Ensemble um Thomas Götz und Peter Wenk, welche nicht nur mitspielten, sondern auch das Konzept für den Loriot-Abend entwarfen und darüber hinaus Regie führten, mitnichten die Frage zu beantworten, wie denn nun ein perfektes Frühstücksei zu sein hat, doch das Bemühen um Klärung war den Protagonisten (Martin Beck, Madeleine Cavegn, Thomas Götz, Reto Meier, Susanne Odermatt und Peter Wenk) keineswegs abzusprechen – wurde doch der Ei-Sketch nicht weniger als dreimal gebracht.

Das war zwar nicht langweilig (was Loriot sowieso nie ist), taugte jedoch angesichts der nur knapp 90 Minuten reinen Spieldauer als «roter Faden» durch den Abend nur bedingt, liess doch der «running Gag» zu wenig Raum für anderes – und Humorvolles gibt es bei Loriot bekanntlich nun mal reichlich. Immerhin wissen wir jetzt, dass das Böse im Banalen steckt und keine lange Zeit benötigt, um sich voll zu entfalten – schliesslich liegen zwischen dem Auftakt «Berta, das Ei ist hart» und der finalen Erkenntnis «Morgen bring ich sie um!» nur wenige Minuten.

Überzeugende Ensemble-Leistung

Das Publikum ging bei den Loriot-Sketches begeistert mit. Da spielte es keine Rolle, dass die Mimen, erwartungsgemäss nicht an die Originale heranreichten – die «Kopien» waren überzeugend. Da die Nummern alle ziemlich kurz waren, fällt es schwer, die Leistung einzelner herauszuheben, doch präsentierte sich das Ensemble sehr spielfreudig und agierte homogen auf hohem Niveau.

Das Bühnenbild (Peter Affentranger) war betont einfach und nüchtern gehalten, bestand es doch im Prinzip nur aus drei grauen Wänden, die, je nach Bedarf, mit den unterschiedlichsten Projektionen oder kleinen Filmen (Daniel Felix) angereichert wurden. Zuletzt gab es einen Teil, der nur wenig dazu beitrug, den Abend zusätzlich aufzupeppen.

Filmeinlagen überzeugten nicht

Denn das Regie-Duo konnte es sich leider nicht verkneifen, Loriots Humor durch ein witzmässiges sehr dürftiges, eidgenössisches Wahlkampf-Podium temporär auf ein Niveau herunterzuziehen, die den Gesamteindruck des Abends zumindest beeinträchtigte.

Was bei «Ergötzliches» in der Regel hervorragend funktioniert, wirkte hier für einmal völlig fehl am Platz. Denn an einem «Loriot»-Abend will man nix von Levrat, Martullo und flachen Politkalauern hören. Bei dieser Nummer beschlich einen das ungute Gefühl, dass dem Regieteam die Zeit für die Entwicklung neuer Loriot-Nummern ausgegangen und man es deshalb mit «altem Wein in neuen Schläuchen» versuchte.

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