Bühne frei für die Kunst: Elf Ostschweizer zeigen an der Aadorfer «BluesArt» ihre Werke

In der Ausstellung BluesArt in der Rotfarb Aadorf setzen sich Künstler mit Musik auseinander – eine Augenweide.

Dieter Langhart
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Blick in den Konzertraum der Rotfarb; im Vordergrund Beat Weyeneths Lithophon mit perfekt gestimmten Platten aus Serpentin.

Blick in den Konzertraum der Rotfarb; im Vordergrund Beat Weyeneths Lithophon mit perfekt gestimmten Platten aus Serpentin.

Bild: Dieter Langhart

Das Sonntagskonzert mit der Mojo-T Blues Band ist verklungen, doch weiterhin lockt die Kunstausstellung in die Rotfarb. Auf die Vernissage mit Pepe Lienhard mussten die Besitzer und Organisatoren Kurt und Gaby Gerber leider verzichten – Corona hat ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht (siehe Ausgabe vom 30.9.), ebenso auf weitere Rahmenveranstaltungen.

«Doch wir wollten BluesArt so oder so durchziehen», sagt Kurt Gerber. Ihm und seiner Frau lag viel daran, den elf Kunstschaffenden aus der Ostschweiz Raum zu geben, ihre Werke zu zeigen, sichtbar zu sein, von Besuchern ein Echo zu bekommen. Kurt Gerber sagt weiter:

«Wir sind keine Galeristen und die Vorbereitungen waren nicht einfach.»

Wenn man zu zweit sei, könne man zwar leichter entscheiden, müsse aber manches selbst machen.

Ursprünglich hatten die Gerbers lediglich zwei Wochenenden für die Ausstellung vorgesehen, nun sind es zwei Wochen mit drei Wochenenden, und täglich ist die Rotfarb geöffnet: der Garten vor dem Gebäude, der Keller mit der Konzertbühne, das lichte Treppenhaus, die Galerie im ersten Stock, die so gar nicht wie eine Galerie wirkt, eher wie ein Wohnraum. Auch Gruppen können sich anmelden, sagt Kurt Gerber. «Masken sind freiwillig, wir setzen auf Eigenverantwortung.»

Fast alle Werke sind für die Ausstellung entstanden

Wer den Konzertkeller betritt, dem fallen sogleich die grossformatigen Porträts von Bluesgrössen in Schwarz-Weiss auf. Remo Gmünder baut nicht nur Gitarren in Appenzell, er macht auch Kunst. Und was bei einem flüchtigen Blick wie Fotografie aussieht, sind lebensgrosse Kohlezeichnungen. Gmünder hat sie für diese Ausstellung an diesem Ort gemacht, und er ist nicht der einzige Künstler, der eigens für BluesArt Werke geschaffen und sich ganz dem Thema Musik und Musiker gewidmet hat.

Beat Weyeneths «Lithophon» dominiert den Raum vor der Bühne, und natürlich lässt sich darauf spielen. Und auf der Bühne steht eine Installation: eine Frauengestalt, gänzlich in Notenblätter gewandet; hinter ihr zwei Linolschnitte von Erik Trauner, dem Gitarristen und Sänger der Wiener Mojo Blues Band, die nicht einreisen durfte und für die die Schweizer Mojo-T Blues Band am Sonntag einsprang.

Gekrümmte Zehen und eine gelaserte Tanksäule

Von Thomas «Urbi» Urben aus Urnäsch stammen Lichtobjekte aus Metall, die Schatten werfen, etwa eine ausrangierte Tanksäule, in deren Blechwände er mit einem Laser Löcher geschnitten hat. Carol Urben dagegen schafft für ihre kleinen Lichtfiguren Miniaturbühnen. Und wer genau hinsieht, entdeckt ein neckisches Detail: Stets ist eine Zehe nach oben gekrümmt.

Der Bischofszeller Paul Huber stellt knallige, an Pop-Art erinnernde Bilder aus; die Motive  – amerikanische Oldtimer – passen bestens in einen Blueskeller. Roman Wirth aus Flawil nennt sich Holz-Metall-Musiker; für diese Ausstellung hat er aus Birn- und anderem Obstbaumholz Musiker geschnitten und die Instrumente aus Metall geformt – selbst auf der stehengebliebenen Riegelwand im Treppenhaus sind seine Figurinen zu entdecken.

Mit Metall arbeitet auch Peter Baumgartner aus Goldach; der gelernte Schlosser hat einen Saxofonisten aus einem Stück geformt. Vor dem Eingang fallen schlanke, helle Gestalten auf, deren Gestus ein wenig an Alberto Giacomettis erinnert – nur hat sie der Toggenburger Albert Zweifel nicht aus Bronze gegossen, sondern aus Beton gefräst.

Eine Klammer um die Ausstellung bilden Theres Menzis expressive Porträts von Bluesmusikern im Galerieraum und im Keller, und auch Gaby Gerbers Malerei thematisiert die Musik.

Weitere Informationen zu BluesArt unter arealrotfarb.ch

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