Bühne
Eskalation in Hellgrau: Das Junge Theater Thurgau probt im Eisenwerk Frauenfeld für das Stück «Level up»

Das Thema Sucht fasziniert sie: Zehn Jugendliche haben unter der Leitung von Theaterpädagogin Petra Cambrosio ein Stück erarbeitet, welches die Spielsucht thematisiert. «Level up» erzählt das Schicksal des 15-jährigen Lukas.

Janine Bollhalder
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Das Theaterstück «Level up» erzählt die Geschichte des 15-jährigen Lukas, der süchtig nach Games ist.

Das Theaterstück «Level up» erzählt die Geschichte des 15-jährigen Lukas, der süchtig nach Games ist.

Bild: PD

Alkoholsucht, Kontrollsucht, Magersucht. Das Thema Sucht beschäftigte die neun Jugendlichen des Jungen Theaters Thurgau. Ihr neues Stück heisst «Level up» und erzählt die Geschichte von Lukas. Der 15-Jährige träumt davon, Gameprofi zu werden. Dabei vernachlässigt er die Schule und gerät in immer grössere Konflikte mit seiner Mutter.

«Wo ist meine Konsole?», fragt die Figur Lukas. Gehüllt in den einprägsamen grossen, grauen Kapuzenpullover. «Ich habe sie weggeräumt», entgegnet seine Mutter. «Du spielst so viel. Das ist nicht gut.» Es ist die Szene der Eskalation. Die Gedanken des 15-Jährigen, ebenfalls in graue Kapuzenpullover gehüllt und verkörpert von den Theaterkollegen Lukas’, erscheinen auf der Bühne. Sie rufen seine Gedanken, machen sich selbstständig, wirbeln umher.

Verschiedene Suchtprobleme thematisiert

Theaterpädagogin Petra Cambrosio.

Theaterpädagogin Petra Cambrosio.

Bild: PD

«Das Ende des Stücks haben wir bewusst offengelassen», sagt Petra Cambrosio. Sie ist es, die den Jugendlichen das Theaterspielen näherbringt – auf dem Weg von der Improvisation der Texte bis zum fertigen Stück wurden die Mädchen und Buben stark eingebunden.

«Schnell ist klar gewesen, dass die Jugendlichen sich für das Thema Sucht interessieren», erzählt Cambrosio. Sie hätten sich verschiedene Arten von Suchtproblemen für den Fokus des Theaterstücks vorstellen können, geeinigt haben sich die Jugendlichen zwischen 13 und 16 Jahren aber für die Spielsucht. Angefangen zu proben hat die Gruppe im August des vergangenen Jahres. Anfangs habe ein Durchgang von «Level up» vier Stunden gedauert, inzwischen beträgt die Spieldauer kaum mehr eine Stunde. Die Texte sitzen, die Einsätze benötigen nur noch selten einen Wink Cambrosios.

Ob die Jugendlichen persönliche Erfahrungen mit dem vielschichtigen Thema Sucht gemacht haben, möchte Cambrosio nicht sagen:

«Ich habe es nicht erzwungen, dass sie über eigene Erfahrungen sprechen. Dies ist nicht der Ort dafür.»

Natürlich aber haben einige Jugendliche Berührungspunkte mit dem Thema und sich darüber ausgetauscht. Fokus des Stücks war es, aufzuzeigen, welche Phasen der Sucht es gibt und wer alles involviert wird. Und es wird auch thematisiert, dass man bei einem Verdacht nicht wegschauen, sondern sich trauen soll, dies anzusprechen.

Die Coronakrise hat die Theatergruppe gezwungen, gewisse Proben via Teams durchzuführen. Inzwischen können die Jugendlichen aber wieder gemeinsam vor Ort im Frauenfelder Eisenwerk proben, wo dann auch die Premiere am Freitag, 23. April, aufgeführt wird. Dem Auftakt zu insgesamt neun Aufführungen. Aufgrund der Pandemie dürfen im Saal zwar nur 22 Sitzplätze besetzt werden, aber Cambrosio ist erleichtert, dass die Vorführungen stattfinden können.

Aufführungsdaten sowie weitere Informationen unter: www.eisenwerk.ch