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Brustkrebs: Knapp die Hälfte der Thurgauerinnen lässt sich untersuchen

Rund 20'000 Thurgauerinnen werden jährlich eingeladen, ihre Brüste röntgen zu lassen. 43 Prozent davon lassen sich tatsächlich untersuchen. Seit 2011 wurden im Thurgau so 322 Brustkrebsfälle frühzeitig entdeckt.
Silvan Meile
Vor dem Start des Thurgauer Mammografie-Programms: Blick ins Brustzentrum am Kantonsspital Frauenfeld. (Bild: Hanspeter Schiess, 19.10.2010)

Vor dem Start des Thurgauer Mammografie-Programms: Blick ins Brustzentrum am Kantonsspital Frauenfeld. (Bild: Hanspeter Schiess, 19.10.2010)

Anita Dähler-Engel brachte den Stein ins Rollen. Die damalige CVP-Kantonsrätin aus Mammern reichte eine Interpellation ein, die einem Brustkrebs-Früherkennungsprogramm im Thurgau den Weg ebnete. Seit 2011 gibt es nun ein solches. Im achten Jahr stellt sich der Kanton, der das flächendeckende Programm mitfinanziert, selber ein Zeugnis aus. Die stellvertretende Kantonsärztin Agnes Burkhalter sagt:

«Im Thurgau stehen wir mit einem qualitativ hochstehenden Programm sehr gut da.»

Dies bestätigt auch der beigezogene Fachexperte Chris de Wolf, der die Qualität des Thurgauer Programms jährlich überprüft. «Die wichtigsten Leistungsparameter für ein qualitativ hochwertiges Screening-Programm werden auf allen Ebenen des Thurgauer Brustkrebs-Früherkennungsprogramms erreicht», lässt sich de Wolf in einer Mitteilung des kantonalen Amtes für Gesundheit zitieren.

Zwei unabhängige Beurteilungen für jedes Screening

In der Schweiz ist Brustkrebs die häufigste Krebsart bei Frauen. Laut Bundesamt für Statistik erkranken hierzulande jährlich etwa 5900 Frauen, rund 1400 sterben daran. Betroffen sind hauptsächlich Frauen ab 50. Im Thurgau werden sie deshalb alle zwei Jahre zu einer freiwilligen Teilnahme am Früherkennungsprogramm eingeladen. 322 Brustkrebsfälle sind durch dieses Mammografie-Programm seit 2011 entdeckt worden. Werde Brustkrebs früher erkannt, lasse er sich einfacher operieren, sagt Burkhalter.

Jährlich werden im Thurgau zwischen 15'000 und 20'000 Einladungen zur Mammografie verschickt. «43 Prozent der angeschriebenen Frauen nehmen am Früherkennungsprogramm teil», sagt Burkhalter weiter. Das sei ein guter Wert, obwohl noch Luft nach oben bestehe. Zum Start des Programms wurden gar 70 Prozent angepeilt, wie die TZ damals berichtete. Die Untersuchungen werden im Thurgau an den Kantonsspitälern Frauenfeld und Münsterlingen sowie am Radiologischen Institut Weinfelden durchgeführt. Jedes Screening beurteilen zwei Radiologen unabhängig voneinander, um falsche Diagnosen möglichst zu verhindern.

Der Kanton zahlt jährlich 670'000 Franken

Auch zahlt sich im Thurgau mittlerweile die Erfahrung aus. «Aufgrund von fehlenden Vergleichsbildern lag die Zahl der Frauen, die zu einer weiteren Abklärung aufgeboten wurden, im ersten Betriebsjahr 2011 bei 11 Prozent», schreibt der Kanton. Unterdessen sei dieser Wert bei 4.3 Prozent angekommen. Damit übertreffe das Thurgauer Programm die Vorgaben der Europäischen Leitlinien.

Die Kosten übernehmen die Krankenkassen ohne Anrechnung der Franchise. Lediglich 20 Franken Selbstbehalt bleiben. Der Kanton Thurgau beteiligt sich mit jährlich 670'000 Franken am Mammografie-Screening. Für Jakob Stark, Vorsteher des Departementes für Finanzen und Soziales, ist das eine lohnenswerte Investition: «Das Brustkrebs-Früherkennungsprogramm erfüllt die hohen internationalen Qualitätsansprüche und stellt die Chancengleichheit für alle Thurgauerinnen sicher.» Deshalb ist für ihn klar: «Der Kanton wird das Angebot weiter unterstützen.»

Verband wünscht sich eine Harmonisierung

Nationalrätin Edith Graf Litscher. (Bild: Donato Caspari)

Nationalrätin Edith Graf Litscher. (Bild: Donato Caspari)

Auf kantonaler und nationaler Ebene kämpft die Thurgauer SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher gegen den Brustkrebs. Als Selbstbetroffene und Vorstandsmitglied des Verbands «Swiss Cancer Screening» setzt sie sich für eine schweizweite Harmonisierung der Qualitätsstandards auf internationalem Niveau ein. Das sei nötig. Aufgrund der unterschiedlichen Vorgehensweisen in den einzelnen Kantonen liessen sich derzeit etwa die Statistiken kaum miteinander vergleichen. Graf-Litscher sähe es gerne, wenn ein nationales Programm die Richtlinien aus dem Thurgau übernehmen würde. «Das ist ein Erfolgsmodell.»

Doch es gibt auch Widerstände. Denn nicht alle Kantone handeln wie der Thurgau und bieten Frauen ab 50 routinemässig auf, die Brüste zu röntgen. Gemäss Webseite von «Swiss Cancer Screening» gibt es in 14 Kantonen kein standardisiertes Früherkennungsprogramm für Brustkrebs. Von den Kritikern werden beispielsweise die hohen Kosten und die verhältnismässig geringe Wirksamkeit ins Feld geräumt.

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