Braunau
Sie holt die Figuren aus den Steinen: Braunauer Künstlerin zeigt ihre Werke im Bronschhofer Gemeindehaus

Die Vernissage fiel zwar aus, doch die Ausstellung findet statt. Bis Anfang März zeigt die «malende Bäuerin aus Braunau», Agathe Hasler, Bilder und Skulpturen im ehemaligen Bronschhofer Gemeindehaus.

Christof Lampart
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Die früher als «malende Bäuerin aus Braunau» bekannte Agathe Hasler hat sich in den vergangenen Jahren vor allem der Schaffung von Steinskulpturen gewidmet.

Die früher als «malende Bäuerin aus Braunau» bekannte Agathe Hasler hat sich in den vergangenen Jahren vor allem der Schaffung von Steinskulpturen gewidmet.

Bild: Christof Lampart

Dort, wo normalerweise viele häppchenessende Vernissagebesucherinnen und -besucher die Werke der Kunstschaffenden bestaunen und darüber diskutieren, herrschte am Vernissage-Abend für einmal Leere. Ausser Agatha Hasler und ihrem Mann ist am Donnerstagabend niemand hier.

Natürlich kenne sie das anders, lacht Agathe Hasler, als sie auf die besonderen Umstände angesprochen wird, doch hat sie für die Absage der Ausstellungseröffnung durchaus Verständnis. Auch sie und ihr Mann, die beide eine Hygienemaske tragen, welche nur kurz fürs Foto abgenommen wird, gehören schliesslich der Risikogruppe an. «Hoffen wir, dass trotzdem alles gut kommt und wir vielleicht am Ende eine Finissage feiern können», so die Künstlerin. Käme es so, dann wäre diese am 5. März 2021 fällig.

Wohltuend und unprätentiös

Bis dahin sind im Foyer und im ersten Stock des ehemaligen Bronschhofer Gemeindehauses Bilder und Skulpturen von Agathe Hasler zu sehen. Die Bilder, die meisten in Oel, einige auch in Aquarell gemalt, zeigen Ausschnitte aus Landschaften, die man zwar kennt, hier aber, in der Bildaussage, vor allem durch den Eindruck der Ursprünglichkeit, den sie ausstrahlen, auf sich aufmerksam machen.

Die «Schneeschmelze im Tösstal» transportiert beispielsweise das Gefühl von Wandel und Aufbruch genauso wie das – im wahrsten Sinne des Wortes malerisch wirkende Bild «Min liebä Baum im Herbst». Prächtige, strahlende Farben, starke Kontraste und einen aufs Wesentliche reduzierte Bildkompositionen lassen die Bilder der Hinterthurgauerin authentisch und somit als unprätentiöse, wohltuende Bereicherung aufs Auge des Betrachters wirken.

Mit Augen und Händen zugleich «sehen»

Ganz anders sind da die Skulpturen, welche Hasler seit über 25 Jahren fertigt. Dabei haben es der Künstlerin für die Bearbeitung im Atelier vor allem einheimische Steine, Findlinge, die sie und ihr Mann bei Wanderungen in Bergbächen, Flüssen und einfach im Gebirge findet, angetan. Die Künstlerin sagt:

«Wir haben hier wunderschöne Steine, in denen prächtige Figuren stecken.»

Während sich bei den «konkreten» Figuren wie Huhn und Hahn auch ein stark verspielt-dekorativer Charakterzug zeigt, sind die im Obergeschoss ausgestellten Steine nur teils behauen, weitestgehend archaisch und spiegeln somit die Rauheit ihrer ursprünglichen Umgebung. Da bietet sich nicht nur das Anschauen, sondern auch das «Sehen mit den Händen» geradezu an, denn der haptische Eindruck, den die Steinskulpturen beim «Betrachter» hinterlassen, ist ein Erlebnis für sich.

Ein Besuch der kleinen, aber feinen Ausstellung mit 19 Werken, die alle käuflich erworben werden können, lohnt sich auf jeden Fall. Zu sehen sind sie werktags jeweils von 8 bis 11.30 und von 13.30-18 Uhr (Montag), bzw. 17 Uhr (Dienstag bis Donnerstag), bzw. 16 Uhr (Freitag) geöffnet. Der Eintritt ist frei.