Brauchtum
Weisser Rauch steigt auf: Das Köhlerfest auf der Sirnacher Hochwacht ist angelaufen

Mit einjähriger Verspätung brennt nun endlich der Meiler auf der Sirnacher Hochwacht. Köhlerin Doris Wicki hatte keine Mühe, ihn zu entzünden, das Zuschauerinteresse war schon beim Aufbau gross. Nach dem Köhlerfest 2000 in Balterswil ist dies nun der zweite Meiler, der im Hinterthurgau als Publikumsmagnet aufwartet.

Christoph Heer
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Die Köhler Peter Dietschweiler und Doris Wicki im Einsatz auf der Hochwacht.

Die Köhler Peter Dietschweiler und Doris Wicki im Einsatz auf der Hochwacht.

(Bild: Christoph Heer)

21 Jahre nach der Kohlegewinnung beim damaligen Meiler in Balterswil und nach langer, nicht immer einfacher Planung brennt er nun: der Meiler 2021 auf der Hochwacht oberhalb Sirnachs.

Köhlerin Doris Wicki aus dem Entlebuch füllte den meterhohen Aufbau mit drei Schaufeln Glut, kurze Zeit später entstiegen dem Schacht erste Rauchschwaden. Natürlich darf der Köhlergruss nicht fehlen, für ein gutes Gelingen rief Doris Wicki, auf dem Meiler stehend, «Guet» und die Zuschauer entgegneten mit «Brand».

Der Meiler verkohlt jetzt von oben nach unten, wobei laufend seitliche Zuglöcher geöffnet werden. Steigt weisser Rauch aus den Löchern, besteht der Verdampfungsmodus. Steigt blauer Rauch heraus, ist der Verkohlungsprozess abgeschlossen. Die Zuglöcher werden geschlossen und weiter unten wieder erneuert. Der Prozess wird wiederholt, bis der ganze Meiler verkohlt ist. Nach dem Abkühlen kann der Meiler nach zehn Wochen verzogen und die Holzkohle verpackt werden.

Es qualmt aus dem Loch auf dem Meiler. In zehn Wochen sollen vier Tonnen Kohle daraus geborgen werden.

Es qualmt aus dem Loch auf dem Meiler. In zehn Wochen sollen vier Tonnen Kohle daraus geborgen werden.

(Bild: Christoph Heer)

Vorerst wird Doris Wicki aber eine Zeitlang beim Meiler verbringen. «Ich muss zu jeder Zeit auf den Meiler blicken können, nur so kann ich jederzeit eingreifen, falls einmal etwas nicht so will, wie es muss», sagt die Entlebucherin und zeigt auf ihr «Behausung» einige Meter weiter oben am Waldrand. Besagte Anzündezeit beträgt vier Stunden, was folgt sind sieben Tage, in welchen alle zwei Stunden sogenannte «Füllikohle» eingegeben werden muss.

50 Ster Holz und eine Ladung Tannenreisig

Doris Wicki wird unterstützt von Peter Dietschweiler. Die beiden schauen auch, dass die Sicherheit stets grossgeschrieben wird, immerhin hat es auf dem Meiler einen, zwar abgedeckten, Kamin, und auch in die seitlichen Luftlöcher darf man selbstredend nicht hineingreifen. Doris Wicki erklärt, dass für den Aufbau rund 50 Ster Holz und eine Wagenladung Tannenreisig verwendet worden sind.

«Das, was man nun von aussen sieht, ist sogenannte ‹Löschi›. Also ein altes Kohleprodukt von früheren Meilern, dieses nehme ich immer wieder mit an den nächsten Ort», sagt sie. So steht also der Kohleproduktion nichts mehr im Weg. Am 27. Juni ist geplant, den Meiler luftdicht zu versiegeln, damit er sechs bis acht Wochen abkühlen kann. «Danach rechnen wir mit etwa vier Tonnen Kohle», sagt Wicki.

Köhlerin Doris Wicki mit Revierförster Claude Engeler.

Köhlerin Doris Wicki mit Revierförster Claude Engeler.

(Bild: Christoph Heer)

Das Köhlerfest muss leider im abgespeckten Rahmen durchgeführt werden. «Nichtsdestotrotz», sagt Revierförster Claude Engeler, «soll sich niemand nicht trauen, das wunderbare Festareal zu besuchen.» Ein Festzelt, eine Waldschenke, eine Köhlerlounge, tägliche Führungen am Meiler. Sirnach gilt bis am 27. Juni als Zentrum der Gemeinschaft für Jung und Alt und stellt auch sicher, dass das Jahrtausende alte Handwerk der Köhlerei nicht vergessen geht.