Brandserie in Riedt bei Erlen: Gericht will mehr Beweise

Das Bezirksgericht Weinfelden hat den Prozess über Brände und Vandalenakte in Riedt bei Erlen unterbrochen. Es sind noch zu viele Fragen offen.

Ida Sandl
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An der Bahnhofstrasse 12 in Weinfelden sollte am Donnerstag die Hauptverhandlung zu der Brandserie in Riedt bei Erlen stattfinden. (Foto: Reto Martin)

An der Bahnhofstrasse 12 in Weinfelden sollte am Donnerstag die Hauptverhandlung zu der Brandserie in Riedt bei Erlen stattfinden. (Foto: Reto Martin)

So viele Besucher sieht man selten bei einem Prozess wie am Donnerstagmorgen in Weinfelden. Es geht um eine Serie von Bränden und Sachbeschädigungen, passiert zwischen März 2016 und Januar 2019 in Riedt bei Erlen. Angeklagt ist ein 50-jähriger Mann mit unauffälliger Brille und graumelierten Haaren, eher der Typ Aussendienstmitarbeiter als Beschuldigter in einem Straffall.

Ihm werden 17 meist kleinere Brände zur Last gelegt. Er soll unter anderem Holzschuppen, Müllcontainer, einen Reifenstapel und eine Thuja-Hecke angezündet haben. Auch habe er einen Audi Q5 verkratzt und einen Porsche Boxter mit Farbe besprüht. Am 1. Januar 2019 brannte ein Pferdestall, ein Mann wurde dabei verletzt. Seitdem sitzt der Beschuldigte in Haft. Er bestreitet sämtliche Vorwürfe. Ein Schuldspruch müsste sich deshalb völlig auf die Beweise abstützen.

Staatsanwalt muss über die Bücher

Doch bevor der Prozess richtig angefangen hat, ist er schon wieder zu Ende. Das Bezirksgericht unterbricht die Verhandlung nach zwei Stunden und schickt das Strafverfahren zurück an die Staatsanwaltschaft, verbunden mit einem Bündel von Aufträgen. Die Richter folgten damit zum grossen Teil den Anträgen des amtlichen Verteidigers Nico Gächter. Dieser hatte die Beweise der Staatsanwaltschaft als unzulänglich kritisiert. Das psychiatrische Gutachten sei unvollständig und ungenau. Es gebe Hinweise, dass die Aufzeichnungen der Überwachungskameras manipuliert seien, bemängelt der Verteidiger.

Gächter beantragt auch eine vollständige Liste aller Ereignisse, welche die Polizei in der fraglichen Zeit im Raum Riedt aufgezeichnet habe. Es habe nämlich noch andere Vorkommnisse gegeben, für die sein Mandant nicht in Frage komme. Die Anzahl der vorgeworfenen Taten sei willkürlich.

«Der Staatsanwalt kann den Beschuldigten nicht unter Generalverdacht stellen.»

Dazu kommt, dass eine Riedter Firma in Konkurs gegangen ist, als es in der Region besonders oft brannte. Von einem Tag auf den anderen standen die Mitarbeiter auf der Strasse. Es habe somit einige enttäuschte Menschen in der Region gegeben, die ein Motiv für Sachbeschädigungen oder Brände gehabt hätten. Die konkursite Firma gehört ebenfalls zu den Geschädigten.

Auch für das Bezirksgericht sind noch zu viele Fragen offen. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft wiegt schwer: Brandstiftung, versuchte Brandstiftung, Sachbeschädigung alles mehrfach begangen. Beantragt ist eine Freiheitsstrafe von 13 Jahren. «Es geht um viel», sagt Gerichtsvizepräsidentin Claudia Spring. Und: «Wir brauchen Gewissheit.»

Videoaufzeichnungen müssen überprüft werden

Deshalb muss die Staatsanwaltschaft die Echtheit der Videoaufzeichnungen überprüfen. Das Gericht will wissen, wann welche Überwachungskameras wo installiert wurden und welchen Radius sie aufgenommen haben. Ausserdem sollen weitere Personen befragt werden. Ebenfalls gefordert ist ein zweites psychiatrisches Gutachten. Dabei ist den Richtern die Unabhängigkeit des neuen Psychiaters besonders wichtig. Es dürfe keine Verbindung zum bisherigen Gutachter bestehen.

Man halte das bestehende Gutachten zwar für verwertbar, das Ergebnis werfe allerdings Fragen auf, stellt Claudia Spring klar.

«Wir wollen auch in diesem Punkt mehr Sicherheit.»

Der Staatsanwalt muss ausserdem eine Liste aller in den Polizeiakten vermerkten ähnlichen Vorfälle in der fraglichen Zeit erstellen. Er soll dazu abklären, welche einschlägigen Straftaten in den eindreiviertel Jahren passiert seien, bevor der Beschuldigte in die Region Riedt gezogen sei.

Das Strafverfahren ist beim Bezirksgericht bis zum neuen Prozesstermin sistiert. Noch weiss niemand, wann dieser stattfinden wird. Die Vizegerichtspräsidentin hofft auf Frühjahr 2020. Der Staatsanwalt nimmt es sportlich. Er werde die beantragten Ergänzungen möglichst rasch herbeibringen, verspricht er nach dem Ende der Verhandlung.