Botschaft an den Gemeinderat
Damit die Spitzen brechen und das Netz stabil bleibt: Frauenfelder Werkbetriebe planen den Bau eines Batteriespeichers

Der Bau der Anlage im Juchgebiet soll 1,95 Millionen Franken kosten und finanziell rentieren. Weil die Leistung von Fotovoltaikanlagen in Frauenfeld weiter ansteigt, will Thurplus die dadurch zunehmenden unregelmässigen Stromeinspeisungen und Lastspitzen mit einem Speicher stabilisieren.

Mathias Frei
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So sieht eine bestehende Grossbatteriespeicher-Anlage des EKZ im zürcherischen Volketswil aus.

So sieht eine bestehende Grossbatteriespeicher-Anlage des EKZ im zürcherischen Volketswil aus.

Bild: PD

Bei Thurplus sind Reglemente nicht nur hohle Worte. Der Gemeinderat hat die Frauenfelder Werkbetriebe im Sommer 2020 reglementarisch zum «Schlüsselakteur zur Erreichung der Energiewende in der Region Frauenfeld» gemacht. Dem will Thurplus nun wieder einen Schritt näherkommen und plant den Bau eines Batteriespeichers zur Netzstabilisierung. Die Investitionskosten der Anlage bei der Messstation Geisskopf im Juchgebiet betragen 1,95 Millionen Franken. Für die Kreditfreigabe tritt der Stadtrat nun mit einer detaillierten, gleichwohl aber für Laien sehr verständlich formulierten Botschaft an den Gemeinderat.

Fabrizio Hugentobler, Stadtrat und Vorsteher der Werke.

Fabrizio Hugentobler, Stadtrat und Vorsteher der Werke.

Bild: Andrea Stalder

Fakt ist: Man muss die Energiewende erreichen, ohne Wenn und Aber. Lokal produzierter Fotovoltaikstrom ist hierfür ein wichtiges Puzzleteil. Auch in Frauenfeld nimmt die Anzahl und vor allem die Leistung der dezentral produzierenden FV-Anlagen stark zu. In der vorliegenden Botschaft heisst es:

«Mit den bereits gestellten Anmeldungen für eine Fotovoltaikanlage für das Jahr 2021 kann weiterhin mit einem Anstieg gerechnet werden.»

Das ist gut, aber hier kommt dann auch ein wenig Elektrophysik ins Spiel. Denn das heutige Stromnetz ist nicht auf so viele dezentral und unregelmässig produzierte Stromleistung ausgelegt. In der Botschaft heisst es: «Damit es also zu einem Stromfluss kommen kann, muss die Spannung beim Erzeuger höher sein als beim Verbraucher (Kirchhoff-Regel).» Wenn dann Strom produziert werden kann, wenn dieser auch verbraucht wird, ist das kein Problem. Wenn man die Spannung aber heben muss, hat das Auswirkungen auf das gesamte Stromnetz. In diesem Bereich gibt es nationale Grenzwerte, welche diese Auswirkungen betreffen. Was machen? Entweder baut man das Stromnetz einfach aus oder man versucht, die Netzüberbelastungen, die sogenannten Lastspitzen, zu minimieren. Strom aus dem Netz nehmen und zwischenspeichern: Das ist die Devise.

Netzoptimierung hat Vorrang vor Ausbau

Wie der Stadtrat schreibt, hätten Netzoptimierungsmassnahmen Vorrang vor Netzausbauten. So steht es in der Botschaft:

«Mit einem Batteriespeicher wird eine optimale Massnahme zur Optimierung der Lastflüsse, Spannungsstabilisierung und Frequenzstabilisierung im Stromnetz von Frauenfeld erreicht.»

Der Batteriespeicher habe daneben auch weitere Aufgabe im übergeordneten Netz, wo er vor allem der Frequenzstabilisierung diene. Auch finanziell sei der Betrieb attraktiv, «da mit dem Beitrag im übergeordneten Netz und der Glättung der Lastspitzen gute Erträge erwirtschaftet werden können». Das komme letztlich den Thurplus-Kunden zugute.

EKZ hat bei Machbarkeitsanalyse unterstützt

Peter Wieland, Geschäftsführer Thurplus.

Peter Wieland, Geschäftsführer Thurplus.

Bild: PD

Thurplus ist das Projekt sauber angegangen und hat die Machbarkeit analysiert. Unterstützt wurde man dabei von EKZ, dem Elektrizitätswerk des Kantons Zürich. Unter die Lupe nahm man die technische Machbarkeit, die Wirtschaftlichkeit und mögliche Standorte. Bei Letzterem schwang die städtische Parzelle bei der Messstation Geisskopf im Juch obenaus, gegenüber der Messstation Kurzdorf und der Trafostation Oberwiesen. Auch baulich und netztechnisch hat dieser Ort klare Vorteile. Die Variante, dass auch bestehende Bauten genutzt werden, bekommt Pluspunkte.

So kommt man auf Investitionen von einmalig 1,95 Millionen Franken. Die jährlichen Betriebskosten würden in diesem Fall bei knapp 64'000 Franken liegen. Demgegenüber sollen Erträge von 260'000 Franken im Jahr fliessen. Das führt zu einem erwarteten Geldfluss von 326'000 Franken innert zehn Jahren. Beiträge des Kantons von bis zu 100'000 Franken sind hier noch nicht eingerechnet.

«Betreffend Grösse und Leistung des Speichers, die so berechnet sind, dass sie auch nach zehn Jahren in der angegebenen Leistung abgegeben werden können, ist es aufgrund der Entwicklung der dezentralen Energieerzeugungsanlagen sinnvoll, nicht nur die momentanen Bedürfnisse abdecken zu können, sondern auch die der Zukunft.»
Anfang Jahr ging auf dem Dach der Firma Keller Stahl eine grosse städtische Solar-Beteiligungsanlage ans Netz.

Anfang Jahr ging auf dem Dach der Firma Keller Stahl eine grosse städtische Solar-Beteiligungsanlage ans Netz.

Bild: Andrea Stalder

Das liest man in der Botschaft. Angepeilt wird deshalb eine Anlage mit 2,5 Megawatt Leistung respektive 2,5 Megawattstunden Kapazität. Es gibt vor Ort ein bis zwei Schiffscontainer, zudem werden Räume in der bestehenden Messstation genutzt. Der Standort ist gemäss Gefahrenkarte lediglich gering gefährdet, nämlich durch selten auftretende Thurhochwasser-Ereignisse.

Thurplus wird beim Bau möglichst viele Eigenleistungen einbringen. Submissionsrechtlich vergeben werden nur die Teilbereiche, welche dies vom Auftragsvolumen erfordern. Es sollen möglichst lokale Unternehmen berücksichtigt werden. Den Unterhalt der Anlage übernimmt eine externe Firma. Wie der Botschaft zu entnehmen ist, hat sich Thurplus auch Gedanken gemacht zur Nachhaltigkeit, etwa betreffend den Abbau von Kobalt, Lithium und Seltenen Erden sowie zum Recycling von Batterien.

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