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Borkenkäfer zerfrisst Thurgauer Holzmarkt +++ Bürgergemeinde Schlatt exportiert Fichten nach Asien

Die Bürgergemeinde Schlatt bleibt auf Kubikmetern von Fichtenholz sitzen. Letzter Ausweg ist ein Export nach China. Für Revierförster Jakob Gubler handelt es sich dabei nicht um ein Geschäft, sondern um Entsorgung.
Thomas Brack/Stefan Hilzinger
Bürgergemeindepräsident Beat Möckli und Revierförster Simon Pachera vor dem aufgeschichteten Käferholz. (Bild: Thomas Brack)

Bürgergemeindepräsident Beat Möckli und Revierförster Simon Pachera vor dem aufgeschichteten Käferholz. (Bild: Thomas Brack)

Auf dem ehemaligen Areal der Ziegelei in Schlatt-Paradies türmen sich haushoch 480 Kubikmeter vom Borkenkäfer befallene Fichtenstämme, sogenanntes Käferholz, das jetzt für den Abtransport zubereitet wird. Generationen von Förstern hatten die Bäume gehegt und gepflegt. Die vielen Fichtenstämme, die ausserhalb des Waldes vorübergehend lagern, sollen möglichst nicht nach China gelangen, wie das teilweise andernorts mit heimischem Holz schon der Fall ist. Ein nachdenklicher Beat Möckli, Bürgergemeindepräsident von Schlatt, sagt angesichts des Holzlagers:

«Denn eigentlich ist es unser Tafelsilber, das so verscherbelt wird.»

Das vom Borkenkäfer befallene Holz wäre nämlich durchaus noch zu verwerten, doch das europaweite Überangebot hat die Preise in den Keller fallen lassen.

Transport günstig wegen Überkapazitäten

Fichten wurden einst in Monokulturen gepflanzt, da sie als Bauholz sehr begehrt sind. Nun serbeln und sterben sie massenweise und werden zum Verlustgeschäft, wie Möckli vorrechnet: Die Waldbesitzer erhalten für China-Ware 30 Franken pro Kubikmeter, die Kosten fürs Fällen und den Transport aus dem Wald belaufen sich auf 40 Franken, was unter dem Strich zu einem Verlust von 10 Franken führt.

Beat Möckli zeigt eine vom Borkenkäfer zerfressene Rinde. (Bild: Thomas Brack)

Beat Möckli zeigt eine vom Borkenkäfer zerfressene Rinde. (Bild: Thomas Brack)

«Der Transport ist wegen der Überkapazitäten an Containerschiffen viel zu billig», sagt Möckli. Er vermutet, dass Holz in Form von Billigmöbeln teilweise wieder nach Europa zurückkehre.

Mehr Gratisholz für die Ortsbürger

Das Käferholz stammt aus dem 300 Hektar grossen Wald der Bürgergemeinde und einigen Privaten. «Jeder Haushalt eines Schlatter Bürgers erhält einen Ster Brennholz.» An der letzten Versammlung beschloss die Bürgergemeinde, den Bürgernutzen auf vier Ster Fichtenholz auszuweiten. Nächstes Jahr werde ein weiterer Teil für ein grosses 1.-August-Feuer verwendet.

Jetzt ist schon klar: 2020 wird noch mehr Käferholz anfallen. «Trockenheit und Hitze haben das Immunsystem vieler Bäume geschwächt. Es fehlt ihnen die Vitalität, sich gegen die Schädlinge zu schützen», sagt der Unterthurgauer Revierförster Simon Pachera.

Niemand wisse, wie es mit dem Klimawandel weitergeht. Er möchte nicht von einem Wald-, sondern einem weit verbreiten Baumsterben sprechen. Der Wald als Lebensgrundlage vieler Tier- und Pflanzenartenarten habe mit den von Menschen verursachten Umweltveränderungen zu kämpfen. Viele Bäume seien daran, diesen Kampf zu verlieren oder hätten ihn bereits verloren. In den kommenden Jahren und Jahrzehnten werde der Wald sein Gesicht wandeln.

Nachgefragt bei Revierförster
Jakob Gubler

Die Bürgergemeinde Schlatt ist mit ihrem Problem nicht allein. Die Thurgauer Holzwirtschaft verkauft tatsächlich schon Fichtenholz nach China. Borkenkäfer, Hitze und Trockenheit sorgen für Überangebot. Jakob Gubler, Revierförster am Rhein, ist für den Sammelplatz in einer ehemaligen Kiesgrube in Eschenz verantwortlich.

Wie viel Holz lassen Sie nach China exportieren?

Jakob Gubler, Revierförster in Eschenz. (Bild: PD/Forstamt TG)

Jakob Gubler, Revierförster in Eschenz. (Bild: PD/Forstamt TG)

Seit Freitag transportieren wir das Holz ab dem Sammelplatz in einer stillgelegten Kiesgrube in Eschenz Richtung Basler Rheinhafen. Die erste Tranche sind 2500 Kubikmeter, was rund 100 Lastwagen-Ladungen entspricht. Das ist nur der Anfang. Ich denke, dass bis zum Schluss zwischen 5000 bis 10'000 Kubikmeter zusammenkommen.

Woher kommt das Holz?

Es stammt aus den Wäldern des unteren Thurgaus und teilweise aus dem Kanton Schaffhausen.

Wie kam das Exportgeschäft zu Stande?

Ich würde nicht von einem Geschäft sprechen, es ist eher ein Entsorgen. Das Holz stammt grösstenteils aus dem Sommer 2019. Wir hatten gehofft, es über den Winter nun verkaufen zu können, was aber nicht möglich ist. Ein Holzhändler aus dem Kanton Aargau hat den Kanal nach China geöffnet. Es gelangt auch Zürcher Holz nach Asien. In anderen Jahren konnten wir Holz nach Österreich oder Italien verkaufen, mittlerweile hat es aber in ganz Europa schlicht zu viel Ware.

Wegen der Schäden durch den Borkenkäfer?

Ja, als Folge von Trockenheit und Hitze. Die vom Käfer befallenen Fichten machen 30 bis 40 Prozent des Bestandes aus. Längerfristig wird die Fichte, auch Rottanne genannt, durch andere Arten ersetzt, aber das wird Jahrzehnte dauern. Douglasien, Eichen oder auch Lärchen übernehmen ihren Platz. Unsere Wälder werden sich in den nächsten Jahren verändern.

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