Bon abgewählt – für Cornelia Büchi gilt Gewehr bei Fuss

Wer am Thurgauer Wahlsonntag aufgefallen ist.

Silvan Meile
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Der Romanshorner David H. Bon, Präsident der Thurgauer FDP, verpasst die Wiederwahl in den Grossen Rat.

Der Romanshorner David H. Bon, Präsident der Thurgauer FDP, verpasst die Wiederwahl in den Grossen Rat.

Bild: Reto Martin

Knapp vorbei. Cornelia Büchi hat ihr anvisiertes Ziel verfehlt. Die SVP-Gemeinderätin aus Uesslingen verpasst trotz ihres grossen medialen Auftritts vor einem Monat den Einzug in den Grossen Rat. Büchi geriet ins Visier empörter Medienschaffende, weil sie bewaffnet in den Wahlkampf zog. Auf Wahlplakaten und Postkarten posierte die 59-Jährige besonders «zielorientiert» mit ihrem Sturmgewehr 57. Obwohl es nicht gereicht hat. Büchi kann Gewehr bei Fuss stehen. Sie ist auf dem ersten Ersatzplatz der SVP-Liste. Die Chancen, dass sie während der Legislatur nachrücken kann, sind durchaus intakt. Elf Sitze hat die SVP in ihrem Bezirk Frauenfeld.

Karin Bétrisey von den Grünen schafft nach zwei Jahren im Grossen Rat die Wiederwahl. Angesichts dessen, dass Bétrisey während Wochen als Regierungsratskandidatin im Wahlkampfmodus durch den Kanton zog, sind ihre 2073 beziehungsweise 1000 Stimmen Rückstand auf Parteikollege Didi Feuerle erstaunlich. Bétrisey muss sich auf der Liste der Grünen im Bezirk Arbon auch noch von der neu gewählten Amriswiler Stadträtin Sandra Reinhart (2181 Stimmen) überholen lassen.

Amriswil spürt Aufwind. Auch der Stadtpräsident Gabriel Macedo (FDP) schafft den Sprung in den Grossen Rat. Das bekommt der ehemalige Romanshorner Stadtpräsident und Noch-FDP-Präsident David H. Bon bitter zu spüren. Er verpasst auf der FDP-Liste die Wiederwahl und muss sich aufgrund Macedos Wahl mit dem ersten Ersatzplatz begnügen.

Weniger Wahlglück hat die CVP im Hinterthurgau. Dort reduziert sich ihre Sitzanzahl von sechs auf fünf. Leidtragender ist der Balterswiler Kilian Imhof. Er verpasst die Wiederwahl nur knapp. Sein Parteikollege Peter Bühler aus Ettenhausen ergattert den letzten CVP-Sitz im Bezirk mit lediglich 39 Stimmen Vorsprung auf Imhof.

Nur 49 Stimmen fehlen dem Kreuzlinger Stadtrat Markus Brüllmann (SP) für einen Sitz. Diese Anzahl Stimmen liegt er hinter der neugewählten Parteikollegin Elina Müller, ebenfalls aus Kreuzlingen.

Für Clemens Albrecht (SVP, Oberwangen) endet die Zeit als Kantonsrat. Er verliert seinen Platz im Parlament, weil der Gastro-Unternehmer und Aadorfer Vize-Gemeindepräsident Stefan Mühlemann den Sprung in den Grossen Rat schafft und Albrecht verdrängt. Mühlemann machte sich im vergangenen Herbst als SVP-Nationalratskandidat einen Namen.

Bereits einen bekannten Namen hat Beda Stähelin (CVP, Frauenfeld). Der Sohn des ehemaligen Regierungsrats und alt Ständerats Philipp Stähelin (CVP) ist kürzlich ins Frauenfelder Stadtparlament nachgerückt. Vielleicht widerfährt ihm dies in der nächsten Legislatur auch auf Kantonsebene. Am Sonntag schafft es Stähelin junior auf der CVP-Liste des Bezirks Frauenfeld auf den ersten Ersatzplatz.

Für die Thurgauer BDP bedeutet der Wahlsonntag Lichterlöschen. Die Partei verliert ihre letzten beiden Sitze im Kantonsparlament. Sowohl Andreas Guhl (Oppikon) als auch Roland A. Huber (Frauenfeld) müssen ihren Platz räumen. «Nach dem Resultat an den nationalen Wahlen im Herbst habe ich damit gerechnet», sagt Guhl. «Nicht wieder anzutreten wäre aber feige gewesen.» Mit 2178 Stimmen gelingt Guhl dennoch ein Achtungserfolg. Das ebnete der Listenpartnerin CVP wohl den Weg für ihren zusätzlichen Sitzgewinn im Bezirk Weinfelden. Diesen ergattert die 27-jährige Sekundarlehrerin Petra Merz-Helg mit nur 30 Stimmen Vorsprung auf Samuel Curau.

Niemand holt mehr Stimmen als Daniel Vetterli (SVP, Rheinklingen). Der Landwirt holt im bevölkerungsstärksten Bezirk Frauenfeld 6293 Stimmen. Nicht weit davon entfernt ist die Frauenfelder Buchhändlerin Marianne Sax (SP). Sie vermochte 5863 Wählerstimmen auf sich zu ziehen.

Zu einer Rochade kommt es bei der FDP im Bezirk Frauenfeld. Die engagierten Wahlkämpfe von Martina Pfiffner Müller aus Gachnang zahlen sich aus. Die Unternehmensberaterin konnte die Stimmbürger überzeugen. Dies auf Kosten von Diessenhofens Vize-Stadtpräsident Andreas Wenger. Sein Auftritt im Kantonsparlament war kurz. Er rückte im August 2019 für den zurückgetretenen Max Möckli aus Schlatt nach.

Ebenfalls aus dem Kantonsparlament verabschieden muss sich Roland Manser (FDP, Märstetten). Er ist das Opfer des Sitzverlustes seiner Partei im Bezirk Weinfelden. Dort trifft es auch Alex Granato (SP, Götighofen). Seinen Sitz müssen die Sozialdemokraten abschreiben.