Bodensee-Thurtalstrasse: Jetzt geht die Post ab nach Bern

Der Kanton Thurgau übergibt dem Bund das fertige Projekt der Bodensee-Thurtalstrasse.

Thomas Wunderlin
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Zehn Schachteln fürs Astra: Regierungsrätin Carmen Haag, Kantonsingenieur Andy Heller, Projektleiter Peter Imbach.

Zehn Schachteln fürs Astra: Regierungsrätin Carmen Haag, Kantonsingenieur Andy Heller, Projektleiter Peter Imbach.

Reto Martin

Das Wichtigste in Kürze: 

  • Das Generelle Projekt der BTS umfasst zehn Schachteln.
  • Der Weinfelder Viadukt ist auch dabei.
  • Zudem zahlreiche Zusatzkonzepte zu Umwelt, Langsamverkehr und Landwirtschaftsstruktur.
  • Den weiteren Fahrplan gibt der Bundesrat 2022 bekannt.

Kantonsstrasse wird zur Nationalstrasse

Am Montag übergibt das Thurgauer Tiefbauamt zehn Schachteln von insgesamt 1,2 Meter Länge der Post. Adressat ist das Bundesamt für Strassen (Astra). Die Schachteln enthalten 80 Berichte und 600 Pläne zum Bau der rund 30 Kilometer langen Bodensee-Thurtalstrasse (BTS). Rechtzeitig zum Jahreswechsel ist das Projekt fertig geworden.

Ab 1.Januar 2020 ist der Bund zuständig für die bisherige Kantonsstrasse T 14 Bonau-Arbon, zusammen mit insgesamt 400 Kilometer bisheriger Kantonsstrassen.

Demnächst werden die Strassenschilder gewechselt, sagte Kantonsingenieur Andy Heller an einer Medienorientierung am Donnerstag im Regierungsgebäude in Frauenfeld. Statt T 14 heisst die zentrale Achse durch den Kanton Thurgau nun N 23 und wird zu einer Nationalstrasse dritter Klasse.

CVP-Regierungsrätin Carmen Haag.

CVP-Regierungsrätin Carmen Haag.

Reto Martin

Der Bundesrat gibt voraussichtlich Anfang 2022 den weiteren Fahrplan für den Ausbau der bisherigen Kantonsstrassen bekannt. Regierungsrätin Carmen Haag erwartet von den Thurgauer Vertretern im Bundesparlament, dass sie ihren Einfluss geltend machen. Bezahlt wird der auf 1,56 Milliarden geschätzte Bau aus dem NAF, dem 2017 vom Schweizer Volk beschlossenen Nationalstrassen- und Agglomerationsverkehrsfonds.

Neue Strasse soll Thurtal und Aachtal entlasten

Das starke Bevölkerungswachstum, das auch für die nächsten Jahre erwartet wird, hatte zu einer starken Zunahme des Verkehrs auf der Aachtal- und Thurtalachse geführt. Zu seiner Bewältigung entwickelte der Regierungsrat die Schnellstrasse T 14, die in der kantonalen Volksabstimmung 2005 scheiterte. Danach wurde laut Heller «eine bessere und tragfähigere Lösung» gesucht. Im September 2012 fällten die Thurgauer Stimmberechtigten den Grundsatzentscheid für den Bau der BTS.

Regierungsrätin Haag sagte: 

«Wir übergeben mehr als nur eine Strasse.»

Zum sogenannten Generellen Projekt, das jetzt an den Bund übergeht, hat die Kantonsverwaltung eine Reihe von Begleitkonzepten erarbeitet. Sie werden in einem 64-seitigen Begleitbericht vorgestellt. Das Teilprojekt Güterzusammenlegungen beispielsweise zeigt laut Heller ein «enormes Potenzial für Strukturverbesserungen» auf.

Kantonsingenieur Andy Heller.

Kantonsingenieur Andy Heller.

Reto Martin

Für die Vernetzung der natürlichen Lebensräume gibt es ebenso Konzepte wie für den Langsamverkehr und den Rückbau bisheriger Strassen. Die koordinierte Verkehrspolitik umfasst den starken Ausbau des öffentlichen Verkehrs. Laut Heller wurde zudem «viel in die Gestaltung» investiert, denn Brücken und Anschlusswerke seien prägend für die Landschaft. Er zeigte sich überzeugt davon, dass das Thurgauer Vorgehen schweizweit einzigartig sei.

Gekostet hat die bisherige BTS-Planung acht Millionen Franken. Die Planung der ersten Etappe Arbon-Amriswil endete 2016 mit der Verdoppelung der geschätzten Kosten aufgrund der geologischen Probleme bei Amriswil.

Weinfelder Viadukt noch nicht definitiv

Die zweite Etappe Amriswil-Bonau brachte im April 2019 die Erkenntnis, dass der Schutz des Grundwassers westlich von Weinfelden den Bau eines Viadukts über die Eisenbahnstrecke verlangt.

Der Viadukt ist weiterhin geplant, sagte Gesamtprojektleiter Peter Imbach. Allerdings enthält eine Schachtel die Variante einer tief gelegten BTS. Am Montag beginnen weitere Bohrungen im Weinfelder Grundwasser. Laut Imbach kann der Kanton dem Bund einen Wechsel auf die Variante Tieflage beantragen, «wenn wir zeigen können, dass das Grundwasser nicht beeinträchtigt wird». 

Gesamtprojektleiter Peter Imbach.

Gesamtprojektleiter Peter Imbach.

Reto Martin

Parallel zur BTS-Planung durch den Bund führt der Kanton Thurgau die Planung der Oberlandstrasse (OLS) voran, um die Dörfer zwischen Amriswil und Kreuzlingen vom Zusatzverkehr zu entlasten, den die BTS auf dieser Strecke anziehen wird. Für diese Kantonsstrasse liegt ein Vorprojekt im Entwurf vor. Noch ungeklärt ist die Finanzierung, da die Erhöhung der Motorfahrzeugsteuern 2012 in der kantonalen Volksabstimmung abgelehnt worden ist.

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