Bodensee-Schifffahrt
Die Schiffe laufen wieder aus: Aber nur mit einer FFP2-Maske ist der Bodensee rundherum grenzenlos

Trotz Corona, Regen und Wolken: Ab sofort wird der grenzübergreifende Linienverkehr der Bodensee-Schifffahrt schrittweise wieder aufgenommen. Die Schweizerische Bodensee Schifffahrt (SBS) fährt die deutschen Häfen ab dem 29. Mai wieder an.

Hans Suter
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2020 verzeichnete die Schweizerische Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein AG (URh) 45 Prozent weniger Passagiere als im Vorjahr. Im Bild das Motorschiff Thurgau auf dem Hochrhein bei Schaffhausen.

2020 verzeichnete die Schweizerische Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein AG (URh) 45 Prozent weniger Passagiere als im Vorjahr. Im Bild das Motorschiff Thurgau auf dem Hochrhein bei Schaffhausen.

Bild: URh
Norbert Reuter, Bodensee-Schiffsbetriebe (BSB), Konstanz.

Norbert Reuter, Bodensee-Schiffsbetriebe (BSB), Konstanz.

Bild: Thomas Güntert

Kaum heisst es «Leinen los!», ist der Regen da. Bei den arg gebeutelten Vereinigten Schifffahrtsunternehmen für den Bodensee und Rhein (VSU) nimmt man es mit Humor. «Hoffen wir, dass der Regen etwas wärmer wird», schmunzelt der Vorsitzende Norbert Reuter. Der gemeinsame Saisonbeginn der VSU war eigentlich für den 2. April vorgesehen. Wegen der anhaltenden Coronapandemie fuhren die Schifffahrtgesellschaften aber nur innerhalb ihrer Landesgrenzen, und das mit reduziertem Angebot. Lediglich die Schweizerische Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh) bietet bereits seit dem 15. Mai wieder grenzübergreifende Kursfahrten an.

Fahrt voraus in die Normalität

Nun aber wird das Fahrplanangebot deutlich erweitert, wie die Vereinigten Schifffahrtsunternehmen für den Bodensee und Rhein am Freitag an einer Medienkonferenz mitteilten. Seit Freitag fahren die Schiffe die meisten Häfen und Landestellen wieder an. Auch der sogenannte Längsverkehr zwischen Bregenz und Konstanz kann wieder stattfinden. Die Schweizerische Bodensee Schifffahrt (SBS) hingegen fährt die deutschen Häfen erst ab 29. Mai wieder an.

Verbandszweck

Der Zweck der Vereinigten Schifffahrtsunternehmen für den Bodensee und Rhein (VSU) ist die Pflege und Förderung des Schifffahrtverkehrs auf dem Bodensee und Rhein. Die VSU hat es sich zur Aufgabe gemacht, einen gemeinsamen Fahrplan und einheitliche Tarife der beteiligten Schifffahrtsunternehmen anzubieten. (has)

Alles in allem entspricht das Angebot noch nicht dem gewohnten Frühlingsfahrplan, wie Vertreter der beteiligten Schifffahrtgesellschaften aus Deutschland, Österreich und der Schweiz erklärten. «Wir sind aber optimistisch, dass die Schiffe bald wieder im regulären Fahrplan unterwegs sein können», sagte Norbert Reuter.

Tragen einer FFP2-Maske teilweise Pflicht

Als Sicherheitsvorkehrung wurde ein gemeinsames Infektionsschutz- und Hygienekonzept entwickelt, das auf allen Schiffen und in den Hafenanlagen der VSU gilt. Es berücksichtigt die nationalen Schutzvorschriften der Vierländerregion Bodensee und ermöglicht es den Schifffahrtgästen, dass sie alle VSU-Schiffe nutzen können. Dazu zählen unter anderem das Tragen eines Mund-/Nasen-Schutzes an Bord sowie umfangreiche Flächendesinfektionen und das Einhalten von Mindestabständen.

Wer keine unangenehmen Überraschungen erleben möchte, trägt zur Sicherheit eine FFP2-Maske. Der Grund liegt in den teils immer noch unterschiedlichen Vorschriften der Bodensee-Anrainerstaaten. In Österreich sind FFP2-Masken-Pflicht, in Bayern ebenfalls, in Baden-Württemberg je nach epidemiologischer Inzidenz (aktuell nicht) und in der Schweiz reicht eine normierte medizinische Maske.

Massive Einbussen im Coronajahr 2020

Markus Wilda, Schweizerische Bodensee Schifffahrt (SBS), Romanshorn.

Markus Wilda, Schweizerische Bodensee Schifffahrt (SBS), Romanshorn.

Bild: Reto Martin

Die Schweizerische Bodensee-Schifffahrtsgesellschaft AG (SBS) blickt auf eines der schwierigsten Jahre in ihrer über 160-jährigen Geschichte zurück. Der Lockdown, geschlossene Grenzen und die anschliessende Maskenpflicht, die ausschliesslich im öffentlichen Verkehr galt, stellten das Unternehmen vor grosse Herausforderungen, wie Verkaufsleiter Markus Wilda erläuterte:

«Die Passagierzahlen haben sich im Krisenjahr 2020 mehr als halbiert, was sich in einem Unternehmensverlust in Millionenhöhe niederschlägt.»
Remo Rey, Schweizerische Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh).

Remo Rey, Schweizerische Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh).

Bild: Thomas Güntert

Mit einem Minus von 53 Prozent hatte die SBS den grössten Einbruch zu verkraften. Die Passagierzahl sank gegenüber 2019 von 562'558 auf 264'368 Fahrgäste. Ähnlich tönte es von Remo Rey, Geschäftsführer der Schweizerischen Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh). Er hat einen Rückgang von 43 Prozent zu beklagen, von 337'356 auf 185'676 Fahrgäste.

Alexandro Rupp, Vorarlberg Lines (VLB).

Alexandro Rupp, Vorarlberg Lines (VLB).

Bild: Thomas Güntert

Die grösste der VSU-Schifffahrtgesellschaften, die Bodensee-Schiffsbetriebe GmbH (BSB) mit Sitz in Konstanz, musste laut Geschäftsführer Frank Weber einen Passagierrückgang von 2'132'632 auf 1'318'812 hinnehmen – ein Minus von 38 Prozent. Am glimpflichsten davongekommen ist die Vorarlberg Lines Bodenseeschifffahrt (VLB). Laut Geschäftsführer Alexandro Rupp reduzierte sich die Passagierzahl von 498'115 auf 324'251, was einem Minus von 34,9 Prozent entspricht.

Über alle Gesellschaften hinweg betrachtet hatte die VSU einen Rückgang um 40,3 Prozent von 3'530'491 auf 2'093'107 Passagiere zu verzeichnen.

Vorgängig informieren und Tickets online buchen

Fahrgäste können die aktuellen Schiffsverbindungen auf den Websites der einzelnen Schifffahrtsunternehmen finden und ihre Ausflüge planen. Sie werden gebeten, sich dort auch über die geltenden Hygienemassnahmen zu informieren und Tickets nach Möglichkeit vorab online zu kaufen.

www.bodenseeschiffe.ch, www.urh.ch, www.bsb.de, www.vorarlberg-lines.at