Blutige Auseinandersetzung in Frauenfeld: 30-Jähriger mit Stichwaffe mittelschwer verletzt

Ein algerischer Asylbewerber verschanzt sich nach einer Auseinandersetzung unter mehreren Männern während mehrerer Stunden auf dem Dach. Das ruft sogar die Feuerwehr auf den Plan.

Andreas Taverner
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Feuerwehr und Polizei sind gerade eingetroffen und beginnen beim Unteren Graben, Absperrungen zu errichten.

Feuerwehr und Polizei sind gerade eingetroffen und beginnen beim Unteren Graben, Absperrungen zu errichten.

Bild: Andreas Taverner

«Wir wurden von der Polizei um neun Uhr aufgeboten», sagt Ursin Camenisch, Major und in dieser Funktion Feuerwehrkommandant der Stützpunktfeuerwehr Frauenfeld am Samstagnachmittag im Depot. «Zum Glück sind solche speziellen Ereignisse sehr selten», sagt es und blickt auf seine Uhr. «Wir haben nun wie nach jedem Einsatz eine Nachbesprechung», erklärt er, um dann unverzüglich zu den wartenden Angehörigen der Feuerwehrleute zu eilen.

Bei dem Einsatz der Feuerwehr, die grossräumig den Platz zwischen Casino, Oberstadtstrasse bis Unterer Graben absperrte, kam nebst der Autodrehleiter auch ein Sprungretter zum Einsatz. Dies, da der algerische Asylbewerber sich mehrere Stunden auf dem Dach der Liegenschaft verschanzt hatte und ein Hinunterspringen nicht ausgeschlossen werden konnte.

Zuerst ein Marokkaner, dann ein Algerier

Die Polizei teilte am Samstagnachmittag zunächst mit, dass es sich beim Täter um einen 33-jährigen Marokkaner handle. Am Sonntag korrigierte die Polizei ihre Angaben und meldete, dass es sich beim Verhafteten um einen 37-jährigen Algerier handelt.

Matthias Graf, Mediensprecher der Kantonspolizei Thurgau.

Matthias Graf, Mediensprecher der Kantonspolizei Thurgau.

Bild: PD.

«Kurz nach 6.30 Uhr kam es in einer Liegenschaft an der Grabenstrasse 19 zu einer Auseinandersetzung zwischen mehreren Personen», sagte Matthias Graf, Chef Mediendienst der Kantonspolizei Thurgau, vor dem Casino, das kurzfristig zu einem improvisierten Medienzentrum umfunktioniert worden war.

Nach den Erkenntnissen der Kantonspolizei Thurgau wurde dabei ein 30-jähriger Mann durch eine Stichwaffe mittelschwer verletzt. Er musste mit dem Rettungsdienst ins Spital gebracht werden. Ein weiterer 37-jähriger Mann wurde leicht verletzt.

Um 13.30 Uhr ergibt sich der Täter

Ein Verhandlungsteam der Kantonspolizei Thurgau konnte kurz vor 13:30 Uhr den Täter zur Aufgabe überzeugen. Dies, nachdem Spezialisten mehrere Stunden lang mit ihm in Kontakt gestanden hatten.

Der 37-jährige algerische Asylbewerber liess sich in der Folge von den Einsatzkräften widerstandslos festnehmen. «Er ist kein Tourist», erklärt Graf, aber in der Schweiz gemeldet. Weitere Angaben konnte oder wollte er zu diesem Zeitpunkt nicht machen.

Wahrscheinlich auch, um den laufenden Ermittlungen, wie es zur Tat kam, was das Motiv und die Hintergründe der schrecklichen Tat sind, nicht vorzugreifen. Am Tatort herrscht, soweit die Zimmertüren aufstehen, ein kleineres Chaos. In einem der Zimmer ist das Bett durchwühlt, in einem anderen wäre Lüften dringend angesagt. Ansonsten ist die Wohnung ein Ort, an dem man es sich bequem einrichten könnte. Sichtbalken, fast alles vor kurzem renoviert und zentral gelegen.

Ende gut, alles gut bei der Feuerwehr

Unterdessen geht es dem Feuerwehrmann, dem ein Passant eine Dose vor den Augen der Öffentlichkeit angeworfen hatte, wieder gut. Er lacht und findet alles halb so schlimm.

Wie ein anderer ergänzt, kommt es zum Glück sehr selten zu solchen Tätlichkeiten. Auf die Frage an einen anderen Feuerwehrmann, wie er solche seltenen aber ungewöhnlichen Ereignisse verarbeite, meint er, dass man sich solche Dinge nicht zu nahekommen lassen dürfe. «Der Rettungsdienst muss sich manchmal viel mehr anhören als wir», ergänzt einer seiner Kollegen.

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