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Ifwilerin empfiehlt: Kinder sollen im Auto rückwärts mitfahren

Kinder bis vier Jahre sollen aus Sicherheitsgründen rückwärts im Auto sitzen. Was die Kindersitz-Verkäuferin Jessica Lombardi zum Geschäftsmodell macht, beurteilt die Polizei zurückhaltend.
Simon Dudle
Autositz-Verkäuferin Jessica Lombardi mit ihrem Sohn, der die Reisen jeweils rückwärts fahrend mitmacht. (Bild: Simon Dudle)

Autositz-Verkäuferin Jessica Lombardi mit ihrem Sohn, der die Reisen jeweils rückwärts fahrend mitmacht. (Bild: Simon Dudle)

Es ist Ferienzeit. Wer mit kleinen Kindern verreisen will, macht sich doppelt Gedanken zum Thema Sicherheit im Auto. Neben dem eigenen Wohlempfinden geht es vor allem darum, dass dem eigenen Spross auf der Reise nichts passiert. «Rund 50 Prozent aller Kinder sind im Auto nicht richtig gesichert», sagt Hanspeter Krüsi von der Kantonspolizei St. Gallen. Dem Kindersitz kommt somit grosse Bedeutung zu.

Neben der passenden Qualität des Sitzes ist auch die auf den ersten Blick eindeutig scheinende Frage zu beantworten, in welche Richtung das Kind beim Transport blicken soll. «Nach vorne», wird wohl die Mehrheit aus Gewohnheit antworten. Jessica Lombardi vom Hinterthurgauer Unternehmen Kindersitzgarage.ch sieht das anders. Die Expertin und Mutter eines gut einjährigen Sohnes hat sich auf sogenannte Reboardsitze spezialisiert.

Kopf eines Kleinkinds im Verhältnis schwerer

Hinter diesem Begriff versteckt sich die Tatsache, dass der Sitz so ins Auto gemacht wird, dass die Kinder nach hinten blicken – also entgegen der Fahrtrichtung. «Bei Kleinkindern ist der Kopf im Verhältnis zum restlichen Körper deutlich grösser und schwerer als bei erwachsenen Menschen. Zudem ist die Rückenmuskulatur noch nicht vollständig ausgebildet. Kommt es zu einem Frontalcrash, klappt der Kopf nach vorne», sagt Jessica Lombardi.

Bei einem Unfall könnten Kräfte von bis zu 300 Kilogramm auf den Nacken des Kindes wirken. «Wenn das Kind rückwärts fährt, wird es bei einem Frontalcrash in den Sitz gedrückt und die Kräfte verteilen sich auf den ganzen Oberkörperbereich», sagt Lombardi. Die Ifwilerin ergänzt: «Reboardsitze sind fünfmal sicherer als die vorwärts gerichteten Sitze.»

Kritik: Einbau birgt Fehlerquellen

Bei der Kantonspolizei hat man in dieser Thematik eine differenzierte Meinung. Auf Anfrage sagt Hanspeter Krüsi, dass Reboardsitze zwar erlaubt seien, aber: «Der Einbau ist eher kompliziert und birgt Fehlerquellen. Ein normaler Kindersitz braucht weniger Platz und wird aufgrund der genannten Faktoren bevorzugt.»

Kenntnisse über das Verhalten eines vierjährigen Kindes, welches die ganze Fahrt rückwärtsfahrend erlebt, seien noch zu wenige vorhanden. Die Polizei empfiehlt dann aber doch, dass so lange wie möglich die Babyschale und rückwärts gerichtete Kindersitze verwendet werden, da Frontalzusammenstösse am häufigsten vorkommen. Und weiter: «Der Sitz soll vor dem Kauf unbedingt ausprobiert und der korrekte Einbau erfragt werden», sagt Krüsi.

«Auch für Erwachsene sinnvoll»

Den Aspekt mit der hohen Fehlerquelle lässt Jessica Lombardi nicht gelten und zeigt an einem Beispiel, dass der Einbau mit wenigen Handgriffen erfolgt. Sie verweist darauf, dass in den Läden die Installation häufig zu wenig genau erklärt werde.

Die 24-Jährige geht sogar noch einen Schritt weiter und sagt: «Es wäre auch für uns Erwachsene sinnvoll, wenn wir rückwärtsfahren könnten, da auch unser Kopf bei einem Frontalcrash in den Sitz gedrückt würde. Bei Kindern ist vor allem die richtige Sicherung wichtig.»

Nur bis zu gewissem Alter

Reboardsitze – im Durchschnitt teurer als herkömmliche Modelle – sind nur bis zu einem Alter von etwa vier Jahren geeignet und die meisten Modelle lediglich bis zu einer maximalen Körpergrösse von 105 cm zugelassen. «Mit vier Jahren hat ein Kind die geistige Reife, um sich nicht mehr aus einem Sitz lösen zu wollen», sagt Jessica Lombardi.

Für die Hinterthurgauerin ist klar, dass den Rebordsitzen die Zukunft gehört. Sie verweist auf Schweden, wo bereits 98 Prozent der Kinder rückwärts fahrend transportiert würden. Bei der Polizei rät man: «Wichtig ist, dass der Kindersitz zu den eigenen Bedürfnissen, dem Auto und dem Kind passt. Genau so wichtig ist der richtige Einbau und stramm gespannte Gurte», sagt Krüsi.

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